Rauschverstärker Wodurch Alkohol gefährlich wird

Sommer, Festivals und Alkohol: Das gehört offenbar zusammen. Nun hat es auf einem Festival einen Toten gegeben, gestorben offenbar an einer Alkoholvergiftung. Das Netz hat für solche Nachrichten wenig Mitgefühl übrig, schließlich sei man doch "selbst schuld". Doch Vorsicht mit vorschnellen Verurteilungen! Nur selten stirbt jemand an Alkoholvergiftung, da müssen schon ein paar folgenschwere Dinge zusammenkommen. Welche sind das?

Feierne Menschenmenge vor der Bühne beim SPUTNIK SPRING BREAK 2017
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Zunächst die Fakten: Jeder 20. Todesfall weltweit geht auf Alkohol zurück. Einer WHO-Studie zufolge sterben so jedes Jahr mehr Menschen durch Alkoholkonsum als durch Aids, Gewalt und Verkehrsunfälle zusammen. In der Mehrzahl Männer - sie machen drei Viertel der alkoholbedingten Todesfälle aus. Dazu zählen auch Tote, die konkret mit Alkoholmissbrauch in Verbindung gebracht werden wie Leberzirrhose und einige Krebsarten.

Rausch allein ist nicht tödlich

An einem bloßen Rausch stirbt es sich nicht so schnell, stellt Alkoholforscher Maik Spreer von der TU Dresden fest. Der Suchtexperte des Universitäts-Klinikums zählt alle Faktoren zusammen, die Alkohol zu einem schnellen Killer machen können:

Das hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise vom Beikonsum. Sind Medikamente oder andere berauschende Substanzen vorher oder zusätzlich zum Alkohol eingenommen worden? Gibt es körperliche Erkrankungen? Klinisch müssen für die Diagnose einer Alkoholvergiftung das Bewusstsein gestört, die Wahrnehmung, die Emotionen gestört sein, beziehungsweise körperliche Ausfallerscheinungen auftreten.

Maik Spreer

Das heißt: Die Auswirkungen starken Alkoholkonsums können durch Medikamente oder Drogen verstärkt werden, ein geschwächtes Herz kommt mit dem Nervengift Alkohol weniger gut klar als ein gesundes. Ein geübter Trinker "verträgt" mehr als ein ungeübter. Weitere Faktoren sind Körpergröße, Gewicht. Grundsätzlich aber wirkt Alkohol zunächst im Kopf, sagt Maik Spreer:

Alkohol verändert die Übertragung der Informationen zwischen Nervenzellen. Er verändert die Neurotransmitter, die Botenstoffe, die Reize von einer Nervenzelle zur anderen weitergeben. Durch Alkohol kommt es so zu einer verstärkten Hemmung des Hirns. Je mehr ich trinke, um so mehr ist mein Gehirn gehemmt.

Maik Spreer

Wenn wir uns dann also richtig ungehemmt fühlen, haben wir in Wahrheit unser Hirn gelähmt. So losgelöst wird der Griff zum nächsten Glas umso leichter - ein fataler Teufelskreis. Zwar wirkt der Alkohol selbst nur im Hirn, sein Abbau durch Enzyme schädigt jedoch den gesamten Körper. Ist er erst einmal im Blut, kann sich seine toxische Wirkung voll entfalten, denn ein Gegengift wie zum Beispiel beim Biss einer Spinne gibt es nicht. Wichtig daher: Das Umfeld sollte einen klaren Kopf bewahren, rät Experte Spreer vom Uniklinikum Dresden:

Männer stoßen mit Biergläsern an
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Da gibt es so ein paar Anhaltspunkte. Beispielsweise bei Unterkühlung, wenn Atem- oder Pulsunregelmäßigkeiten auftreten, wenn das Bewusstsein gestört ist, wenn die Pupillen erweitert oder reaktionslos sind, wenn die Person kaum ansprechbar ist, heftig zittert oder schwitzt: Dann sollte man den Rettungsdienst, beziehungsweise den Notarzt alarmieren.

Maik Spreer

Besser ist es allerdings, wenn es erst gar nicht soweit kommt. Alkoholverbot auf Großveranstaltungen? Alkoholforscher Maik Spreer findet Aufklärung besser. Das heißt: Alkohol nur in Maßen genießen und niemals zusammen mit Medikamenten oder anderen Drogen konsumieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 06. Juni 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2019, 05:00 Uhr

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