Alzheimer und Demenz Das große Vergessen hat viele Gesichter

Wenn das große Vergessen einsetzt, kennen wir dafür vor allem einen Begriff – Alzheimer. Doch es gibt viele Formen von Demenz. Allen gemein ist, dass sie die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns nach und nach ausschalten. Nun haben Wissenschaftler in den USA eine weitere Form entdeckt, wie sie diese Woche bekannt gaben. Doch was die Behandlungsmethoden betriff, lässt bei allen Formen ein durchschlagender Erfolg weiter auf sich warten.

Bleistiftzeichnung eines gehirns mit menschlichen Umrissen.
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Dass man Alzheimer und Demenz gleichsetzt, hat einen ganz einfachen Grund, sagt Professor Steffi Riedel-Heller, Demenzspezialistin am Uniklinikum Leipzig.

Die Alzheimerdemenz ist bei weitem die häufigste Demenzform, und deshalb wird das in der Bevölkerung oft synonym verwendet.

Prof. Steffi Riedel-Heller, Uniklinikum Leipzig

Rund zwei Drittel aller Demenzkranken leiden an Alzheimer. Die Patienten haben zuerst Gedächtnis- und Orientierungsprobleme und können später ihren Alltag nicht mehr bewältigen.

Demenz kann aber auch anders beginnen. Z.B. bei der zweithäufigsten Form – sogenannten vaskulären Demenzen. Anders als Alzheimer werden sie durch Probleme mit den Blutgefäßen im Hirn ausgelöst.

Bei den meisten Menschen mit vaskulären Demenzen stehen am Anfang weniger die Gedächtnisstörungen, sondern Verlangsamung, Denkschwierigkeiten, Stimmungslabilität im Vordergrund.

Prof. Steffi Riedel-Heller

Vaskuläre Demenzen können durch eine von Mini-Schlaganfällen entstehen – dann sprechen Ärzte von Multiinfarktdemenz. Es gibt weitere Demenzformen, die andere Hirnbereiche betreffen, und sogar Demenzen, wo Krankheiten außerhalb des Gehirns zu Störungen im Gehirn führen, sagt Demenzspezialistin Riedel-Heller. "Beispiele sind Demenzen bei Stoffwechselstörungen, z.B. Schilddrüsenunterfunktion, oder Demenzen durch Vitaminmangel, bspw. B12-Mangel. Und zu erwähnen ist auch eine ganz besondere Form einer Abflussstörung der Hirnrückenmarksflüssigkeit, was wir als Normaldruckhydrocephalus bezeichnen."

Das sind sogenannte sekundäre Demenzen. Hier gibt es echte Heilungschancen.

Prof. Steffi Riedel-Heller

Zu viel Hirnflüssigkeit kann z.B. durch eine Art Ventilsystem abgeleitet werden. Dann verschwinden auch die Demenzsymptome. Bei der übergroßen Mehrheit dagegen – den sogenannten primären Demenzen – wo die Erkrankung im Gehirn sitzt – kann die Medizin die Krankheit im Moment nur verlangsamen.

Die sind aktuell nicht heilbar. Aber es gibt sehr interessante Entwicklungen, die den Blick Richtung Prävention und Lebensstil lenken.

Prof. Steffi Riedel-Heller

Und es gibt vielversprechende Forschungsprojekte im Kampf gegen die Krankheit, wie die Forschung an der TU Dresden. Dort wollen Wissenschaftler das Geheimnis der Zebrafische lüften, um damit im Gehirn neue Zellen wachsen zu lassen.

Die neue Demenzform heißt: LATE

Weltweit wird an weiteren neuen Demenztherapien geforscht. Forscher an der Universityx of Kentucky in den USA haben dabei eine völlig neue Form von Demenz entdeckt. Sie nennen sie LATE. Das steht eigentlich für Limbic-predominant age-related TDP-43 encephalopathy. Aber auch die Bedeutung des Wortes late – also spät – spielt dabei eine Rolle. Denn bei der Erkrankung handelt es sich um spezielle Eiweißanlagerungen im Gehirn, die besonders häufig bei Menschen über 85 auftreten.

Mehr als 200 verschiedene Viren können Erkältungen verursachen. Warum sollten wir glauben, dass es nur eine Ursache für Demenz gibt?

Dr. Peter Nelson, University of Kentucky

In der in der Zeitschrift "Brain" veröffentlichten Arbeit beschreiben die Forscher LATE als  Alzheimer-ähnliche Krankheit, die mehrere Bereiche der Kognition beeinflusst und letztendlich die Aktivitäten des täglichen Lebens beeinträchtigt, dabei aber langsamer voranschreitet. Allerdings bildeten sich dabei im Gehirn dieser Menschen nicht die für Alzheimer typischen Protein-Ablagerungen - Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen. Stattdessen fanden die Forscher das Protein TDP-43.

Für die internationale Forschergemeinschaft beginnt damit jedoch erst die eigentliche Arbeit. Denn jetzt müssen sie zum einen herausfinden, wie man LATE einfacher diagnostizieren kann. Und dann steht auch hier die Frage: Kann man die Krankheit heilen?

Zebrafische 2 min
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Zebrafische bekommen kein Alzheimer - sie lassen Gehirnzellen einfach nachwachsen. Dresder Forscher haben nun entdeckt, welche Gene dafür verantwortlich sind.

MDR AKTUELL Do 25.04.2019 11:15Uhr 02:18 min

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Zuletzt aktualisiert: 05. Mai 2019, 05:00 Uhr