grafische Animation eines künstlichen Kopfes mit dem Weltall im Hintergrund
Bildrechte: Colourbox.de

Künstliche Intelligenz Wenn Roboter uns überflügeln

Im kalifornischen Palo Alto gibt es eine sogenannte Singularitäts-Universität. Das ist eine Plattform von Technik-Gläubigen, die davon ausgeht, dass wir es etwa im Jahr 2050 mit superintelligenten Rechnern und Robotern zu tun haben, die klüger sind als wir und die sich selbst weiterentwickeln und verbessern. Diesen Zeitpunkt, an dem die Computer klüger sind als wir, nennt man in der IT-Branche Singularität.

von MDR-Wissenschaftsredakteur Karsten Möbius

grafische Animation eines künstlichen Kopfes mit dem Weltall im Hintergrund
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Zum ersten Mal kommen Vertreter der Singularitäts-Universität nach Deutschland und veranstalten heute und morgen in Berlin einen sogenannten Singularitäts-Gipfel. Prof. Sebastian Rudolph vom Institut für künstliche Intelligenz in Dresden legt nicht die 1.999 Euro auf den Tisch, die eine Teilnahme am 2-tägigen Berliner Singularitätsgipfel kostet. Die Veranstaltung sei nichts für Wissenschaftler:

Aus meiner Sicht geht es eher darum, Leute aus der Wirtschaft bereit zu machen für diesen technologischen Wandel, der von den Leuten prognostiziert wird, die diese Sichtweise vertreten. Ich denke aber nicht, dass das, was in Berlin passiert eine allgemeine Sichtweise eines typischen KI-Forschers ist.

KI ist die gebräuchliche Abkürzung für künstliche Intelligenz. Seine Formulierung verrät schon, dass er die Prognosen der kalifornischen Kollegen für äußerst gewagt hält. Er glaubt auch, dass es grundsätzlich keine Grenze für künstliche Intelligenz gibt. Warum sollten Computer nicht irgendwann alles das können, was wir auch können. Aber im Moment kann uns die künstliche Intelligenz in vielen Bereichen in keinster Weise das Wasser reichen, findet Rudolph:

Und die liegen bei einer Kommunikation auf menschlichem Level. Ich glaube jeder, der mal eine Hotline mit einem Computer am anderen Ende angerufen hat, weiß wovon ich spreche. Die liegen bei Leistungen, die Kreativität erfordern und die liegen bei Leistungen, die Interaktion mit der realen Welt erfordern.

Nach wie vor tasten sich Wissenschaftler in einzelnen Bereichen mit ganz speziellen Fragestellungen an die künstliche Intelligenz heran. Computer spielen schon perfekt Schach oder Go, landen Sonden auf dem Mars oder steuern Autos. Das alles klappt schon nahezu perfekt.

Prof. Dr. Sebastian Rudolph vom Institut für künstliche Intelligenz der Fakultät Informatik der TU Dresden
Prof. Dr. Sebastian Rudolph vom Institut für künstliche Intelligenz der Fakultät Informatik der TU Dresden ist skeptisch, was das derzeitige Leistungsvermögen künstlicher Intelligenz angeht. Bildrechte: Karsten Möbius / MDR Wissen

Um aber zu zeigen, wie gut Computer mit noch komplexeren Herausforderungen umgehen können, lassen Wissenschaftler Roboter Fußball spielen. Noch stolpern sie über Sporthallenparkett und der Wechsel auf den Rasenplatz bekommt ihnen gar nicht gut. Aber das Ziel ist, im Jahr 2050 mit einer Robotermannschaft den aktuellen Weltmeister zu besiegen:

Ich weiß jetzt nicht, ob 2050 ein realistisches Ziel ist. Aber das ist das erklärte Ziel der Community!

Maschinen, die nie krank sind, nie schlechte Laune haben, keinen Urlaub brauchen, nie jammern und immer Entscheidungen nach Faktenlage treffen. Rob Nail der Chef der Singularitäts-Universität spricht von einer Maschine, die ihm etwa 70% aller täglichen Entscheidungen abnimmt. Das ist die nicht allzuferne Vision der kalifornischen IT-Spezialisten der Singularitäts-Universität, die unter anderem von Google finanziert wird.

Andere bekommen bei der Vorstellung von lernenden, sich selbst optimierenden Maschinen ein flaues Gefühl im Magen. Hollywood hat uns dafür schon genug Szenarien geliefert, wie Roboter die Welt beherrschen. Prof. Sebastian Rudolph sieht das eher nüchtern:

Ich glaube, ich habe größere Bedenken, dass eine von Menschen befehligte Roboterarmee irgendwann Kriege führen wird, als dass eine aus sich agierende Roboterarmee mit eigenen Zielen die Menschheit unterjochen würde.

Eine der größten Herausforderungen bei immer intelligenteren Systemen sieht Prof. Rudolph in unserer Technikgläubigkeit. Schon jetzt würden Computer beispielsweise über die Kreditwürdigkeit von Menschen Empfehlungen abgeben. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass in den meisten Fällen, die Algorithmen, die zu den Empfehlungen geführt haben, gar nicht mehr hinterfragt werden. 

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2016, 05:00 Uhr