Multiresistente Keime - jetzt tagt die UNO Wir brauchen ein globales Antibiotika-Management

Uns gehen die Antibiotika aus. Die Resistenzen sind eine der größten medizinischen Herausforderungen der Gegenwart. Das weltweit wachsende Problem hat mittlerweile auch die UN Vollversammlung erreicht. Im September diskutierten Politiker, Wissenschaftler und Pharma-Vertreter in New York, wie wir das Problem in den Griff bekommen können. MDR Wissen hat den Mikrobiologen Professor Jörg Hacker von der Leopoldina in Halle befragt, wie wir den Kampf gegen multiresistente Keime gewinnen können.

Winzige Viren heften sich an Bakterien.
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Antibiotikaresistente Keime sind weltweit dramatisch auf dem Vormarsch. Durch unkontrollierten Konsum von Antibiotika haben viele Bakterienstämme Resistenzen entwickelt, die eine wirksame Behandlung von Infektionen unmöglich machen. Auch in Deutschland wächst die Anzahl von Krankheiten wie Tripper, Syphilis und Chlamydiose wieder deutlich an.
Die Weltgesundheitorgansation WHO schätzt die Gafahr der nicht behandelbaren Infektionskrankheiten als eine der größten medizinischen Herausforderungen weltweit ein.

Es ist ganz wichtig, dass dieses Thema in der Politik angekommen ist

Professor Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina in Halle
Jörg Hacker im Interview 22 min
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Interview mit Professor Dr. Jörg Hacker Quo vadis Antibiotika?

Interview mit Professor Dr. Jörg Hacker

MDR Wissen-Reporter Daniel Schlechter befragt Professor Dr. Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina und Mikrobiologe, zu resistenten Keimen und der Zukunft der Antibiotika.

Fr 16.09.2016 14:34Uhr 22:11 min

https://www.mdr.de/wissen/video-47534.html

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Am Mittwoch wird das Thema erstmals auf der UN Vollversammlung in New York diskutiert. Ziel ist es, eine gemeinsame Strategie aller Staaten gegen die Antibiotikaresistenz zu entwickeln. Es ist erst das vierte Mal, dass sich die UN Vollversammlung mit einem medizinischen Thema auseinandersetzt. Damit wird die Gefahr durch multiresistenten Keime nun politisch gleichgesetzt mit HIV oder Ebola.

In einem ausführlichen Interview hat MDR Wissen den Präsidenten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Professor Jörg Hacker, befragt, welche Maßnahmen von der UN zu erwarten sind und was gegen resistente Keime getan werden kann.
Der Mikrobiologe Hacker hebt die Notwendigkeit hervor, global zu handeln und keine nationalen Insellösungen zu suchen. Neben permanter Verbesserung der existierenden Antibiotika sei vor allem ein wirksames Antibiotika-Management gefragt - national und international. "Unternehmen, die öffentliche Hand und die Stiftungen müssen zusammenarbeiten", sagt Professor Hacker.