MDR-Meinungsbarometer Gleiche Rechte für LGBTQI – wer ist dafür, wer dagegen?

Grundsätzlich wollen fast alle die Gleichberechtigung aller Menschen – unabhängig von der sexuellen Orientierung. Wenn es um konkrete Fragen geht, ändert sich das aber recht deutlich.

70 Prozent der Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen denken, dass LGBTQI-Zugehörige häufig oder zumindest teilweise diskriminiert oder benachteiligt werden. Bei Menschen, die sich selbst der LGBTQI-Community zuordnen, gibt es sogar niemanden, der keinerlei Diskriminierung oder Benachteiligung spürt.

Das geht aus einer Befragung von mehr als 25.000 Menschen hervor, die MDRfragt – das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland von Anfang bis Mitte Juli durchgeführt hat.

Auffällig bei den Antworten sind außerdem zwei Dinge:
1.) Während 91 Prozent grundsätzlich für eine Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von der sexuellen Orientierung sind, wird dieser Prozentsatz deutlich kleiner, wenn es um Fragen nach Ehe und Kindern geht.
2.) Bei allen Fragen lassen sich recht klare Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen und zwischen Männern und Frauen feststellen. Die klare Tendenz: Jüngere und Frauen sprechen sich stärker für die Rechte der LGBTQI-Community aus als Ältere und Männer.

Alistair Houdayer 52 min
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Was steckt hinter der Abkürzung LGBTQI?

LGBTQI steht für die Gruppe der lesbischen, schwulen (englisch "gay"), bisexuellen, transgeschlechtlichen, queeren und intergeschlechtlichen Menschen. Knapp 60 Prozent der Befragten konnten mit all diesen Begriffen etwas anfangen. Je älter die Befragten waren, umso geringer wurde allerdings der Kenntnisstand.

Klicken Sie sich mit den gelben Schaltflächen unten durch die Diagramme. Wir zeigen zu jeder Frage die Ergebnisse geordnet nach Altersgruppe der Befragten, Geschlecht der Befragten und nach ihrer LGBTQI-Community-Zugehörigkeit. Außerdem natürlich das Gesamtergebnis bei allen Befragten.

Drittes Geschlecht bzw. "dritte Option"

Seit Ende 2018 haben intersexuelle Menschen in Deutschland die Möglichkeit, beim Eintrag ins Personenstandsregister außer den Geschlechtern "männlich" und "weiblich" auch die Option "divers" zu wählen, die sogenannte "dritte Option".

Unter den LGBTQI-Zugehörigen finden das fast drei Viertel gut, bei Befragten, die sich dieser Community nicht zugehörig fühlen, ist es nur knapp ein Viertel. Mehr als ein Viertel findet es dagegen nicht gut. Und knapp der Hälfte aller Nicht-LGBTQI-Zugehörigen ist es schlicht egal.
Klicken Sie sich auch hier durch die nach verschiedenen Befragungsgruppen geordneten Diagramme.

Regenbogenfarben zeigen

Der Streit um die Beleuchtung der Allianz-Arena während der Fußball-Europameisterschaft zog weite Kreise. Letzten Endes verbot die UEFA, dass das Stadion in Regenbogenfarben erstrahlt. Die MDRfragt-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer sollten angeben, ob sie es gut finden, wenn die Regenbogenfarben bewusst bei Veranstaltungen gezeigt werden. Und es gibt mehr Befürworter als Gegner solcher Aktionen. Aber erneut zeigt sich: Jüngere und Frauen sprechen sich eher für die Solidarisierung mit LGBTQI aus.

Gleiche Rechte für LGBTQI-Menschen

In dieser Kategorie gab es die meisten Inkonsistenzen.
Zwar sprechen sich 91 Prozent für eine ganz grundsätzliche Gleichberechtigung aus, egal welche sexuelle Orientierung ein Mensch hat, und nur sieben Prozent stimmen dem nicht zu. Aber 44 Prozent wollen dann doch, dass die Ehe zwischen Mann und Frau Sonderrechte behält, 22 Prozent wollen keine kirchliche Hochzeit für Homosexuelle, 27 Prozent wollen nicht, dass homosexuelle Paare die gleichen Rechte bei der Adoption von Kindern haben.

Hingegen findet eine große Mehrheit, dass Homosexuelle mindestens genauso gut Kinder erziehen können wie heterosexuelle Paare.

Auffällig auch bei all diesen Fragen sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen sowie zwischen Frauen und Männern.

Öffentlich gezeigte Zuneigung

Küsschen oder Händchen-Halten in der Öffentlichkeit: Bei heterosexuellen Paaren finden das deutlich mehr Menschen schön als bei homosexuellen.

Mehr als die Hälfte sieht es gern, wenn ein Paar aus Frau und Mann seine Zuneigung zeigt. Besteht das Paar dagegen aus zwei Frauen oder zwei Männern, sinkt diese Quote auf unter ein Viertel.

Unter dem folgenden Link können Sie sich die schriftliche und grafische Umfrage-Auswertung von MDRfragt als PDF-Datei herunterladen.

2 Kommentare

goffman vor 20 Wochen

Gleiche Rechte - In dieser Kategorie gab es die meisten Inkonsistenzen.
Ist das so? Ich denke diese vermeintlichen Inkonsistenzen beruhen allein darauf, dass die Forscher Begriffe in ihren Fragen anders definieren, als dies ein Teil der Bevölkerung tut.

Wenn ein Mensch Ehe definiert, als eine Verbindung zwischen Menschen, die augenscheinlich Kinder zeugen können, dann kann er überzeugt dafür eintreten, dass alle Menschen gleichberechtigt sind und trotzdem staatliche Vergünstigungen für Eheleute gutheißen. Denn in seinem Verständnis wäre es niemandem verboten eine Ehe einzugehen, er hat nur eine andere Definition davon, was eine Ehe ist. (Die historisch ja auch nicht mal an Liebe oder Begierde gebunden ist.)

Es ist nicht mein Anliegen, dies zu beurteilen, oder zu werten - nur sehe ich die Inkonsistenz nicht. Es ist für mich so, als wenn ein Forscher nach der Lieblingsfarbe fragt, die Farben aber anders bezeichnet als der Gefragte.

AlexLeipzig vor 20 Wochen

Danke für die anschauliche und aufschlussreiche Aufarbeitung!

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