Junge sitzt lesend in einer Bibliothek
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Jugend forscht 2017 Über den verkannten Zauber von Mathe, Physik und Chemie

Naturwissenschaften sind in der Schule extrem unbeliebt. Es gibt sogar ein Buch, das heißt "Mathe ist ein Arschloch". Zweifelsohne ein provozierender Titel, der es aber auf den Punkt bringt: Mathe, Physik und Chemie sind die unbeliebtesten Fächer überhaupt, europaweit! Zu Unrecht, sagt Prof. Ernst Peter Fischer. Karsten Möbius hat ihn zum Auftakt von "Jugend forscht" in Leipzig getroffen.

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Mit Gedanken über "das Licht, das Leben und die Liebe" eröffnete Prof. Ernst Peter Fischer am Mittwoch in Leipzig den "Jugend forscht"-Regionalwettbewerb 2017. Aber was haben diese drei wunderschönen, lebensnahe Dinge mit den Naturwissenschaften zu tun? Mit Mathe, Physik und Chemie?

Das Licht ist geheimnisvoll, das Leben ist geheimnisvoll und die Liebe ist geheimnisvoll. Und die Naturwissenschaften sind es auch.

Prof. Ernst Peter Fischer

Wenn das ein Schüler hört, fragt er mit Recht, was denn bitte an Mathe oder Physik geheimnisvoll sein soll. Genau darin sieht Prof. Ernst Peter Fischer, selbst Mathematiker und Physiker, das Problem in der Schule:

Da wird immer mitgeteilt, dass man etwas weiß. Also ich weiß, was Licht ist, ich weiß, was ein Atom ist. Ich weiß das alles. Dabei weiß man eben nicht alles und es gibt noch so viel zu entdecken.

Prof. Ernst Peter Fischer

Wir rauben den Dingen ohne Not ihre Geheimnisse, ihren Zauber, beklagt Fischer. Selbst Einstein, der sich 50 Jahre seines Lebens mit Licht beschäftigte, konnte nur feststellen, dass Licht gleichzeitig Wellen- und Teilchen-Eigenschaften besitzt. Obwohl beides rein logisch gar nicht möglich sein kann.

Albert Einstein hat gesagt: Heute meint zwar jeder Lump zu wissen, was Licht ist. Aber er irrt sich!

Prof. Ernst Peter Fischer

Wir müssen begreifen, sagt Fischer, dass wir die Dinge nie wirklich verstehen können. Dass wir ständig auf der Suche nach neuen Fragen sind. Nur das macht unser Leben und die Naturwissenschaften wie Mathematik oder Physik so reizvoll. Seine Überzeugung ist: Es gibt nichts Spannenderes als Geheimnisse und nichts Langweiligeres als Dinge, die man schon weiß.

Spannung ist nicht, wenn sie wissen, wer der Mörder ist im Kriminalroman, dann ist die Spannung vorbei.

Prof. Ernst Peter Fischer

Der Alltag in der Schule ist aber, dass man den Mörder kennt, um im Bild zu bleiben. Von Spannung also keine Spur.

Du musst das Newtonsche Gesetz kennen, du musst die Mendelschen Gesetze kennen und dann betest du die runter. Und auf dem Heimweg hast du sie schon wieder vergessen. Die Prüfungen gehören abgeschafft. Ein Lehrer muss die Qualität eines Schülers durch das Gespräch bewerten. Denn im Dialog zeigt sich doch unsere Kultur.

Prof. Ernst Peter Fischer

Fischer träumt davon, dass sich die Schüler morgens schon auf den Dialog mit ihren Lehrern freuen. Dass sie mit einem Sack voller Fragen in die Schule gehen und sich mit dem Satz verabschieden: "Tschüß! Ich gehe heute wieder Geheimnisse vertiefen."    

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL: im Radio| 10.03.2017 | 09:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 12:55 Uhr