Lange Nacht der Wissenschaft Magdeburg machte Forschung digital und interaktiv erlebbar

Wir selbst haben es als Kinder geliebt, später erwischen wir eigenen Nachwuchs dabei: Wir experimentieren. Ob wir nun dem Meerschweinchen die Haare färben oder mit dem Chemiebaukasten die Küche in Brand setzen – alle kennen aus dem Ruder gelaufene Experimente oder auch die Momente, wo mal etwas klappte. Unvergessene Momente sind das. Solche Momente wollte man auch in Magdeburg schaffen, denn die erste digitale und interaktive Nacht der Wissenschaft fand statt.

Getreu dem Motto der bundesweiten Aktion "Science Matters" wurde experimentiert, diskutiert und vorgetragen. Trockeneis im Fischteich, ein Ei in der Mikrowelle, selbst hergestellte Knete oder Kerzen im Geschirrspüler: Manchmal ist es die pure Neugier, die uns unerwartete Erkenntnisse beschert vor allem, wenn es dann mal nicht so gut läuft.

Experimente aus dem Alltag

Solche Geschichten gab es in einer Umfrage zur diesjährigen Langen Nacht der Wissenschaften in Magdeburg: "Mein großer Bruder zeigte mir, wie Kittifix funktioniert, das war der DDR-Klebstoff, der auf Wasser schwimmen und - Achtung! - brennen kann. Es hat funktioniert und zack, war mein Pony weg." Oder so eine Geschichte: "Wir haben versucht, Senfeier einzufrieren. Wir haben sie dann auch wieder aufgetaut, bloß essen konnte man sie nicht mehr. Die waren so knüppelhart. Experiment misslungen." Oder eine wunderschöne Episode aus dem Chemieunterricht in der Schule: "In meiner Tätigkeit als Chemielehrer wollte ich meinen Schülern mal zeigen, es kann auch Feuer unter Wasser geben. Und es brannte, und die Schüler freuten sich. Es hat gequalmt und gequalmt, der ganze Klassenraum stand unter Qualm und ich konnte es nicht beenden. Und am Ende hieß es dann von meinen Schülern: 'Das war eine tolle Chemiestunde'."

Die Lange Nacht der Wissenschaft 2021

In diesem Jahr war alles digital. Aber das Experimentieren hat trotzdem stattgefunden.

Monitor auf dem die Moderatorin zu sehen ist. Davor sitzt ein Mann mit Kopfhörern.
Alles anders dieses Jahr. Wegen Corona fand die Lange Nacht der Wissenschaft im Livestream statt. Moderatorin Daniela Schmitt führte durch die spannenden Experimente. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
Monitor auf dem die Moderatorin zu sehen ist. Davor sitzt ein Mann mit Kopfhörern.
Alles anders dieses Jahr. Wegen Corona fand die Lange Nacht der Wissenschaft im Livestream statt. Moderatorin Daniela Schmitt führte durch die spannenden Experimente. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
Ein kleiner Roboter aus Lego, der stark an einen Androiden aus den Star Wars Filmen erinnert.
Nein, wir sind nicht im Spielzeugladen gelandet, sondern machen Programmier-Experimente. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
Ein Legoroboter mit langem ausklappbaren Arm.
Hierbei handelt es sich um kleine Roboter, die Befehle ausführen können. Zum Beispiel einen Knopf drücken. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
An einem Legoroboter mit Rädern sind Drähte befestigt.
An den kleinen Robotern sind Elektroden und Chips befestigt, über die sie ihre Kommandos erhalten. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
Ein Tisch von oben, auf dem die Erde und der Mars abgebildet ist. Die Roboter sollen darauf verschiedene Stationen anfahren.
Und dann heißt es für die kleinen Roboter: Befehl ausführen. Auf einem Miniaturparkour müssen sie Hindernisse überwinden, Schalter betätigen und miteinander kommunizieren. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
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Ernährungshypes wurden unter die Lupe genommen

Wissenschaft zum Anfassen, das sind Experimente, die uns in Erinnerung bleiben. Aber erst wenn es heißt, "bitte zu Hause nicht nachmachen", wird es ja spektakulär. Genau mit dieser Art von Experimenten wartete die Lange Nacht der Wissenschaften auf ein möglichst großes Publikum. Neben den klassischen Experimenten, die man auch zu Hause machen kann, wie einen Schaumkuss oder ein Backpulver-Experiment, gab es noch viele unterschiedliche Sachen. Veranstalterin Janine Koska von der Langen Nacht der Wissenschaften erläutert das:

Wir werfen einen neurowissenschaftlichen Blick auf den Speiseplan und nehmen Ernährungshypes wie Slow Food, Low Carb oder Clean Eating unter die Lupe.

Janine Koska

Denn was wirklich wichtig ist und was Brainfood meint, welche Nahrungsmittel das Gehirn wirklich braucht, wissen wir nicht, sagt Janine Koska.

Insgesamt 18 Stunden Wissenschaft wurden per Livestream übertragen

Neben dem geplanten interaktiven Programm bot die Lange Nacht der Wissenschaften noch viel mehr. Koska freute sich über den Live-Talk mit Professorin Daniela Grimm von der Medizinischen Fakultät der Uni Magdeburg: "Sie sprach mit Gästen darüber, inwiefern Strategien der Weltraumforschung zur Bekämpfung von Krebs eingesetzt werden. Und wir sprachen darüber, welche Herausforderungen der Klimawandel mit sich bringt und ob das Wasser auch wirklich knapp wird." Zudem gab es "Meet the Scientists", also Tresen-Talks, und zwar mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Forschungseinrichtungen, wie Mathematik, Biologie, Gesellschaftsforschung.

Janine Koska, Veranstalterin der Langen Nacht der Wissenschaften Magdeburg
Janine Koska. Bildrechte: Mandy Stappenbeck

Auch Glück war ein Thema in einer Diskussion und auch da konnte man sich von zu Hause aus aktiv beteiligen. Für 18 Stunden Livestream, Podiumsdiskussionen und einem interaktiven Angebot arbeiteten Janine Koska und ihr Team sowie viele wissenschaftliche Einrichtungen in Magdeburg zusammen. Ihnen ging es Koska zufolge darum, dass Wissenschaft gerade derzeit eine ganz besondere Rolle spielt und in der Pandemie-Zeit eine Herkulesaufgabe stemmen muss. "Viele Menschen wissen gar nicht, was da eigentlich dahintersteckt. Das wollten wir zeigen und darüber sprechen." Aber nicht nur über Corona, fügte sie hinzu, sondern auch über Nachhaltigkeit, Digitalisierungsthemen und Medizintechnik. Eben alles, was Wissenschaft ausmacht.

An der langen Nacht beteiligte sich auch der MDR. Carsten Dufner von MDR WISSEN erklärt, um was es ging: "Wir haben die berühmten Experimente von Otto von Guericke nachgemacht und widmeten uns der Medizintechnik."

Lange nacht der Wissenschaft 2021 Experimentieren wie Otto von Guericke

Bei der Langen Nacht der Wissenschaft wurden dieses Mal die alten Experimente vom Magdeburger Wissenschaftler Otto von Guericke getestet. Er lebte im 17. Jahrhundert.

Zwei aufeinanderpassende  Halbkugel aus Kupfer, an denen jeweils ein Seil befestigt ist.
Die Magdeburger Halbkugeln. Mit ihnen demonstrierte Otto von Guericke die Wirkung des Luftdrucks. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
Zwei aufeinanderpassende  Halbkugel aus Kupfer, an denen jeweils ein Seil befestigt ist.
Die Magdeburger Halbkugeln. Mit ihnen demonstrierte Otto von Guericke die Wirkung des Luftdrucks. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
Die Moderatorin kniet über der am Boden liegenden Kugel und prüft, ob beide Hälften fest aufeinander sitzen.
Guericke legte die beiden Halbkugeln aneinander, als Dichtung zwischen ihnen war ein in Wachs und Terpentin getränkter Lederstreifen angebracht. Nun klebte die Kugel fest zusammen. Moderatorin Dani prüft, ob alles sitzt. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
Zwei Männer ziehen an den Seilen, die jeweils an den Hälften der Kugeln angebracht sind.
Auf die Plätze, fertig, ziehen. Guericke demonstrierte damals, dass der Luftdruck, der von außen auf die Kugel wirkt, so stark ist, dass nicht einmal 16 Pferde die Hälften voneinander trennen konnten. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
Schwarze Gewichte aus Metall
Wieviele Gewichte benötigt es, um die Kugeln voneinander zu trennen? Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
An einem kleinen Holzgalgen hängen die Magdeburger Kugeln. Unten daran befestigt ein Brett, auf das die Gewichte gestellt werden können.
Das Experiment lässt sich auch in kleiner Form und in senkrechter Anordnung durchführen. Am Galgen und mit einer ganzen Reihe von Gewichten. Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR Wissen
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So fern das Publikum bei dieser langen Nacht der Wissenschaften auch war, so nah dran war es womöglich auch das erste Mal. Und wer weiß, vielleicht bekam ja der eine oder andere Lust, wieder selbst zu experimentieren oder zu forschen. Ob Käferzucht aufbauen, Chemikalien zusammenschütten: Spaß ist garantiert.

Alle Streams zum Nachschauen

Konnte man die Lange Nacht der Wissenschaften bisher nur einmal erleben, so hat die digitale Variante den Vorteil, dass man sie sich später in aller Ruhe nochmal ansehen kann. Alle Streams des Abends finden Sie hier zum immer wieder anschauen.

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