"Legal highs" Badesalz und Kräutermischung: Unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr

Kräutermischung, Badesalz, Kräuterweihrauch, Pflanzennahrung, Schmuckreiniger - gefährlich für den Straßenverkehr?! Nur wenn man weiß, dass das harmlose Begriffe für chemische Ersatzdrogen sind. Experten warnen vor deren Nebenwirkungen im Alltag.

Drogen im Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes Berlin. - Diverse Legal Highs, auch Spices genannt.
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Zahlen und Statistiken zu Unfällen, die durch den Konsum von Legal Highs verursacht werden, gibt es zwar nicht. Aber Mediziner, Psychologen, Toxikologen und Juristen gehen dennoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Zahl der Verkehrsunfälle nach Drogenkonsum hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Als Drogen zählen aber für die Statistik nur Cannabis, Heroin, Ecstasy, Speed oder andere Amphetamine.

Synthetisch hergestellte Stoffe, die wie Cannabis, Kokain oder Ecstasy wirken, lassen sich nicht mit herkömmlichen Tests wie Atemalkohol- und Drogenschnelltests nachweisen. Entsprechend fallen Unfälle, die durch die chemischen Verwandten illegaler Drogen verursacht wurden, durchs Raster. Auch das ist Thema des Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie, das am Freitag in Saarbrücken beginnt. Die Experten beraten auch darüber, wie die Stoffe nachgewiesen und Drogenfahrten verhindert werden können.

Riskante Nebenwirkung im Straßenverkehr

Angstzustände, Herzrasen, Ohnmacht, Übelkeit, Vergiftungen oder Psychosen - die gesundheitlichen Risiken synthetischer Drogen für ihre Konsumenten sind bereits bekannt. Wie aber wirken sich die Pillen, Pulver und Badesalze"auf das Verhalten im Straßenverkehr aus?

Toxikologin Nadine Schäfer vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Homburg zufolge wirken synthetische Cannabinoide oft dämpfend und führen zu nachlassender Aufmerksamkeit. Daher fallen solche Fahrer wegen ihres sehr langsamen Fahrens auf, im Gegensatz zu denen, die stimulierende Substanzen eingenommen haben: Deren Wachsamkeit ist zwar erhöht - aber auch ihre Risikobereitschaft, was sich zum Beispiel in rasantem Fahren zeigt.

Was sind "Legal Highs"? Kräutermischungen zum Rauchen, Räuchermischungen zum Inhalieren, Badesalz, Kräuterweihrauch, Nahrungsergänzungsmittel, Lufterfrischer: Hinter harmlosen Namen wie "Amazonas Vanila" oder "Gute Laune Räucherwerk" verstecken sich chemisch hergestellte Drogen.

Unterschätzte Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen der synthetisch hergestellten Drogen sind nicht weniger gefährlich als die bei den Originalen. Denn für die chemisch hergestellten Drogen in Pillen- oder Pulverform zum Rauchen, Schlucken oder Schniefen fehlt ein Zusatz: Informationen über Risiken und Nebenwirkungen bekommt man nicht wie in der Werbung beim "Arzt oder Apotheker". Käufer sind auf Gedeih und Verderb den Herstellern ausgeliefert, die ihre Pillen, Pulver, Salze und Krautmischungen über Internetshops vertreiben. Ludwig Kraus, Epidemiologe vom IFT Institut für Therapieforschung in München sagt: 

Wer solche Drogen im Internet bestellt, weiß nicht, was er bekommt - weder ob es legal ist, noch wie es wirkt. Das ist wie eine große Black Box.

Ludwig Kraus

Wie groß diese "Black Box" ist, zeigt der Europäische Drogenbericht 2018. Darin heißt es: "Bis Ende 2017 überwachte die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht mehr als 620 neue psychoaktive Substanzen, die auf dem europäischen Drogenmarkt gehandelt wurden. (...) Die meisten von ihnen werden als "legaler" Ersatz für illegale Drogen verkauft." 2017 wurden in Europa 51 neue Substanzen erstmals gemeldet - und damit auch erstmals weniger als in den fünf Jahren davor.

Legal Highs, ausgepackt.
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Dieses Thema im Programm: MDR Thüringen | Radio | 24. September 2018 | 15:00 Uhr