Keine Kinderkrankheit Warum eine Masern-Impfung extrem wichtig ist

Seuchenexperten vom Robert-Koch-Institut warnen seit Jahren: Masern sind keine Kinderkrankheit. Sie empfehlen mehr Impfungen. Jetzt bekommen sie Rückenwind von der Bundesregierung - die prüft eine Masern-Impfpflicht.

Als im Frühjahr 2018 die Masern unter anderem in Sachsen grassierten, empfahl Deutschlands nationale Seuchenschutzbehörde, das Robert-Koch-Institut: Besonders junge Erwachsene im Alter von 18 bis 44 Jahren sollten prüfen, ob sie zwei- oder wenigstens einmal gegen die Viren geimpft wurden. "Masern sind keine Kinderkrankheit“, verdeutlichte Sprecherin Susanne Glasmacher im Februar 2018. Ein Jahr später entflammt die Debatte neu, aber auf anderer Ebene: Die Bundesregierung prüft die Einführung einer Masern-Impfpflicht für Kinder.

Warum Masern oft erst spät erkannt werden

Anders als viele Menschen vermuten, geht eine Erkrankung nicht sofort mit den bekannten roten Punkten einher. Zunächst kann eine Infektion die unspezifischen Symptome einer gewöhnlichen Grippe annehmen: Fieber, Müdigkeit, Halsschmerzen. Dann aber folgt vor allem bei Erwachsenen schnell eine schwere Erkrankung.

Masernviren sind extrem ansteckend. Betritt jemand ein Zimmer, in dem sich zwei Stunden zuvor ein Masernkranker aufgehalten hat, dann kann er sich noch anstecken. Anders als bei der Grippe kommt es auch fast immer zu einer Erkrankung, praktisch in 99 Prozent aller Fälle.

Susanne Glasmacher, Robert-Koch-Institut

Erwachsene treffen Masern härter als Kinder

Besonders Erwachsene treffen die Masern härter als Kinder, warnt die RKI-Sprecherin. Das Virus unterdrücke die Immunabwehr, dadurch komme es häufig zu weiteren Folgekrankheiten. "Auf die Masern kann schnell eine Hirnhaut- oder Lungenentzündung folgen, weil es andere Erreger durch die Masernviren leichter haben", sagt sie. Rund ein Viertel aller Infizierten, bei denen ein Labortest den Nachweis auf eine Maserninfektion erbringt, müssen schließlich im Krankenhaus behandelt werden. Einer von 1.000 Erkrankten sterbe an den Folgen.

Was passiert bei der Impfung?

Bei der Masernimpfung erhalten Patienten abgeschwächte Viren. Dadurch kann es mitunter zu einer leichten Impferkrankung kommen, die von einer Rötung und Schmerzen an der Einstichstelle der Impfspritze bis zu leichtem Fieber reichen kann. Das sei aber immer noch weniger dramatisch, als eine richtige Erkrankung, sagt Glasmacher. Zwei Impfungen schützen für ein ganzes Leben.

Auch bei Neugeborenen können Masern dramatische Folgen haben, etwa die schwere Gehirnerkrankung SSPE. Diese trete mitunter erst Jahre nach einer frühen Maserninfektion auf, führe aber in jedem Fall zu einem qualvollen Tod, sagte Glasmacher.

Sind Mütter nicht geimpft oder haben sie die Krankheit nicht selbst durchgemacht, können sie an ihre Kinder keine Antikörper weitergeben. Da Kinder aber erst ab sechs Monate geimpft werden können, haben sie ein halbes Jahr keinen Schutz.

Susanne Glasmacher, Robert-Koch-Institut

Was die Seuchenexperten besorgt

Kopfzerbrechen bereitet den Seuchenexperten, dass in Deutschland zwischen 1973 und 1991 in der Regel nur einmal geimpft wurde. Eine Befragung habe ergeben, dass von den 18- bis 44-Jährigen im Schnitt 48 Prozent nicht geimpft seien. Bei den 30- bis 44-Jährigen seien es sogar 60 Prozent, sagte Glasmacher 2018: "Wenn dann das Virus einmal in der Welt ist, kann es sich rasch ausbreiten." Wer sich nicht sicher sei, etwa weil er den Impfpass verlegt hat, solle zum Arzt gehen und sich wenigstens einmal impfen lassen.

Man kann nicht überimpfen bei den Masern. Selbst wer noch einen intakten Schutz durch Antikörper hat, bei dem wird das Immunsystem die Impfviren einfach ausschalten. Das eigene Abwehrsystem wird auf diese Weise einfach trainiert. Das erhöht den Schutz.

Susanne Glasmacher, Robert-Koch-Institut

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 24. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 14:34 Uhr