Skulptur auf Friedhof
Bildrechte: IMAGO

Lebenserwartung Warum starben 2014 so viele zu früh?

Beim Thema Lebenserwartung gab es in den vergangenen Jahrzehnten nur eine Entwicklung: nach oben! Und dann sackt 2014 die Kurve plötzlich ab. Ein Warnschuss, sagen Forscher, die jetzt die Daten ausgewertet haben.

Skulptur auf Friedhof
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Für ihre Studie verglichen Forscher der University of Southern California und der Princeton University (USA) die Daten zur Lebenserwartung aus 18 hochentwickelten Ländern. Sie stellten fest: In den Jahren 2014 und 2015 sank die Lebenserwartung - nicht nur in Deutschland, auch in zwölf anderen Industrienationen. Ein Einbruch schon, so Dr. Domantas Jasilionis vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, aber auf sehr hohem Niveau.

Deutschland hat mit 79 Jahren für Männer und 84 Jahre für Frauen eine sehr hohe Lebenserwartung. Für viele Länder auf dieser Welt ist das ein Traum.

Domantas Jasilionis
Bildrechte: Domantas Jasilionis

Doch 2014 und 2015 gab es plötzlich ein böses Erwachen - nicht nur für Deutschland. Die Kurve der ständig wachsenden Lebenserwartung sank in Deutschland um 0,35 Prozent. Das klingt wenig, für die Forscher ist es aber ein Alarmsignal, so Jasilionis.

Denn der Einbruch könnte ein erstes Indiz für die Probleme sein, die auch Gesundheitssysteme in einer älter werdenden Gesellschaft bewältigen müssen. Und ein weiterer Brennpunkt wird immer deutlicher: Der Unterschied zwischen Arm und Reich, und der betrifft alle Länder.

Es ist ein globales Problem, vor allem aber ein soziales, denn Rauchen und Alkohol konzentrieren sich sehr in Gruppen mit wenig Geld.

Die Zahlen bestätigen, dass in vielen Ländern eine Ungleichheit in der Medizinversorgung existiert, so die Autoren der Studie. Rauchen, Alkohol, falsche Ernährung und Bewegungsmangel sind aber nur ein Teil der Gründe für die Entwicklungen in den Jahren 2014 und 2015. In den USA machten die Forscher massenhaften Missbrauch von Drogen und Schmerzmitteln aus. In Europa gab es eine Grippewelle, bei der vor allem ältere Menschen früher starben.

Aus all diesen Gründen sind die Wissenschaftler alarmiert, denn die Lebenserwartung ist ein Schlüssel für die gesellschaftliche Entwicklung, so Max-Planck-Forscher Jasilionis. "Deshalb müssen wir derartige Auffälligkeiten, wie in den Jahren 2014 und 2015, sehr ernstnehmen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 25. August 2018 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2018, 14:55 Uhr