Suche nach Impfstoff Afrikanische Schweinepest kommt Deutschland immer näher

Händeringend wird gerade nach einem Impfstoff für das Coronavirus gesucht. Wie schwer es ist, Impfstoffe zu entwickeln, weiß auch Sandra Blome. Sie sucht seit Jahren nach einem Impfstoff gegen die Schweinepest. 2007 traten die ersten Fälle auf, also vor 13 Jahren. Nun wurden die ersten infizieren Wildschweine wenige Kilometer hinter er deutschen Grenze in Polen gefunden, 24.000 Hausschweine mussten daraufhin gekeult werden. Die Zeit drängt also.

Ein Wildschwein
Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Blome zählt zu den wichtigsten Kennern der Afrikanischen Schweinepest überhaupt. Seit Jahren forscht sie im Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems vor Greifswald daran, die Seuche eines Tages bekämpfen zu können.

Die Symptome [bei kranken Wildschweinen] sind denen der Hausschweine sehr ähnlich. Die Tiere liegen viel, die Tiere fressen schlecht, haben Schwierigkeiten bei der Atmung. Und das ist auch häufig der Grund, warum wir die Tiere dann euthanasieren müssen, weil die Tiere einfach keine Luft mehr bekommen.

Sandra Blome, Tierärztin für Virologie

Sprunginfektionen machen Sorgen

Fast alle infizierten Schweine verenden innerhalb einer Woche. Blome und ihre Kollegen haben die Ausbreitung der Seuche genau im Blick. Wöchentlich aktualisieren sie die Karte: Blaue Punkte markieren befallene Wildschweine, rote infizierte Hausschweine. Besonders beunruhigend sind sogenannte Sprunginfektionen.

Was uns momentan besonders umtreibt, ist die Situation in Polen. 2014 wurde die Seuche hier an der Grenze zu Weißrussland eingetragen und hat sich sehr lange im Osten des Landes ausgebreitet. Aber plötzlich gab es auch einen Sprung, der sicherlich menschengetragen war, in den Westen des Landes. Dort ist der Fall, der uns am meisten Sorge macht, ungefähr zwölf Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Sandra Blome

Nun müssen in einem Zuchtbetrieb in Westpolen knapp 24.000 Hausschweine getötet werden. Nachgewiesen wurde die Tierseuche in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Niedoradz in der Woiwodschaft Lebus, teilte das Hauptveterinäramt am Montag in Warschau mit. Der Ort liegt etwa 78 Kilometer östlich von Guben. Schwerpunkt des Betriebs war die Produktion von Ferkeln, Mastschweine gab es dort nicht. Den Angaben zufolge ist es der erste nachgewiesene Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei Hausschweinen in diesem Jahr.

Bekannte Impfkonzepte funktionieren nicht

Für die Forschung hält das Friedrich-Loefffler-Institut eigene Wildschweine, Blome kümmert sich täglich um die Tiere. Für die Impfstoff-Forschung und um die Krankheit besser zu verstehen, testet die Tierärztin ausschließlich die Nachzucht, also nur Jungtiere - keine Keiler oder Bachen. Dass dieses Virus durch den Kontakt mit den Tieren irgendwann auf sie überspringen könnte, hält Blome für ausgeschlossen.

Die Tiere haben eine bestimmte Rezeptor-Ausstattung: Virus und Wirt passen zusammen. Nur in diese Zellen, die diese Rezeptoren besitzen, kommt das Virus auch rein und kann sich vermehren. Dieses Schlüssel-Schloss-Prinzip funktioniert nur beim Schwein.

Das Virus macht es Blome und den anderen Wissenschaftlern schwer. "Was macht der kleine Virologe, wenn er einen Impfstoff herstellen möchte?", fragt sie. Ihre Antwort: Er versucht das Virus zu inaktivieren. Aber dieses gängige Impfkonzept funktionierte bei der Afrikanischen Schweinepest bisher nicht - darum gibt es auch noch kein wirksames Mittel gegen sie.

mm/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | ECHT | 18. März 2020 | 21:15 Uhr

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