grafische Animation eines künstlichen Kopfes mit dem Weltall im Hintergrund
Bildrechte: Colourbox.de

Künstliche Intelligenz Die Zukunft ist schon da

Selbstfahrende Autos, die uns von A nach B kutschieren oder Roboter, die uns den Haushalt machen: Künstliche Intelligenz soll uns in Zukunft den Alltag erleichtern und Vorteile bieten. Doch viele Menschen machen sich Gedanken, was passiert, wenn Computer nicht nur schlauer sind als wir, sondern sich auch noch eigenständig weiterentwickeln.

grafische Animation eines künstlichen Kopfes mit dem Weltall im Hintergrund
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Guten Morgen! Hier ist Alexa, deine persönliche Assistentin! Zeit, aufzustehen! Die Kaffeemaschine habe ich schon angeschaltet. Wenn du aus der Dusche kommst, ist der Cappuccino fertig, genau so, wie du ihn magst. Du hast heute ein zeitiges Meeting, deswegen musst du dir die Nachrichten bitte im selbstfahrenden Auto anhören, das dich abholt. Während du auf Arbeit bist, werde ich den Haushaltsroboter anweisen, dass er sauber macht. Milch, Butter und Eier sind alle - ich werde für heute Abend neue bestellen. Wie viel Grad soll denn die Wohnung haben, wenn du nach Hause kommst?

DAS ist die Zukunft, wie sie Forscher schon für das Jahr 2030 sehen. Und ein Großteil davon existiert jetzt schon - wenn auch oft noch nicht so ausgereift. Wir reden jetzt schon mit unseren Handys oder mit Alexa. Wir können jetzt schon die Heizung oder das Licht per App von Arbeit aus einschalten. Bei einem Online-Einkauf merken sich die Anbieter jetzt schon, was wir mögen und schlagen uns ähnliche Produkte vor. Die Grundlage von all dem? Künstliche Intelligenz, kurz KI.

Was bedeutet Künstliche Intelligenz?

Das genau zu sagen, ist schwierig, denn schon "menschliche Intelligenz" ist als Begriff nicht fest definiert. Bei KI geht es darum, einen Computer zu bauen, der selbstständig Probleme lösen kann. Er wird mithilfe von Algorithmen programmiert, also mit Handlungsanweisungen, wie er ein bestimmtes Problem lösen kann. Ein guter Vergleich aus dem Netz:

Stellt man sich ein Brettspiel vor, so ist die schriftliche Anleitung dazu der Algorithmus. Das wirkliche Spielen und Anwenden der zuvor im Algorithmus beschriebenen Regeln, stellt das Programm dar.

MrKnowing.com

Es geht also darum, einer Maschine so viel beizubringen, dass sie Probleme ohne einen Menschen lösen kann. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass sie selbstständig dazu lernt.

Wozu brauchen wir Künstliche Intelligenz?

Umschau Quicktipp - Staubsaugroboter
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Eine KI steckt schon in unglaublich vielen Bereichen: von Suchmaschinen wie Google über Staubsauger-Roboter bis zur Diagnose von Krankheiten, der Überwachung öffentlicher Plätze und der Berechnung von Aktien-Kursen. Selbstlernende Computer sind also schon in fast allen Bereichen unseres Lebens vorhanden. Und Künstliche Intelligenz wird unser Leben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten radikal verändern. Davon sind viele Wissenschaftler überzeugt - unter anderem an der Stanford University in Kalifornien/USA. Dort haben Forscher 2016 einen umfangreichen Bericht zu Künstlicher Intelligenz veröffentlicht. Sie sagten damals schon, dass Künstliche Intelligenz in den folgenden fünf wichtigen Bereiche unser Leben beeinflussen wird:

Hilfe im Haushalt

Wäre es nicht schön, wenn man niemals wieder die Wäsche machen oder den Boden wischen müsste? Es gibt jetzt bereits kleine Helfer, die staubsaugen oder auch den intelligenten Kühlschrank, der meldet, wenn die Milch alle ist. In Zukunft wird es im Service- und Dienstleistungsbereich aber um Vernetzung gehen. Das Ziel: ein "Smart Home" - ein vollkommen vernetztes digitales Zuhause, in dem eine Intelligenz, zum Beispiel der Persönliche Assistent, alles koordiniert. Darüber hinaus sehen die Forscher großes Potential in Robotern oder Drohnen, die Pakete ausliefern oder Büros saubermachen. Dazu braucht es leistungsfähigere Hardware wie Computerchips und Sensoren und Weiterentwicklungen unter anderem bei der Spracherkennung.

Wer wird behandelt und wer nicht?

Es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen: Ein Computer kann im Schnitt weit mehr Berechnungen pro Sekunde anstellen als ein Mensch - man könnte sagen, die Maschine denkt schneller. In Situationen, in denen es um die Gesundheit von Menschen geht, kann das einen großen Unterschied machen. So gibt es jetzt bereits Diagnoseprogramme, die aufgrund der Krankengeschichte eines Patienten die ideale Behandlungsmöglichkeit ermitteln - und das weit schneller als jeder Mensch es könnte. Das Problem: Ein Diagnoseprogramm kennt nur die Daten, mit denen es gefüttert wird. Und wenn es angewiesen wird, auf die Kosten zu achten, könnte theroretisch so ein Programm entscheiden, dass ein Schwerkranker eine bestimmte teure Behandlung nicht mehr bekommt - weil es sich statistisch gesehen nicht lohnt. Andererseits könnten vielleicht Pflegeroboter Fachkräftemangel in der Pflege ausgleichen oder Reha-Roboter Menschen bei ihrer Therapie helfen. So wurde 2016 in Erfurt ein sprechender Reha-Roboter namens Roreas vorgestellt, der Schlaganfall-Patienten wieder auf die Beine helfen soll. Dresdner Forscher der HTW nennen ihren Roboter "August der Smarte". Er kann seine Umgebung wahrnehmen und mit Menschen interagieren.

Nahaufnahme eines Roboters mit großen runden Augen
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Sicherheit geht vor

Künstliche Intelligenz kommt jetzt schon unter anderem bei Kamera-Überwachung zum Einsatz. Künftig soll die Gefahr, die von einem Ort oder einer Person ausgeht, genau berechnet werden können. Das Problem: Die Daten, die der Mensch dem Programm liefert, können einen - auf Englisch genannt - "Bias" enthalten, also eine Verzerrung. Davor hat zuletzt Karen Ullrich gewarnt. Die Leipzigerin promoviert gerade in Amsterdam zu Maschinellem Lernen. Bei dem Teilgebiet der Forschung geht es darum, wie ein künstliches System aus Beispielen lernt und daraus dann allgemeine Schlussfolgerungen ziehen kann. Beim Kongress des Chaos Computer Clubs, der Ende des Jahres in Leipzig stattfand, warnt Ullrich vor Verzerrungen in den Daten und bringt als Beispiel das Programm COMPAS aus den USA. Mit dem soll ermittelt werden, welcher Straftäter nach einer Verurteilung wieder rückfällig wird und welcher nicht. Die Grundlage für das Programm ist ein Algorithmus, der mit Daten gefüttert wird, die die Justizbeamten bereitstellen. Da kommt dann dieser Bias ins Spiel: In den USA werden signifkant mehr Afro-Amerikaner verurteilt im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Allein schon diese Tatsache führt zur Verzerrungen. Der Algorithmus sieht aber nicht den soziologischen oder ökonomischen Kontext für Kriminalität. Für ihn heißt es dann einfach: schwarze Hautfarbe = Risikofaktor. Das ist natürlich hochgradig diskriminierend.

Entspannung auf der Straße

Selbstfahrendes Auto von Chevrolet
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Ein weiteres Feld, in dem die Forscher auch große Veränderungen erwarten, ist der Verkehr. Selbstfahrende Autos werden einen Großteil der privaten Autos überflüssig machen. Die Vision der Forscher: In den Städten werden sich die Bewohner die selbstfahrenden Autos teilen und immer eines rufen können, wenn es nötig ist. Wenn weniger Autos auf den Straßen sind, hat das natürlich Auswirkungen auf Städteplanung und allgemeine Infrastruktur. Der Wermutstropfen: Auch Lkw-Fahrer werden wohl durch selbstfahrende Transporter ersetzt und dadurch massenweise ihre Arbeit verlieren.

Schöne neue (Arbeits-)Welt

Und das ist der Punkt, der den meisten Kritikern Sorgen bereitet: Das Fortschreiten der Künstlichen Intelligenz wird dazu führen, dass sich unsere Arbeitswelt umfassend ändert. Berufe werden aussterben und viele Menschen werden wahrscheinlich einfach nicht mehr gebraucht - vom Paketboten über die Reinigungsfachkraft bis zum Fabrikarbeiter. Wie sollen die Betroffenen dann ihren Lebensunterhalt verdienen? Arbeit hat ja für viele auch etwas mit Sinn zu tun - wie wird die künftige Arbeitswelt dem gerecht? Das sind Fragen, die die Experten diskutieren müssen - so unter anderem auch auf der CES in Las Vegas, der "Consumer Electronics Show" (9.-12.1.2018). Dort sei die Branche schon selbstkritischer geworden, sagen Beobachter. So werde auch über kritische Punkte wie den Datenschutz gesprochen. Zur CES werden rund 170.000 Besucher erwartet. Sie hoffen, dass der technische Fortschritt künftig nicht nur die Kommunikation der Nutzer einfacher macht, sondern auch ein unkomplizierteres, längeres und produktiveres Leben ermöglicht. So sehen die Technik-Anhänger ganze Städte, die vernetzt sind und sich automatisch um Müllentsorgung, Recycling oder Reparaturen kümmern. Und liegen damit voll im Trend. In einem Vorbericht der CES heißt es: Die Menschen sind offen für Neuentwicklungen und geben auch Geld dafür aus. Und in Deutschland benutzt laut einer Studie jeder Achte sogenannte "Smart Home"-Anwendungen - Tendenz steigend.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 08. Januar 2018 | 13:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2018, 10:21 Uhr