Eine Krankheit und ihr Name Alois Alzheimer und seine Forschungen

Schwachsinn? Schwachsinn! Wer Anfang des 20. Jahrhunderts an nicht erklärbaren Nervenleiden erkrankte, landete schnell als "Schwachsinniger" in einer Nervenklinik. Solche Einrichtungen hießen damals allerdings "Anstalt für Irre" oder "Idiotenanstalt". In genau so einer Anstalt startet der Mann seine Forschungen nach einer Krankheit, die später nach ihm benannt wird: Alois Alzheimer.

Alois Alzheimer stammt aus einer Notarsfamilie in Franken. Er wird am 14. Juni 1864 in Marktbreit am Main geboren und geht in Aschaffenburg zur Schule. Nach der Reifeprüfung 1883 am Königlich Humanistischen Gymnasium in Aschaffenburg studiert er in Berlin, Tübingen und Würzburg, wo er 1888 seine Dissertation über die Ohrenschmalzdrüsen schreibt. Danach arbeitet er als Assistenz-, und später als Oberarzt in der "Städtischen Anstalt für Irre und Epileptiker" in Frankfurt am Main.

Als er 1901 anfängt, herrschen dort - wie auch anderen Einrichtungen dieser Art - katastrophale Zustände: In der Klinik sind Schwerstgeisteskranke unter würdelosen Zuständen untergebracht: Die Patienten liegen auf kotverschmierten Matratzen und Strohsäcken, viele unbekleidet und unterkühlt. Eine der Patientinnen fällt Alzheimer auf: Auguste Deter. Sie ist noch vergleichsweise jung, 51 Jahre, und sprachlich völlig verwirrt, erinnert sich zwar an ihren Vornamen, aber ihr Nachname oder der ihres Mannes sind ihr entfallen. In einem lichten Moment stellt sie fest: "Ich habe mich sozusagen verloren". Alois Alzheimer kann keine Diagnose stellen und der Fall lässt ihn nicht mehr los.

Alzheimer, der "Irrenarzt mit Mikroskop“

Zeichnung eines Männerkopfes, seitlich gesehen
Eine Illustration des Wissenschaftlers Alois Alzheimer Bildrechte: IMAGO

Als Auguste Deter am 8. April 1906 stirbt, lässt er sich ihr Gehirn zur Untersuchung nach München schicken. Dort leitet Alzheimer seit 1903 das Hirnanatomische Laboratorium an der Psychiatrischen Klinik. Für seine Untersuchungen am Hirn der Verstorbenen wird er von Kollegen belächelt als "Irrenarzt mit Mikroskop“. Im November 1906 beschreibt er Kollegen bei einem Kongress das eigenartige Krankheitsbild der Auguste Deter und seine Entdeckungen: Bei der Obduktion des Gehirns hatte er Veränderungen entdeckt: Die Hirnrinde war dünner als normal und ungewöhnliche Stoffwechselprodukte in Plaques-Form hatten sich abgelagert. Später wies Alzheimer mit Färbemitteln auch eine Veränderung der Neurofibrilen nach. Die auffälligen Gehirnveränderungen wurden später nach ihm benannt, seine Analyse-Methode wird bis heute angewandt.

Mikroskop, menschlicher Schädel und Unterlagen von Alois Alzheimer im Geburtshaus des Forschers in Marktbreit in Bayern.
Bildrechte: IMAGO

Mit seiner Forschung legte Alzheimer den Grundstein für die Diagnose der Demenz-Krankheit. In der der Medizingeschichte und in in laxen Gesprächen im Alltag ist Alzheimer unvergesslich: "Wo hab ich bloß den Autoschlüssel" - "Boah, du hast wohl schon Alzheimer." Alois Alzheimer selbst erkrankte übrigens nicht an der nach ihm benannten Krankheit, sondern starb 1915 an einer schweren Infektion im Alter von 51 Jahren. In seinem Heimatort war Alzheimer lange vergessen, erst seit 1989 erinnert an seinem Geburtshaus eine Tafel an den Mediziner, der Patienten mit der Erforschung des Gedächtnisverlusts ihre Würde zurückgab.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im Radio | 21.09.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2017, 15:24 Uhr