Festivalbesucher in Woodstock 1969
Festivalbesucher in Woodstock (1969) Bildrechte: IMAGO

16. April 1943 Vor 75 Jahren entdeckte Albert Hofmann LSD

Am 16. April 1943 erlebt der Chemiker Albert Hofmann erstmals die Wirkung von LSD. An dem Tag ist er sich aber noch sicher, was da eigentlich mit ihm passiert. Drei Tage später, am 19. April, macht er einen weiteren Selbstversuch, dieses Mal mit einer höheren Dosis und erlebt den ersten bewussten LSD-Trip der Menschheitsgeschichte.

von Annegret Faber

Festivalbesucher in Woodstock 1969
Festivalbesucher in Woodstock (1969) Bildrechte: IMAGO

Es ist der 19. April 1943. Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann fühlt sich unwohl und fährt mit seinem Fahrrad nach Hause. Vorher hatte er einen Tropfen des Moleküls LSD 25 genommen um die Wirkung zu testen. Für etwa zwei Stunden soll Hofmann intensive kaleidoskopartige, farbige Visionen gehabt haben. LSD-Kenner und Psychologe Wulf Mirko Weinreich sagt:

Deshalb wird von den 'Acid-Heads' in aller Welt der Bicycle Day gefeiert. Da machen die Fahrrad-Touren wie andere Männer am Männertag.

Wulf Mirko Weinreich, Diplom-Psychologe

Die "Acid-Heads" radeln demenstprechend auch gerne mal an einem Getreidefeld entlang. Da wächst das Mutterkorn, die Mutter der Droge LSD. Der Chemie-Professor Dieter Sicker von der Leipziger Universität hält bei Spaziergängen immer Ausschau danach.

Ähren auf einem Weizenfeld vor blauem Himmel
Das Mutterkorn sieht aus wie ein Getreidekorn - nur schwarz und länger. Bildrechte: Colourbox.de

Das Mutterkorn sieht aus wie ein Getreidekorn, ist nur schwarz und etwas länger. Es ist ein hochgiftiger Pilz. Millionen Menschen sollen in den vergangenen Jahrhunderten daran gestorben sein. Sicker erinnert an ein solches Ereignis: "Im Jahre 994 sind in Frankreich bei einer Massenvergiftung 40.000 Leute gestorben. Das hat man als Gottes Gericht empfunden, als etwas genauso Schlimmes wie die Pest und die Cholera."

Gifte in sehr geringen Dosen dienen dagegen oft als Heilmittel. Der Schweizer Albert Hofmann testete deshalb Auszüge des Mutterkorns für ein Medikament und veränderte aus Versehen die Welt. Weinreich sieht das so: "Pink Floyd wäre ohne LSD nicht denkbar oder Tangerine Dream. Die Beatles haben LSD geschmissen und sind erstmal nach Indien gefahren um Meditieren zu lernen, weil sie wissen wollten, wie sie es auch ohne LSD hinbekommen." 

Die Doors oder die Beatles huldigten der bewusstseinserweiternden Wirkung von LSD. Der englische Autor Aldous Huxley verfasste mehrere Schriften über die Droge und soll gesagt haben: "LSD führt zu paranoiden Zuständen, hauptsächlich bei Menschen, die es nie genommen haben." LSD ist anders als alle anderen Drogen: Schon winzige Mengen unter 25 Millionstel Gramm können wirken. Es macht nicht abhängig und es verursacht keine körperlichen Schäden. Aber es hat eine große Wirkung, wie Weinreich erläutert:

LSD ist wie ein riesengroßes schweres Motorrad und das muss man fahren lernen und dafür braucht man Begleitung, braucht man eine Schule.

Wulf Mirko Weinreich, Diplom-Psychologe
LSD-Molekül
LSD kann zu farbintensiven Halluzinationen führen. Bildrechte: IMAGO

Manche bekommen Panik, schieben einen "Horrortrip", wenn das Umfeld entsprechend aggressiv ist. Im Extremfall bleiben Konsumenten "hängen" erklärt Weinreich, der sich damit auskennt. Bei Festivals hilft er jungen Leuten. Auf dem Fusion-Festival in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel stehen Zelte die bis zu 100 Leute aufnehmen können, denen es gerade nicht gut geht. Da sei aber vor allem Mischkonsum ein Problem: "Da kommen Leute bei dir an die Ketamin, Alkohol, MDMA, Kokain, LSD durcheinander genommen haben."

Falsche Dosierung führte aber auch dazu, dass viele Menschen Horrortrips erlebten oder sogar zu Verbrechen oder Selbstmorden im LSD-Rausch. Ende der 1960er-Jahre wurde die Droge in den USA und dann weltweit verboten.

LSD ist heute weitestgehend aus der Drogen-Szene verschwunden. 2016 hat die Polizei in Deutschland 547 Verstöße gegen das LSD-Verbot erfasst. Ganz oben auf der Rangliste steht nach wie vor die Droge Alkohol. Dann kommen Heroin, Crack, Methamphetamin und Kokain. Alle mit abhängig machenden Wirkstoffen. Einige Schweizer indes ehren Albert Hoffman wie die Deutschen Albert Einstein. Mit Sondergenhemigungen entwickeln sie Therapien mit LSD gegen Depressionen, wenden es bei Krebspatienten an, die Todesängste haben. Auch Hofmann selbst scheinen seine häufigen LSD Trips nicht geschadet zu haben. Immerhin starb er erst im Alter von 102 Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 14. April 2018 | 07:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 15:05 Uhr