Eine Frau mit geschlossenen Augen hält sich die Stirn.
Die WHO stuft Migräne als eine der Krankheiten ein, die Betroffene am meisten in ihrem Leben einschränken. Bildrechte: IMAGO

Menschheitsgeschichte Wie Europa uns die Migräne brachte

Als die Menschen in der Vorzeit von Afrika nach Europa einwanderten, entwickelten sie ein besonderes Gen, um besser mit der Kälte zu Recht zu kommen. Das gleiche Gen gilt auch als eine Ursache von Migräne.

Eine Frau mit geschlossenen Augen hält sich die Stirn.
Die WHO stuft Migräne als eine der Krankheiten ein, die Betroffene am meisten in ihrem Leben einschränken. Bildrechte: IMAGO

TRPM8 ist ein wahres Multitalent. Mit diesem Protein können Menschen Kälte spüren. Und nicht nur das, es ist auch der Rezeptor, mit dem wir Menthol wahrnehmen. Das kalte Gefühl auf der Zunge nach dem Kaugummikauen hat also direkt etwas mit unserem Sinn für Kälte zu tun. Leider steht TRPM8 auch im Verdacht, an der Krankheit Migräne beteiligt zu sein. Und das erklärt, warum Europäer, beziehungsweise die Nachkommen von Siedlern aus Europa, deutlich häufiger an Migräne leiden, als andere Menschengruppen.

Wie ein Team um die Evolutionsgenetiker Felix Key vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig und Aida Andres vom University College in London nun im Fachjournal PLOS Genetics berichtet, tragen Europäer deutlich häufiger eine genetische Variante des TRPM8-Gens in sich, als Menschen in Afrika. Laut den Wissenschaftlern fanden sie nur bei fünf Prozent aller Nigerianer diese Mutation, aber bei 88 Prozent aller Menschen mit finnischen Wurzeln.

Die Forscher vermuten, dass diese Mutation für die Regulierung des Kälterezeptor-Gens zuständig ist. Entwickelt hat sie sich betreits in den Urzeitmenschen. Doch erst, als diese vor 50.000 Jahren vom warmen Süden ins späteiszeitliche Europa wanderten, wurde sie Teil der Gene von immer mehr Menschen. "Diese Mutation hat offenbar einen Vorteil für ihre Träger dargestellt. Je weiter Populationen nach Norden zogen, desto besser konnten sich Menschen mit dieser Genvariante fortpflanzen", sagt Felix Key.

Verbindung zwischen Kälte und Schmerz

Unglücklicherweise entwickelte sich damit offenbar auch die Neigung zur Migräne. "Die Mutation, die wir untersucht haben, kommt bei Menschen, die Migräne haben, sehr viel gehäufter vor. Was der Grund dafür ist, wissen wir noch nicht genau. Aber wir wissen, dass Migräne etwas mit Schmerz zu tun hat und Kälte in gewisser Weise auch. Dort könnte es eine Verbindung geben, aber dafür müssen noch weitere Untersuchungen gemacht werden", sagt Key.

Fakt ist: Europäer oder Menschen mit europäischen Wurzeln haben deutlich häufiger Migräne, als Afrikaner. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO leiden in Europa 14,9 Prozent unter Migräne, in Afrika dagegen nur 4 Prozent.

Migräne gilt als eine der neurologischen Krankheiten, unter der Betroffene am meisten leiden. Sie geht mit zahlreichen Symptomen einher, von Lichtempfindlichkeit, über Sehstörungen und Übelkeit bis hin zu pulsierenden, heftigen Kopfschmerzen. Die WHO zählt sie daher zu den schwersten, das Leben der Betroffenen am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Weltweit variiert der Anteil der Migräneerkrankten in den Bevölkerungen, er ist aber am höchsten bei europäisch stämmigen Menschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 03. Mai 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2018, 11:24 Uhr