In den Jungbrunnen gefallen? Nicht schön, aber immun gegen das Altern: Der Nacktmull

Die Nacktmulle - wenn ihnen nicht gerade eine Zoo-Fernsehdoku in den Bau leuchtet, interessiert sich der Mensch gemeinhin nicht gerade für die mausgroßen Nager, die normalerweise in südlichen Wüstengefilden in unterirdischen Höhlen in großen Kolonien leben. Kurios, dass ausgerechnet dieser nackte kleine Nager etwas in den Genen hat, das selbst Forscher staunen lässt.

Ein Nacktmull
Bildrechte: imago/Olaf Wagner

Es sieht aus wie ein abgehackter Daumen mit abgebrühter Hühnerhaut, vier verkrümmten Klauenfüßchen, lang gebogenen Nagezähnen und winzigen Äuglein: Der Nacktmull, gemeinhin kein Adonis unter den Vierfüßlern. Allerdings hat er offenbar den Menschen eine Fähigkeit voraus, um die manch Zweibeiner den vierbeinigen Nager rasend beneiden könnte: Nacktmulle altern, wenn überhaupt, dann extrem verzögert. Das belegen Untersuchungen der US-Wissenschaftlerin Rochelle Buffenstein in San Francisco, wie das Fachmagazin "Science" berichtet.

Nacktmull mit Nachwuchs
Bildrechte: IMAGO

Buffenstein studiert seit mehr als 30 Jahren die kuriosen Säugetiere. Nacktmulle in Buffensteins Labor sind teilweise älter als 15 Jahre, und das älteste Exemplar ist sogar 35. In ihrer Datensammlung stellte sie fest, dass die Lebenszyklen der Mulle ungewöhnlich anders verlaufen als beim Rest der großen Familie der Säugetiere. Die Lebenserwartung von Säugetieren lässt sich in einer allgemein anerkannten mathematischen Formel berechnen, der Gompertz'schen Formel. 1825 von einem britischen Mathematiker entwickelt, besagt sie, dass das Sterberisiko für Säugetiere sich expotentiell zum Alter entwickelt. Konkret bedeutet das, dass sich bei Menschen zum Beispiel das Sterberisiko ab einem Alter von 30 Jahren alle acht Jahre verdoppelt.

Nacktmulle scheinen von diesem Muster komplett abzuweichen. Mit Beginn der Geschlechtsreife im Alter von sechs Monaten lag das Sterberisiko Buffenstein zufolge für Nacktmulle knapp über 1:10.000 und stieg dann auch nicht mehr. Nicht erforscht ist, woran das ungewöhnliche verzögerte (Nicht-)Altern liegt: Möglicherweise steckt dahinter die ungewöhnlich reparierfreudige DNA der Mulle oder die Chaperone, spezielle Proteine, die anderen Proteinen bei ihrer korrekten Entfaltung unterstützen.  

Der "Macho" unter den Mullen: Die Queen der Kolonie

Wie alt die mausgroßen Nager in menschlicher Obhut tatsächlich werden können, ist nicht bekannt. In freier Wildbahn werden weibliche Exemplare bis 17 Jahre alt - aber nur die Weibchen, die Nachwuchs austragen. Labor-Mull-Königinnen zeigen Forschungen zufolge auch als 30-Jährige weder Menopause-Symptome, noch andere altersbedingte Verfallserscheinungen wie Krebs, Osteoporose oder Herzprobleme.

Mulle leben in Kolonien: Sexuell aktiv ist hier jeweils nur eine Königin, die mit ein bis drei Männchen für Nachwuchs sorgt, die Mitbewohner leben quasi sexuell abstinent und versorgen den Nachwuchs, kümmern sich um Nahrung und das Überleben der Kolonie.

Nacktmull mit Nachwuchs
Bildrechte: IMAGO
LEX1229IF16BissenWissen_Schwarzp 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Polyp 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ewig zu leben, davon können wir nur träumen. Sie hingegen kann es wirklich: Die Hydra, ein Wasserpolyp. Aber wie macht sie das nur?

Mo 13.03.2017 10:43Uhr 02:09 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/bissenwissen/ewig-leben-hydra100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR 1 RADIO SACHSEN | 08. Januar 2018 | 16:30 Uhr