Denkste, Schneckenschleim ist eklig Wunden-Klebstoff aus Schneckenschleim-Proteien

Wenn wir ehrlich sind und nicht zufällig Biologen, ist es schwer, diesen Gesellen etwas abzugewinnen: Nacktschnecken. Im Garten fressen sie Salat und Erdbeeren an, wenn wir reintreten, glitscht es fies unter dem Fuß. Dabei ist der Schleim, bzw. dessen chemische Zusammensetzung, hochinteressant für die Wundheilung bei uns Menschen und könnte vielleicht sogar eine Ergänzung zur gängigen Klammerpflastern oder Nähtechnik bei Wunden sein.

Ein Spatel schiebt einen roten klebrigen Stoff in ein Reagenzglas. Im Hintergrund eine Nacktschnecke
Bildrechte: Rebecca Falconer, Ithaca College

Der Schleim, den die braune Wegschnecke absondert, um Fressfeinden die Mundwerkzeuge zu verkleben oder sich selbst am Boden anzuhaften, ist besonders klebrig und flexibel. Was uns ekelt, diese Klebkraft und Dehnbarkeit, sind Eigenschaften, die Forscherherzen derer immer wieder höher schlagen lassen, die sich die chemische Zusammensetzung näher angeschaut haben. Eine neue Studie aus den USA legt nahe, dass die Eigenschaften bestimmter Proteine aus dem Schneckenschleim für die Wundheilung nützlich sein könnten.

Klammerwunde adé?

Studienleiterin Rebecca Falconer vom Ithaka College in den USA erklärt, was den Stoff für die Medizin so interessant macht: "Typische Wundränder, die mit Stichen oder Heftklammern fixiert werden, hinterlassen Narben oder Vertiefungen in der Haut. Sie bergen erhöhte Risiken, dass sich Infektionen bilden." Sie glaubt, wenn man die Rolle der Proteine im Schneckenschleim versteht, könnte man einen medizinischen Klebstoff entwickeln, der beweglich und dehnbar gleichzeitig ist, ohne dass er seine Stärke und Klebkraft verliert.

Extrem effizient: Schneckenschleim-Proteine

Falconer und ihr Team haben mit Spateln Schnecken diesen Wehr-Schleim abgenommen, indem sie deren Rückseite gegen den Strich "gebürstet" haben. Aus dem Stoff extrahierten sie elf Proteine und entwickelten dabei mittels DNA-Technik eine Methode, diese Proteine künstlich herzustellen. Daraus ließe sich der Klebstoff der Schnecken künstlich herzustellen.

Ein zweites Team untersuchte die Proteinstruktur, die dafür sorgt, dass der Schleim einerseits extrem verformbar, aber gleichzeitig auch extrem reißfest ist: Auch diese chemischen Verbindungen lassen sich künstlich nachbauen. Falconers Teamkollege  Christopher Gallego-Lazo wagt einen Blick in die Zukunft: "Diese Forschungsergebnisse könnten helfen, einen synthetischen, schnell und leicht auftragbaren Klebstoff für Wunden zu entwickeln." Einen Stoff ohne das Infektions- und Narbenrisiko, das gängige Stich- und Klammer-Technik mit sich bringen.  

Braune Wegschnecke
Die braune Wegschnecke Bildrechte: imago/blickwinkel

Schneckenschleim - der Stoff, von dem die Forschung lernt

Komplett neu ist der Ansatz nicht, sich vom Schneckenschleim etwas für die Medizin abzuschauen, wie ein Gel, das auch auf feuchten Oberflächen haftet und als potentielles Hilfsmittel in der Chirurgie denkbar ist. Auch gibt es zahlreiche Kosmetikprodukte, die auf Wirkstoffe aus Schneckenschleim setzen, und angeblich Falten, Cellulite und Narben glätten oder Pigmentflecken mildern. Mediziner warnen allerdings vor solchen Produkten wegen möglicher allergischer Reaktionen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 29. November 2018 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 15:36 Uhr

Plasmaheilung 5 min
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