Lotus-Effekt Auf dieser Folie bleiben keine Keime kleben

Mit Hilfe von Nanotechnik und Chemie haben Forscher eine Folie entwickelt, auf der weder Flüssigkeiten noch Bakterien anhaften können. So könnten etwa Türgriffe dauerhaft keimfrei bleiben.

Super-Lotuseffekt 2 min
Bildrechte: Georgia Kirkos/McMaster University
Super-Lotuseffekt 2 min
Bildrechte: Georgia Kirkos/McMaster University

Eine Forscherin lässt eine blaue Flüssigkeit aus einer Pipette laufen, der Tropfen fällt auf eine runde Folie vor ihr. Als er aufkommt, prallt er einfach von dem kleinen Stück Plastik ab. Liegen bleibt die Flüssigkeit erst neben den Kunststoff-Schnippsel.

Wir sehen einen Werbeclip der McMaster-Universität nahe der kanadischen Metropole Toronto, der die Eigenschaften des neuen Materials demonstrieren soll: eine ultra-abweisende Folie, an der weder Flüssigkeiten noch Bakterien anhaften können. Sie könnte dabei helfen, in Krankenhäusern die Ausbreitung von Keimen besser zu kontrollieren, werben die Forscher.

Dank Lotus-Effekt prallen Keime einfach von der Oberfläche der Folie ab

Forscherin Leyla Soleymani
Leyla Soleymani Bildrechte: Georgia Kirkos/McMaster University

Entwickelt haben die Folie die beiden Ingenieure Leyla Soleymani und Tohid Didar. Sie ließen sich von der Lotuspflanze inspirieren. Auf deren Blättern sorgen ultrafeine Mikrostrukturen dafür, dass keine Flüssigkeiten anhaften können. Auch die jetzt konstruierte Folie soll auf diese Weise selbstreinigend sein, berichten sie im Fachblatt ACS Nano. Das verwendete Material sei eine Veränderung von gewöhnlicher Frischhaltefolie, schreiben Soleymani und Didar.

Forscher Tohid Didar
Tohid Didar Bildrechte: Georgia Kirkos/McMaster University

Die Forscher haben dem Material winzige Falten in Nanogröße hinzugefügt und es chemisch so behandelt, dass der Effekt des Abperlens verstärkt wurde. Diese Strukturen sorgen nach Aussagen der Forscher dafür, dass auch Bakterien einfach abprallen. Überprüft haben sie das nach eigenen Angaben unter anderem mit gefährlichen, multiresistenten MRSA Keimen, mit denen sie die Folie in Kontakt brachten. Danach untersuchten sie die Oberfläche mit einem Elektronenmikroskop. Dabei seien praktisch keine anhaftenden Bakterien gefunden worden.

Forscher suchen nach Partnern in der Wirtschaft, um die extrem abweisende Folie auf den Markt zu bringen

Eine Einsatzmöglichkeit sehen die Ingenieure beispielsweise in Kliniken, wo etwa Türklinken oder andere sensible Oberflächen mit der Folie umwickelt werden könnten. Auf diese Weise lasse sich verhindern, dass dort Keime anhaften und sich dadurch verbreiten könnten. Auch in Küchen und beim Verpacken von Lebensmitteln könnte die Folie Verwendung finden. Jetzt suchen die Wissenschaftler nach einem Partnerunternehmen in der Wirtschaft, mit dem die Folie auf den Markt gebracht werden soll.

(ens)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 13. Oktober 2019 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2019, 18:00 Uhr

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