Covid-Test, der positiv ist
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Viren Flirt-Varianten: Sommer-Coronawelle nimmt Fahrt auf

12. Juli 2024, 15:43 Uhr

Die Zahl der Erkältungen liegt derzeit über dem Niveau der Vor-Corona-Jahre – wegen Corona. Während andere Erkältungsviren in die Sommerpause gehen, breitet sich Covid wieder aus. Diesmal dominieren FLIRT-Varianten.

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Das Wichtigste zuerst: Eine Welle von Coronainfektionen mag lästig sein, bedrohlich ist sie nur noch für sehr alte Menschen. Laut dem aktuellen Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza stieg die Zahl der gemeldeten Covid-19-Infektionen bis zum 7. Juli erneut. Intensivstationen behandeln jedoch nur wenige ältere Patienten mit schweren Infektionen.

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Coronazahlen aktuell so hoch wie zu Beginn der letzten Herbstwelle

Die Zahl neuer Atemwegsinfektionen stieg vergangene Woche auf rund 6.000 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Das liegt deutlich über dem Niveau der vorpandemischen Jahre, als der Wert um diese Jahreszeit bei etwa 4.000 Neuinfektionen lag. Das virologische Sentinel des Robert Koch-Instituts erfasste hauptsächlich Rhinoviren, die gewöhnlichen Erkältungserreger, die in 27 Prozent der Fälle die Infektion auslösten. Der Anteil von Sars-CoV-2 stieg auf 12 Prozent.

Auch beim Abwassermonitoring, das bundesweit im Abwasser von Haushalten nach Spuren der Coronaviren sucht, stellen Experten seit Wochen steigende Viruslasten fest. Die Werte erreichen jetzt wieder das Niveau von Ende August 2023, dem Beginn der letzten Herbstwelle.

Neue Corona-Subtypen können Antikörpern besser ausweichen

Die dominante Corona-Subvariante ist aktuell KP. 3, ein Untertyp der bisherigen Variante JN. 1. Wie zuvor zeichnen sich die neuen Viren durch geringfügige Mutationen in ihrem Andockprotein aus. Dabei wurden Aminorsäuren mit der Abkürzung F durch L und R durch T ersetzt, daher die Abkürzung FLIRT für die neuen Subtypen.

Das bedeutet, sie können weiterhin an menschliche Zellen binden, werden aber schwieriger von Antikörpern erkannt. Zu schweren Infektionen führt das nach bisherigem Stand nicht.

Neue Abschätzungen zur Stärke der kommenden Welle gibt es nicht. Wahrscheinlich unterbrechen die Sommerferien die Ansteckungen in Schulen und Kitas vorerst. Zugleich dürfte es wie in den vergangenen Jahren an Urlaubsorten zu neuen Ansteckungsketten kommen. So erreichen die Viren neue Cluster. 2022 und 2023 führte das nach dem Ende der Urlaubssaison zu einer deutlichen Zunahme der Ansteckungszahlen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Um 2 | 11. Juli 2024 | 14:00 Uhr

51 Kommentare

Eddi58 vor 4 Stunden

@Der Pegauer
Das Corona-Virus entwickelt sich in etwa so, wie vorhergesagt. Es wird ansteckender, aber die Erkrankungsschwere nimmt ab. So müssen sich die Rhinoviren entwickelt haben, die nur noch einen lästigen Schnupfen auslösen.
Fun-Fakt am Rande: Ich war Mitarbeiter eines Krankenhauses. Im Winter 2020/2021 ist die übliche Welle an Norovirenerkrankung ausgeblieben. Es gab keinen einzigen Ausbruch. Das ist natürlich nur empirisch. Offensichtlich haben die Infektionsschutzmaßnahmen gewirkt…🤔
Übrigens: Ich bin drei mal geimpft und habe trotzdem mehrere Corona-Erkrankungen gehabt. Allerdings nur leichte Verläufe, so wie bei einem Infekt der oberen Atemwege.

MDR-Team vor 5 Stunden

Aus unserer Sicht kann und sollte man beides tun: Sich mit der Vergangenheit außer einander setzen und gleichzeitig die aktuelle Berichterstattung nicht vernachlässigen. Allein die vielen Diskussionen unter diesem Artikel zeigen doch das große Interesse daran.
Viele Grüße aus der Redaktion von MDR WISSEN

Denkschnecke vor 6 Stunden

@Sergej:
Ich habe nicht behauptet, dass die Ausbreitung einer Epidemie leicht zu verstehen sei. Gerade das wirft man ja der Forschung schon seit vier Jahren vor: Das sie immer noch nicht exakt vorhersagen könne, wer schwer erkranken werde. (So verstehe ich auch Ihre Frage, wann denn nun ein Mensch "sehr alt" und besonders gefährdet sei.) Das kann medizinische Forschung nicht leisten, bei einer Pandemie genauso wenig wie man dem Kettenraucher mit zwei Schachten am Tag garantieren kann, in spätestens zwölf Jahren ein Lungenkarzinom zu haben. Es ist immer eine Aussage über Wahrscheinlichkeiten.
Was Forschende aber mehr als leid sind: Dass sie nach über vier Jahren immer noch erklären müssen, warum sich Menschen trotz Grundimmunität mit COVID infizieren (oder mit Grippe oder mit Keuchhusten...) und für das mangelnde Vertrauen einer Gesellschaft die ansonsten alles glaubt, was irgendwo bei Insta oder X steht, verantwortlich gemacht werden.

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