March for Science Forscher gehen auf die Straße - für die Wissenschaft

Das Signal kam aus den USA, aber es wurde weltweit gehört. Am Welttag der Erde, dem Earth Day (22.4.), gehen Forscher in über 600 Städten weltweit auf die Straße, um für die Wissenschaft und gegen die Erfindung falscher Fakten zu demonstrieren. Das Problem ist dabei nicht Präsident Trump allein.

Der Begriff "Alternative Fakten“ der aktuellen US-Regierung illustriert wohl eines der Grundübel, das am Samstag tausende Forscher und andere Menschen weltweit auf die Straße treibt. Ein Fakt kann keine Alternative haben. Die Erde ist entweder eine Kugel oder eine Scheibe, beides zugleich ist nicht möglich. Und dass sie keine Scheibe ist, haben dutzende große Astronomen, Geographen, Geologen und Astronauten vielfach belegt. Trotzdem gibt es eine kleine Gesellschaft, die behauptet, die Welt sei eine Scheibe, die "Flat Earth Society“.

Die Flacherdler mögen eine skurrile Randerscheinung sein. Geht es aber darum, ob Menschen für den seit Jahrzehnten starken und kontinuierlichen Anstieg der weltweiten Temperaturen verantwortlich sind, dann zieht auch ein großer Anteil der Deutschen wissenschaftliche Erkenntnisse in Zweifel. Dem Wissenschaftsbarometer 2016 zufolge glauben knapp 30 Prozent der Befragten den Aussagen von Forschern zum Klimawandel nicht, weitere 30 Prozent sind sich nicht sicher. Und jeder dritte Bürger denkt, wir sollten mehr unseren Gefühlen und unserem Glauben trauen und nicht zu sehr der Wissenschaft.

ARD-Wissenschaftsjournalist Rangar Yogeschwar sieht dafür auch Eliten in der Verantwortung: "Es gibt Regierungen, die leugnen den menschengemachten Klimawandel. Der ist aber wissenschaftlich nachgewiesen, deswegen müssen Wissenschaftler aufstehen und sagen: Stopp", sagte der Experte dem MDR.

Anlässlich des Earth Day am 22. April haben Forscher daher weltweit zu Demonstrationen aufgerufen. Neben der zentralen Kundgebung in der US-Hauptstadt Washington sind nach Angaben der Organisatoren 605 Märsche angemeldet, 17 davon in Deutschland, darunter auch in Jena, Dresden, und Leipzig.

Selbst Leipziger Mediziner beobachten, dass es bei manchen Themen große Widerstände gibt gegen wissenschaftliche Erkenntnisse, selbst dann, wenn sie lebensrettend sind.

Es gibt Missverständisse, manchmal sind auch zu wenig Informationen da. Ein Beispiel ist die Impfmüdigkeit, die den wissenschaftlichen Fakten entgegensteht.

Frank Gaunitz, Professor an der Universitätsklinik Leipzig

Freiheit und Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler sind nicht nur in den USA in Gefahr. Auch die türkische Regierung setzt seit dem gescheiterten Putschversuch im vergangenen Jahr Wissenschaftler immer stärker unter Druck. "In Zeiten der Verunsicherung ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, was ist Basis unserer Freiheit und unseres Wohlstandes. Und das ist das Prinzip Wissenschaft, das Prinzip des offenen Dialoges", sagt Yogeshwar. Er hofft, dass am Samstag möglichst viele Menschen in einer Stadt in ihrer Umgebung an einem Science-March teilnehmen: "Das ist wie in einer Liebesbieziehung, da sagt man auch nicht nur einmal im Leben "Ich liebe dich", das muss man möglichst oft wiederholen."

Über dieses Thema berichtete der MDR im Radio MDR AKTUELL | 21.04.2017 | 09:37 Uhr
MDR SACHSEN | 21.04.2017 | 12:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2017, 10:49 Uhr