Künstlerische Grafik: Ein Astronaut steht auf dem Mond, im Hintergrund sind kuppelartige Gebäude zu sehen, die teilweise in die Mondoverfläche eingegraben sind.
Bildrechte: RegoLight, Liquifer Systems Group, 2018

Kommende Mondmissionen Trainingsanlage LUNA in Köln: Der Mond auf der Erde

Kann man auf der Erde eine Mondmission simulieren, trotz der Schwerkraft, die hier viel höher ist? In Köln gibt es konkrete Pläne, wie sich dieses Problem beheben lässt. Die Trainingsanlage LUNA soll Mondbedingungen bieten.

Künstlerische Grafik: Ein Astronaut steht auf dem Mond, im Hintergrund sind kuppelartige Gebäude zu sehen, die teilweise in die Mondoverfläche eingegraben sind.
Bildrechte: RegoLight, Liquifer Systems Group, 2018

Es ist Winter in Köln. Auf der künftigen Mondoberfläche lag bis vor Kurzem noch Schnee, denn bis jetzt ist die noch eine unbebaute Wiese auf dem Gelände des europäischen Astronautenzentrums in Köln. Aber das soll sich ändern, sagt Matthias Maurer, der bei der ESA Astronaut ist. "Im Moment entwickle ich mit meinen Kollegen das neue LUNA-Projekt. Das ist eine Anlage, in der wir für den Mond üben wollen."

Die ESA war noch nie mit Astronauten auf dem Mond, also muss dafür erst einmal trainiert werden. In der LUNA-Halle soll das möglich werden. Sie soll ungefähr ein Viertel so groß werden wie ein Fußballfeld und ihr Boden wird mit Staub bedeckt werden, wie er sich auch auf dem Mond befindet. Weil der Transport von echtem Mondsand auf die Erde viel zu aufwendig wäre, nehmen die Forscher in Köln Sand aus der Eifelregion. "Der hat genau die gleiche chemische Zusammensetzung wie der Sand auf dem Mond", sagt Maurer.

Mondstaub gefährlich für Maschinen

Für die Simulation einer längeren Mondmission ist es entscheidend, dass die Astronauten nicht durch einen gewöhnlichen Sandkasten stapfen. Es muss schon eine Substanz sein, die dem Mondstaub möglichst nahe kommt. Denn der hat sich in der Vergangenheit als tückisch erwiesen, hat beispielsweise technische Instrumente blockiert und lahmgelegt.

Matthias Maurer in blauem ESA-Tainings-Anzug vor blauem Hintergrund
ESA-Astronaut Matthias Maurer. Bildrechte: Philippe Sebirot/ESA

Wir wollen viele neue Geräte testen, die wir später auf dem Mond einsetzen wollen. Besser ist, die gehen hier in der Mondanlage kaputt, als später auf dem Mond. Da wollen wir ausgereifte Technik dabeihaben, auf die wir uns verlassen können.

Matthias Maurer, ESA

Wenig Anziehungskraft

NASA-Astronaut Neil Armstrong und seine Kollegen haben sich vor fünfzig Jahren hüpfend über die Mondoberfläche bewegt. Die Anziehungskraft dort ist nur ein Sechstel so stark wie auf der Erde. Lässt sich diese geringere Schwerkraft hier simulieren? Ja, sagt ESA-Astronaut Maurer: "Wir sind dann an Seilen aufgehängt, die uns dann mit fünf Sechstel unseres Gewichts nach oben ziehen. Das heißt, ich mit meinen 75 Kilo Gewicht würde an einem Seil hängen, das mich mit etwa 62 Kilogramm nach oben zieht. Eine Waage unter meinen Füßen würde nur noch 12 Kilogramm anzeigen. Bei so einem reduzierten Eigengewicht ist es viel schwieriger, gewisse Aufgaben durchzuführen."

Wie an Marionettenfäden hängend werden sich die Astronauten in der künftigen LUNA-Simulationshalle über den Mondstaub bewegen. Das könnte lustig aussehen, ist aber ein wichtiges Training für einen längeren Aufenthalt auf dem Mond. Es könnte womöglich sogar entscheidend sein für das Überleben eines Astronauten bei einem Mondspaziergang. "Wenn ich einen Berg hinunter gehe und wiege nur noch 12 Kilo, wie stabil bin ich dann noch, wann falle ich auf die Nase?", fragt sich Maurer. "Wenn ich dort hinpurzele und mit meinem Visier gegen einen harten Stein stoße, dann kann es brechen. Die Innenluft aus meinem Anzug würde entweichen, das ist lebensgefährlich."

Ziel: Mondbasis

Das beim Training in der LUNA-Anlage erlernte Wissen dient nicht nur künftigen Mondastronauten, sondern der Menschheit. Fernziel ist eine Besiedlung unseres Trabanten im All. "Wir möchten auf dem Mond idealerweise eine dauerhafte Station aufbauen. Die Wissenschaftler dort müssen dann in der Lage sein, das zu erzeugen, was sie zum Leben brauchen. Wir können nicht alles von der Erde einfliegen", sagt Maurer.

Grafik: So soll die Luna-Trainingshalle in Köln aussehen, wenn sie fertig gebaut ist. Zu sehen ist eine schwarze Halle mit weißem Staub auf dem Boden. In der Ecke steht ein Fahrzeug.
Bildrechte: ESA

Das betrifft beispielsweise Sauerstoff zum Atmen und Wasser zum Trinken. Wie sich diese beiden kostbaren Güter aus dem Mondstaub herausfiltern lassen, soll nun das Projekt ISRU untersuchen. Das steht für In-Situ-Resource Use. Im Auftrag der europäischen Weltraumagentur ESA untersucht das Berliner Wissenschaftlerteam PTScientists, welche Rohstoffe auf dem Mond sich für eine Besiedelung wie nutzen lassen. Dazu wollen die PTScientists eine Sonde auf den Mond schießen, und zwar zur Landestelle der amerikanischen Apollo-17-Mission.

Was wurde aus den Apollo-Geräten?

"Dort steht seit über 40 Jahren das Mondfahrzeug herum. Und eine der spannenden Fragen, die wir erkunden wollen, lautet: Was ist eigentlich mit dem Fahrzeug in 40 Jahren auf der Mondoberfläche geschehen? Ist das von Mikrometeroriten total zerschossen? Hat die Strahlung die verschiedenen Materialien zersetzt?", fragt Karsten Becker, einer der PTScientists. Ihn treibt die Frage um, welche Materialien sich für die Mondbasis noch eignen würden, neben denen für den Bau der Gebäudewände. Was muss von der Erde eingeflogen werden, was ließe sich auf dem Mond gewinnen, was geht gar nicht? "Wenn wir verstehen, wie sich die Materialien in 43 Jahren in der Mondatmosphäre entwickelt haben", so Becker, "wissen wir, welche Materialien für eine Mondbasis geeignet sind."

Für die ESA und ein Lunar Village ist ja spannend: Was nehmen die für eine Eingangstür? Kann man da Plastik nehmen? Kann man da Nylon nehmen? Kann man da Ledergurte nehmen? Das klingt jetzt abstrus, weil jeder würde sagen ‚Ledergurte - das kann man doch nicht machen'. Aber was ist, wenn wir dahin fahren, und die Dinger sind noch da? Und die sehen noch genauso aus wie vorher, und wir können keinerlei Abnutzungsspuren sehen?

Karsten Becker, PTScientists

LUNA weltweit einzigartig

Robert Böhme, der Geschäftsführer der PTScientists, will ein unbemanntes Fahrzeug an die Apollo-Landestelle schicken. Es soll Anfang kommenden Jahres auf die Reise zum Mond gehen. Parallel dazu sollen auf der Erde die Arbeiten an der LUNA-Simulationsanlage beginnen, sagt ESA-Astronaut Matthias Maurer, der Leiter des Projekts: "Anfang 2020 kommen die Bagger. Und schon Mitte 2020 wird die Halle stehen und mit Sand gefüllt werden, so dass wir Ende 2020 dann eine erste Mondfläche zur Verfügung haben."

Die Halle soll dann Universitäten in Europa offenstehen. Auch die US-Raumfahrtbehörde NASA hat bereits Interesse angemeldet. Denn LUNA - der neue Mond in Köln - wird einzigartig sein auf der Welt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 24. Februar 2019 | 07:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2019, 09:26 Uhr