Künstliche Intelligenz Alzheimer bald vorhersagbar?

Eine junge Ärztin sitzt mit einer älteren Frau an einem weißen Tisch, auf dem ein Laptop steht, und unterhält sich mit ihr.
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Alzheimer vorhersagen, lange bevor die ersten Symptome auftreten: Dieser Vision sind Wissenschaftler der Universität Bari in Italien offenbar einen großen Schritt näher gekommen. Sie entwickelten eine Software, die kleine Strukturänderungen im Gehirn erkennt, die später zu leichten Störungen im Hirn oder zu Alzheimer führen können. Die Software analysiert dazu Bilder aus dem Magnetresonanztomographen und berechnet dann, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Mensch im Lauf der nächsten zehn Jahre an Alzheimer erkrankt.

Mit welchen Daten arbeitet die Vorhersage-Software?

Zur Berechnung verglich die Künstliche Intelligenz die Unterschiede der Konnektivität der Neuronen im Gehirn von Alzheimerpatienten und einer Kontrollgruppe. Für die Studie wurden 67 MTR-Scans benutzt, 38 von Alzheimer-Patienten und 29 von einer Kontrollgruppe. Dabei lag die Software bei 86 Prozent ihrer Alzheimer-Analysen richtig. Die Forscher gehen davon aus, dass die "Trefferquote" der Software sicherer wird, sobald sie größere Datenmengen verarbeitet. Die komplette Studie gibt es hier zum Nachlesen.

Was macht wer mit diesem Wissen: Arzt, Patient, Angehöriger?

Zum einen hilft das Wissen dem Arzt: Der krankheitsbedingte, fortschreitende Gedächtnisverlust lässt sich zwar nicht heilen, aber mit Medikamenten, passendem Training und anderen Begleitmaßnahmen verzögern. Zum anderen hilft das Wissen auch dem Patienten - er kann noch vor der Erkrankung familiäre und finanzielle Angelegenheiten regeln und sich in der verbleibenden Lebenszeit ohne Krankheitssymptome die Wünsche erfüllen, die sonst auf die - vermeintlich unendlich - lange Bank geschoben werden. Betroffene sollten auch das Wohnumfeld rechtzeitig für den Gedächtnisverlust präparieren: Wege in Bad markieren, Klebzettel als Orientierungshilfen, was wo ist, markieren. So gewöhnt sich der Betroffene an Hilfsmittel, bevor seine geistigen Fähigkeiten zu stark abnehmen. Das Wissen um die Krankheit, die kommen wird, macht es auch den Angehörigen leichter, sich auf die Veränderungen einzustellen und frühzeitig bei Beratungsstellen Hilfsangebote einzuholen.

Forschung in Deutschland

Auch in Deutschland wird entsprechend geforscht. Im Rahmen der internationalen Studie DIAN. Allerdings setzt die Studie, die 2008 in den USA begonnen wurde und seit 2011 auch in München Daten erhebt, an anderer Stelle an: Sie geht der Frage nach, ob Alzheimer vererbt wird. Drei Genmutationen sind inzwischen bekannt, die zu der Demenzerkrankung führen. Betroffen davon sind allerdings weniger als ein Prozent aller Fälle. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dann groß, dass Alzheimer vor dem 50. Lebensjahr auftritt. In diesen Fällen hat die Forschung nachgewiesen, dass zwar schon ab dem 20. Lebensjahr erste Amyloid-Beta-Plaques entwickelt werden, ohne dass aber Symptome wie Vergesslichkeit oder Desorientierung auftreten.

Aktueller Stand in Mitteldeutschland:

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 21.09.2017 | 11:25 Uhr