Ältere Menschen sitzen gut gelaunt an einem Tisch und feiern
Bildrechte: imago/Westend61

Mehr Rente – längeres Leben Lebenserwartung hängt immer stärker vom Einkommen ab

Den ganzen Tag zur freien Verfügung und trotzdem immer pünktlich Geld auf dem Konto: Auf ihre Rente freuen sich wohl die meisten Arbeitnehmer – besonders lange können sich die freuen, die auch viel kriegen. Denn eine Studie zeigt, wer viel Rente kriegt, lebt auch länger. Demnach ist die Kluft zwischen Arm und Reich – bei den untersuchten Männern - in der Lebenserwartung in den vergangenen 20 Jahren deutlich gewachsen. Und auch zwischen Ost und West gibt es Unterschiede.

Ältere Menschen sitzen gut gelaunt an einem Tisch und feiern
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Ein schlecht bezahlter Job, Teilzeit oder Arbeitslosigkeit: Es gibt viele Gründe, warum einige in ihrem Arbeitsleben nur wenig Rentenanspruch erwerben. Andere wiederum bekommen dank einer dauerhaften, gut bezahlten Arbeit viel Rente. Diese beiden Gruppen unterscheiden sich nicht nur im Rentenanspruch, sondern auch in ihrer Lebenserwartung deutlich, sagt Georg Wenau vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock.

Obere Einkommensgruppen gewinnen mehr Lebensjahre

Zwar habe die Lebenserwartung für alle Rentner in den vergangenen Jahren zugenommen, so Wenau. Aber "wenn wir uns jetzt mal nur auf die oberste und unterste Einkommensgruppe beziehen in Ost und West, dann sieht man, dass im Westen die unterste Einkommensgruppe über die Zeit hinweg 1,8 Lebensjahre gewonnen hat im Durchschnitt und die oberste Einkommensgruppe 3,6 Jahre – also doppelt so viel Lebensjahre innerhalb der letzten 20 Jahre dazu gewonnen hat".

Und im Osten ist das Bild ähnlich: Die unterste Einkommensgruppe hat knapp drei Jahre hinzugewonnen und die oberste Einkommensgruppe 4,7 Jahre – also wieder ein Unterschied von 1,8 Jahren zwischen den beiden Gruppen.

Georg Wenau MPI Demografische Forschung

Rentner sind in der Analyse alle Männer ab 65 Jahren, die Rente bekommen und zuvor ihr Arbeitsleben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben. 2005 hatte so ein Rentner im Durchschnitt noch 19 Jahre zu leben, wenn er reich war und nur noch 15 Jahre, wenn er arm war. Und diese Differenz stieg in den folgenden Jahren immer weiter an. Für die Studie hat Wenau Daten der Deutschen Rentenversicherung analysiert. Dabei galten die gesammelten Rentenpunkte als Indikator für den Grad des Reichtums. Auf dieser Grundlage haben sie die Rentner in fünf Gruppen eingeteilt, erläutert Wenau, entsprechend den Rentenpunkten, "so dass es vergleichbar war über die Zeit hinweg".

Und dann haben wir geschaut wie die Lebenserwartungen in den einzelnen Kalenderjahren (…) sich für diese Gruppen dargestellt hat. Auf dieser Grundlage haben wir dann die Trends errechnet.

Georg Wenau

Und dabei ist den Forschern auch ein speziell ostdeutscher Trend aufgefallen: Ab 2005 ist hier die einkommensschwächste Gruppe von 20 auf 36 Prozent aller männlichen Rentner angestiegen. Denn viele Neu-Rentner konnten weniger Rentenpunkte ansammeln, sagt Wernau. Er nennt das "Schock der Widervereinigung".

Es ist so, dass die Ost-Rentner stark profitiert haben vom Übergang ins westdeutsche Rentensystem, weil ihre Berufsbiographien dort vielmehr gewürdigt wurden, weil Arbeitslosigkeit in der DDR kaum ein Thema war. (…) Das trifft dann auf die jüngeren Kohorten nicht mehr so zu. Also da gibt’s dann durchaus Perioden mit Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit oder geringer bezahlten Jobs nach der Wende.

Georg Wenau

Der Demograf sieht in dieser Ost-Entwicklung aber einen einmaligen Prozess aufgrund der historisch bedingten Entwicklung. Künftig dürften sich Ost und West immer weiter annähern, so Wernau. Und wenn Sie sich bei der ganzen Rechnerei jetzt fragen, was eine niedrige Rente mit der Lebenserwartung zu tun hat: Von wenig Geld auf der Bank stirbt man natürlich nicht früher, aber all die anderen Faktoren, die dafür gesorgt haben, dass der Punktestand auf dem Rentenkonto so niedrig ist, dürften daran schon ihren Anteil haben.

Warum nur Männer?

Das begründen die Forscher damit, das westdeutschen Frauen im fraglichen Zeitraum eine „vergleichsweise geringe Arbeitsmarktbeteiligung aufwiesen. Ihre teils geringen Renten werden oft durch relativ hohe Haushaltseinkommen kompensiert“. Deshalb war hier kein gesamtdeutscher Vergleich möglich. Auch Selbständige und Beamte wurden nicht berücksichtigt, da bei ihnen „die Höhe der gesetzlichen

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 12. April 2019 | 18:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2019, 12:00 Uhr