Eine Ärztin mit einem Tablett Computer schaut sich eine Detailaufnahme von Bakterien an.
Antibiotikaresistente Keime sind eine große Gefahr. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Jochen Tack

Antibiotika in Krankenhäusern Rechnen gegen resistente Keime

Antibiotikaresistente Keime sind gefährlich, sie verursachen zwischen 10.000 und 20.000 Todesfälle in Deutschland - pro Jahr. Forscher können nun berechnen, wann eine Resistenz entsteht. Das könnte viele retten.

von Annegret Faber

Eine Ärztin mit einem Tablett Computer schaut sich eine Detailaufnahme von Bakterien an.
Antibiotikaresistente Keime sind eine große Gefahr. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Jochen Tack

Das sorgte 2018 für Schlagzeilen: Antibiotikaresistente Keime an Badestränden gefunden. Evolutionsbiologe Jens Rolff von der Freien Universität Berlin ist froh, dass er selbst damit noch nicht in Kontakt kam. "Glücklicherweise ist es mir noch nicht passiert, aber ich kenne aus meinem Umfeld Leute, die mit antibiotikaresistenten Keimen zu tun hatten", sagt er im Gespräch mit MDR Wissen.

Gemeinsam mit theoretischen Physikern aus Zürich entwickelte er ein Rechenmodell, mit dem er Resistenzen vorher sehen und damit auch abwenden kann. Letztlich sei es reine Mathematik. "Das Ziel unserer Forschung ist voraus zu sagen, wann Antibiotikaresistenzen auftreten. Einfach gesagt: Je mehr Antibiotika man nutzt, umso mehr Resistenzen treten auf."

Gegen neue Antibiotika können inzwischen schon nach wenigen Wochen Resistenzen entstehen. Krankenhäuser brauchen also dringend eine Lösung für dieses Problem.

Big Data gegen Antibiotika-Resistenz

Die Forscher warfen alle Daten über Antibiotika zusammen und fütterten damit ein Rechenmodell. Sie maßen Konzentration in Zeitabständen zogen daraus Schlussfolgerungen.

Wir haben auch in der Literatur geguckt, wo gibt es die Resistenzen gegen Antibiotika, die wir festgestellt haben? Wir haben uns gefragt, machen unsere Aussagen Sinn? Die Antwort ist ja, wir haben die Muster in Studien an resistenten Bakterien gefunden, die wir voraussagen konnten.

Professor Jens Rolff, Evolutionsbiologe an der FU Berlin

Jens Rolff fand seine theoretischen Berechnungen in der Praxis bestätigt und hofft, dass sein Modell bald genutzt wird. Krankenhäuser könnten damit einen Medikamentenplan erarbeiten, der Resistenzen vorbeugt. "Wir müssen davon ausgehen, wenn Antibiotika auf den Markt kommen, dass es nach ein, zwei Jahren Probleme mit Resistenzen gibt", sagt Rolff.

Rechenmodell könnte Leben retten

Pharmakonzerne würden deshalb kaum noch neue Antibiotika entwickeln. Es rechnet sich nicht mehr, sie werden zu schnell wirkungslos. Allerdings gibt es Alternativen - sie müssen nur angewendet werden.

Wir hoffen auch, dass man mit Hilfe des Modells neue Antibiotika auswählen kann, wo die Wahrscheinlichkeit, dass Resistenzen evolutiv entstehen, gering ist und es dann auch ökonomisch interessant wird für Pharmakonzerne, weil sie ein Medikament haben, das zehn oder 15 Jahre nutzbar wäre.

Professor Jens Rolff, Evolutionsbiologe an der FU Berlin

Lösen könne man das Problem mit den Resistenzen wohl nie, glaubt der Evolutionsbiologe der Freien Universität in Berlin. Aber das Modell könnte viele Menschenleben retten, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Erstens genug Personal im Krankenhaus um die Daten zu erheben und zweitens alternative Antibiotika.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 20. März 2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2018, 17:42 Uhr