Studie Wer war zuerst im Haus – die Maus oder die Katze?

Wer war zuerst mit Menschen im Haus, die Katze oder die Maus? Und wann kam es zum symbiotischen Zusammenleben von Mäusen, Menschen, Katzen? Das hat ein internationales Forschungsteam untersucht, anhand uralter Mäusezähne.

tote Maus mit Katze im Haus
Bildrechte: imago/blickwinkel

Ein Dach über dem Kopf wissen nicht nur Menschen zu schätzen, sondern auch Tiere. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Man ist sicher vor Feinden. Nahrungsvorräte sind sicher. Man muss nicht ständig Nahrung sammeln oder jagen. Man ist geschützt vor den unberechenbaren Launen der Natur, vor Hitze genau wie vor Stürmen und Eiseskälte. Menschen haben das bewusst getan. Auch Tiere hielten Einzug in menschliche Siedlungen – aber wer ist eigentlich zuerst den Menschen gefolgt, die Maus oder die Katze? Wo kamen die Mäuse eigentlich her und wie haben sie sich ausgebreitet? Und was führte zu ihrem Verhaltenswandel, die Sesshaftwerdung der Menschen oder die Entwicklung der Landwirtschaft? Das hat eine internationale Forschungsgruppe mit Spezialisten aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Iran, Rumänien, Großbritannien und den USA untersucht und zwar anhand von uralten Mausezähnen.

Wo kommt die Maus eigentlich her? Ursprünglich aus dem indisch-pakistanischen Subkontinent und den Nachbarländern Afghanistan und Iran. Während klimatischer Änderungen im Pleistozän differenzierten sich Hausmäuse in drei Mus musculus-Hauptunterarten. Um nun herauszufinden, wie die Mäuse dann in entlegendsten Winkel der Welt kamen, benutzte das internationale Wissenschaftsteam für ihre Studie uralte Mäusezähne aus frühen menschlichen Siedlungen in Südwestasien und Südwesteuropa, und zwar aus 43 archäologischen Stätten.

Die Maus kam zuerst in Haus

Den Forschungen zufolge zeigen die Zähnchen, dass die Maus Mus macedonicus recht zeitig unters Dach der Menschen schlüpfte, nämlich schon vor 14.500 Jahren, jedenfalls in Südwesteuropa. Als nämlich erste Jäger und Sammler sesshaft wurden und Siedlungen bauten. Zur massenhaften Mausverbreitung kam es dann durch das neue Verhalten der Menschen, die Tauschhandel, Transportwege und Handelsrouten entwickelten: Vor 6.500 Jahren in Osteuropa und vor 4.000 Jahren in Südeuropa. Diese Entwicklung war fleißig begleitet von den Mäusen. Die begleiteten die Menschen (und deren Vorräte) entlang der Handelswege und eroberten so neue Territorien. Zunächst nur auf dem Landweg, später aber auch durch verstärkten Seehandel.

Maus ist nicht gleich Maus

Feldmaus, Rötelmaus, Haselmaus: Ist da ein Unterschied? Und wenn ja, an welchen Merkmalen kann man die Nager voneinander unterscheiden?

Rötelmaus, auf Waldboden sitzend, eine Nuss fressend.
Die Rötelmaus Myodes glareolus ist größer als die Hausmaus, man erkennt sie an ihrer rötlich braunen bis fuchsroten Oberseite. Sie frisst Samen, Kräuter, Früchte und Baumrinde, aber auch Insekten und Würmer. Außerdem ist die Rötelmaus Haupt-Überträger von Hantaviren. Bildrechte: imago/blickwinke
Rötelmaus, auf Waldboden sitzend, eine Nuss fressend.
Die Rötelmaus Myodes glareolus ist größer als die Hausmaus, man erkennt sie an ihrer rötlich braunen bis fuchsroten Oberseite. Sie frisst Samen, Kräuter, Früchte und Baumrinde, aber auch Insekten und Würmer. Außerdem ist die Rötelmaus Haupt-Überträger von Hantaviren. Bildrechte: imago/blickwinke
Gelbhalsmaus, auf dem Waldboden sitzend und eine Buchecker fressend.
Die Gelbhalsmaus Apodemus flavicollis ist auf dem Rücken rostbraun und auf dem Bauch blendendweiß. Sie hat ein gelbes "Halsband" und ihr Schwanz ist länger als ihr Körper. Sehr unbeliebt in Gebäuden, denn sie zerfrisst mit Vorliebe Leitungen. Außerdem überträgt auch sie das Hantavirus. Bildrechte: imago/blickwinke
Eine Feld-Waldmaus springt mit Eichel im Maul
Die Feldmaus Microtus arvalis. Frisst am liebsten Wurzeln, schädigt besondes Hain-, Rotbuche und Wildobstbäume am Stamm. Zyklische Massenvermehrung alle drei bis vier Jahre. Hauptspeise für Eulen, Taggreifer und Säuger. Bildrechte: IMAGO
Haselmaus
Die winzige Haselmaus Muscardinus avellanarius ist in etwa so breit wie eine Geld-Karte und gar keine Maus, sondern ein Nagetier aus der Familie der Bilche, also verwandt mit den Sieben-, Garten- und Baumschläfern. Sie liebt Brombeergestrüpp, frisst Insekten, Würmer, Vogeleier, oder Früchte im Sommer, Haselnüsse, Eicheln, Bucheckern im Herbst. Bildrechte: imago/imagebroker
Eine Schermaus (Wühlmaus)
Die Wühlmaus heißt auch Schermaus, lateinisch Arvicola terrestis. Sie nagt sich ihre Gänge in den Boden und das kann man auch sehen. Sie verursacht rillenartige Fraßspuren an Wurzeln und Baumrinden. Sehr unbeliebt in Weinbergen, Getreidefeldern, Gärten und Obstplantagen. Außerdem kann sie die Hasenpest übertragen. Bildrechte: Colourbox.de
Eine Fledermaus der Gattung Kleines Mausohr in einer Nahaufnahme die den Kopf der Fledermaus zeigt.
Verliebte Hausmaus zeigt Kollegin Foto ihres Verlobten: "Zu mir hat er gesagt, er ist Pilot". Unverwechselbar - die Fledermaus der Gattung "Kleines Mausohr". Bildrechte: imago stock&people
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Als Nager lebte es sich in der Nähe von Menschen prächtig, geschützt vor Raubtieren und Nahrungskonkurrenz, inklusive reich gedeckter Tafel in Getreidespeichern. Den Forschungen zufolge antworteten die Menschen auf die winzigen Nahrungskonkurrenten in den Kornkammern mit der Domestizierung der Katzen. Und zwar nicht nur an Land, auf den Bauernhöfen, sondern auch auf Schiffen. In deren Transportlisten wurden nämlich oft auch auch Katzen erwähnt, die auf See die Nagetierplage in den Vorräten in Schach halten sollten.

Hausmaus
Aus Sicht der Maus: Der Tisch ist gedeckt. Bildrechte: imago stock&people

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1 Kommentar

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