Grafik des von russischen Studenten entwickelten Satelliten Mayak mit ausgeklapptem, pyramidenförmigen Segel.
Durch sein spiegelartiges Segel soll der Minisatellit Mayak viel Licht in Richtung Erde reflektieren und damit als heller Punkt am Nachthimmel leuchten. Bildrechte: cosmomayak.com

Satellit "Mayak" Russische Studenten schicken Leuchtturm ins All

Geht alles glatt, blinkt demnächst ein neuer Stern am Nachthimmel: Der von Moskauer Studenten gebaute Mikrosatellit Mayak. Ein pyramidenförmiges Segel mit stark reflektierender Folie soll ihn zum zweithellsten Objekt am Nachthimmel machen.

von Clemens Haug

Grafik des von russischen Studenten entwickelten Satelliten Mayak mit ausgeklapptem, pyramidenförmigen Segel.
Durch sein spiegelartiges Segel soll der Minisatellit Mayak viel Licht in Richtung Erde reflektieren und damit als heller Punkt am Nachthimmel leuchten. Bildrechte: cosmomayak.com

Ein ernstes Menschheitsproblem, Experimentierfreude und ein bisschen Größenwahn sind die Zutaten von Mayak, dem von Moskauer Studenten entwickelten Minisatelliten, der in den kommenden Wochen zweitweise zum zweithellsten Objekt am Nachthimmel werden soll. Es geht um Weltraumschrott und darum, mit einfachen Mitteln maximale Effekte zu erzielen.

Ausgangspunkt der Arbeit war die Frage, wie sich der Orbit um die Erde eines Tages vom vielen Müll früherer Raketenfahrten, defekter Satelliten oder längst vergangener Missionen befreien lässt. Nach einem halben Jahrhundert Raumfahrt kreisen inzwischen tausende Objekte schneller als Gewehrkugeln um den Planeten. Für neue Projekte im All stellen sie inzwischen eine ernste Gefahr dar.

Fallschirm für Weltraumschrott

Der Student Alexander Shaenko und seine Kommilitonen am Moskauer Polytechnikum überlegten sich also, wie der Schrott reduziert werden kann. Ihre Idee: Mit Hilfe von Fallschirmen lassen sich die Objekte möglichweise bremsen, wodurch sie von der Erdanziehung in die Atmosphäre gezogen werden, wo sie verglühen.

Eine russische Soyus-Rakete auf dem Weg ins Weltall.
Mit dieser Soyus-Rakete wurde der Minisatellit der Moskauer Studenten am Freitag ins All befördert. Bildrechte: Head of MTI aerospace laboratory Denis Efremov

Funktionieren kann das, weil es in 600 Kilometer Höhe noch ein kleines bisschen Luft gibt. Dort, wo viele erdnahe Satelliten kreisen, könnte man den kleinen Rest der Gase zum Bremsen nutzen, so die Überlegung der Studenten. Beweisen soll das der Minisatellit Mayak mit einem pyramidenförmigen Segel.

Das Segel besteht aus vier Dreiecken mit einer Kantenlänge von jeweils 2,7 Metern. Die Haut aus PET ist mit einer dünnen Schicht überzogen, die Sonnenlicht stark reflektiert. Auf diese Weise soll Mayak zum zweithellsten Objekt werden, wenn es über den Nachthimmel zieht. Nur der Mond wird heller strahlen - und die ISS.

Leuchtturm im All

Knapp drei Jahre haben die Studenten an dem Objekt gearbeitet, dessen Name auf Deutsch übersetzt "Leuchtturm" heißt. Finanziert haben sie es mithilfe eines Crowdfundings. Vergangenen Freitag hat eine Rakete Mayak ins All geschossen, nun warten Shaenko und sein Team darauf, dass ein Observatorium den gerade einmal 3,5 Kilogramm schweren und 30 Zentimeter langen Satelliten ortet.

Ist das Segel einmal entfaltet, wird es von der Erde so aussehen, als ob der Satellit blinkt. Grund dafür ist, dass Mayak um die eigene Achse rotiert. Einige Astronomen befürchten offenbar, dass sie der hell leuchtende Fleck bei der Arbeit behindern könnte. Allerdings ist das Ende schon absehbar: Nach einigen Wochen wird das Segel Mayak soweit abgebremst haben, dass er in die Atmosphäre eintritt und verglüht.

Methode funktioniert nur für neue Objekte

Wie immer das Experiment ausgeht, für den bereits kreisenden Weltraumschrott wird es wohl keine Lösung darstellen. Was ohne Bremsschirm unterwegs ist, lässt sich nachträglich nicht mehr damit ausstatten. Allerdings könnten neue Satelliten und Raketenteile künftig so ausgerüstet werden, das sie nach dem Ende ihrer Betriebszeit schnell zur Erde fallen und dabei verglühen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 21.04.2017 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2017, 12:52 Uhr