Krankenhaus-Studie Mehr Klinik-Personal führt zu schnellerer Genesung und sinkenden Kosten

Seit Jahren senken sogenannte Krankenhaus-Sanierer in Deutschlands Kliniken mit weniger Personal die Kosten – so machen sie zumindest glaubhaft. Eine Studie aus Australien zeigt jetzt das Gegenteil. Mehr Pflegerinnen und Pfleger sowie eine bessere Verteilung der Arbeit durch einen Personalschlüssel helfen bei einer schnelleren Genesung und senken sogar die Kosten.

Erschöpftes Pflege-Personal
Wer geht heute noch freiwillig in die Pflege? Enorme Arbeitsbelastung, Schichtdienst, Rückenschmerzen und Burnout - viele Pflegekräfte verlässt die Kraft, den Job überhaupt durchzustehen. Ein Mindestpflegeschlüssel vermindert die Belastung, verbessert die Pflege und spart Kosten - das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Bildrechte: Colourbox.de

Ein Mindestpflegeschlüssel pro Patient kann "Leben retten und Kosten senken", erklärten die Autoren der Studie, die heute in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde. Eine Richtlinie für eine Mindestbesetzung von Pflegepersonal verringere die Zahl der Todesfälle, verhindere Wiedereinweisungen, verkürze Krankenhausaufenthalte und reduziere Kosten. "Diese Ergebnisse sind umso relevanter im Zusammenhang mit COVID-19, das die ohnehin schon überlasteten und ausgebrannten Pflegekräfte in den Krankenhäusern an den Rand ihrer Kräfte gebracht hat", erklärt Hauptautor Matthew McHugh.

Ein Mindestpflegeschlüssel pro Patient, der sicherstellt, dass genügend Personal vorhanden ist, um jedem Patienten eine qualitativ hochwertige Pflege zukommen zu lassen, ist eine einfache, aber effektive Maßnahme zur öffentlichen Sicherheit.

Matthew McHugh, PhD Hauptautor und Independence Chair for Nursing Education und CHOPR-Direktor

Daten von 17.000 Pflegerinnen und Pflegern ausgewertet

Für die Studie untersuchten die Forschenden der Universitäten in Pennsylvania/USA und Queensland/Australien Daten von etwa 17.000 Pflegerinnen und Pflegern und analysierten die Ergebnisse von mehr als 400.000 Patienten. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit stand eine 2016 in Australien eingeführte Richtlinie, die die Anzahl der zu pflegenden Patienten auf vier pro Pflegekraft begrenzt. Ähnliche Gesetze werden gerade in New York und Illinois in den USA verhandelt. Die Forschenden erhoben die Daten vor und nach der Einführung der Richtlinie in Queensland, um die Wirkung der Mindestgrenze im Personalschlüssel zu untersuchen.

Die positiven Ergebnisse in Queensland sollten die Politik in den USA und anderswo interessieren.

Matthew McHugh, PhD Hauptautor und Independence Chair for Nursing Education und CHOPR-Direktor

Ergebnis: Weniger Tote, wenige Wiedereinweisungen und schnellere Genesung

Das Ergebnis der Forschenden zeigte eindeutig: "Es gibt einen klaren Bedarf für eine sichere Krankenhaus-Personalausstattung", erklärten sie. Bevor die Richtlinie in Kraft getreten sei, habe die Personalausstattung in den Krankenhäusern von Queensland erheblich variiert. Pflegekräfte hätten zwischen drei und zehn Patienten gleichzeitig auf medizinischen Stationen betreut.

Zwei Pflegekräfte im Klinikum
Viele Pflegekräfte arbeiten mit einer hohen Arbeitsbelastung. Eine gerechtere Verteilung der Arbeit kann allen helfen - den Patienten, den Pflegenden und auch dem Klinik-Portemonnaie. Bildrechte: dpa

Nach der Einführung der Maßnahme hingegen verringerte sich den Forschenden zufolge die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte durch eine gerechtere Verteilung der Patienten. Manche Pflegekräfte betreuten gleich mehrere Personen weniger und konnten sich somit ausgiebiger um die ihnen verbliebenen Patienten kümmern.

Bessere Behandlungsergebnisse für Patienten

Die durch mehr Personal verbesserte Qualität in der Pflege führte laut der Studie schließlich zu besseren Behandlungsergebnissen für die Patienten. Die Forschenden schätzten, dass die Krankenhäuser 145 weniger Todesfälle, 255 weniger Wiedereinweisungen und 29.222 weniger Krankenhaustage hatten, als wenn sie die Richtlinie nicht umgesetzt hätten.

Einsparungen von 70 Millionen Dollar

Weniger Arbeitsbelastungen für die Pflegekräfte und mehr Zeit für die Patienten koppelt sich also direkt an den Gesundheitszustand der Patienten. Das zeigt sich den Wissenschaftlern zufolge auch eklatant in der wirtschaftlichen Berechnung. So sorgt nicht wenig Personal – so wie seit Jahren in vielen Ländern propagiert – zu niedrigen Kosten in den Krankenhäusern. Nein, die besseren Bedingungen in der Pflege wirkten sich auch sofort auf das Betriebsergebnis aus. Die Einsparungen durch weniger Wiedereinweisungen und kürzere Verweildauern betrugen der Studie zufolge etwa 70 Millionen australische Dollar (AUD). Das entsprach mehr als dem Doppeltem der Kosten für das zusätzliche Pflegepersonal.

Mehr Personal vermindert auch Burnouts und teure Fluktuation

"Die Ergebnisse stehen in einer Reihe mit vielen weiteren Belegen. Sie zeigen, wie positiv sich eine angemessene Anzahl der Pflegenden auf Patienten auswirken kann", erklären die Autoren. Ebenso gebe es starke Belege dafür, dass bei einer besseren Personalausstattung das Pflegepersonal weniger Burnout und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz erlebe. Dies seien die Hauptursachen für teure Fluktuation und einen Mangel an Personal, das dann wieder teuer eingekauft werden muss.

"Diese Forschung ist ein klares Beispiel für eine gute öffentliche Gesundheitspolitik in Queensland, die aus evidenzbasierter Forschung abgeleitet wird", sagt Professor Patsy Yates von der Universität in Queensland. "Das Ergebnis kommt dem Gesundheitssystem, den Krankenschwestern, den Patienten und der breiten Öffentlichkeit zugute."

Infos zur Studie Die Studie wurde vom Center for Health Outcomes and Policy Research an der University of Pennsylvania School of Nursing in Zusammenarbeit mit der Queensland University of Technology durchgeführt. Finanziert und unterstützt wurde die Studie von Queensland Health, dem National Institute of Nursing Research/NIH und dem Leonard Davis Institute of Health Economics an der University of Pennsylvania.

12 Kommentare

MDR-Team vor 23 Wochen

@Kritiker,
wenn Sie den Artikel bis zum Ende lesen, finden Sie in den letzten Absätzen die Antwort auf Ihre Frage: "Die durch mehr Personal verbesserte Qualität in der Pflege führte laut der Studie schließlich zu besseren Behandlungsergebnissen für die Patienten. Die Forschenden schätzten, dass die Krankenhäuser 145 weniger Todesfälle, 255 weniger Wiedereinweisungen und 29.222 weniger Krankenhaustage hatten, als wenn sie die Richtlinie nicht umgesetzt hätten." Und weiter heißt es: "Die Einsparungen durch weniger Wiedereinweisungen und kürzere Verweildauern betrugen der Studie zufolge etwa 70 Millionen australische Dollar (AUD)."

Matthi vor 23 Wochen

Wenn das Arbeitsklima und Arbeitsbedingungen schlecht sind wenn der Arbeitnehmer merkt das er verheizt wird wenn ein Familienleben durch viele Überstunden kaum möglich ist dann muss sich keiner wundern das der Pflegeberuf unattraktiv ist und viele sich was anderes suchen.

Matthi vor 23 Wochen

Leider Wunschdenken viele Krankenhäuser gehören zu Konzernen und da müssen Gewinne kommen damit die Aktionäre zufrieden sind, das ist Wirtschaft. Waren es nicht die Verantwortlichen Amtsträger die Privatisierung und Kostenpauschalen eingeführt haben. Von denen wird sich keiner Öffentlich hinstellen und zugeben das es vielleicht ein Fehler war zu Privatisieren ohne vernünftige Standards festzulegen.