Mehr Sicherheit für Wanderer und Kletterer Sächsische Schweiz: Gesteins-Abbrüche per App melden

Citizen Science für alle, die im Elbsandsteingebirge unterwegs sind - zu Fuß, am Seil, im Auto: Über eine App können sie ab Dezember Informationen über abgestürzte Gesteinsbrocken an eine zentrale Stelle schicken. So können Risiken auf Wanderwegen, Straßen und Kletterrouten besser erkannt und abgesichert werden.

Egal, ob Kletterer, Wanderer oder Autofahrer: Das Elbsandsteingebirge ist einerseits ein prächtiges Ausflugsziel, andererseits aber auch Quelle für viele Unfälle durch brüchiges Gestein, denn Wind und Wetter setzen den Felsen zu. Eine App soll helfen, rechtzeitig Gefahrenstellen zu identifizieren und abzusichern, wie zum Beispiel an den Scharwänden im Kirnitzschtal in der Sächsischen Schweiz. Hier ist das Risiko von Felsabbrüchen besonders groß und somit auch für die Straße, die darunter verläuft. Deshalb richtet eine Forschungsgruppe der TU Freiberg hier ein neuartiges Beobachtungs- und Sicherheitssystem ein.

Wie Felsen über ihren Zustand informieren

Affensteine - Sandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz
Die Affensteine - beliebt bei Kletterern Bildrechte: Colourbox.de

Dazu werden am Fuße der Felswand Sensoren vorbereitet, die von professionellen Kletterern an ausgewählten kritischen Punkten befestigt werden. Die Sensoren sollen an sehr stark aufgelockerten Felsbereichen Bewegungen messen. Kommt es zu ungewöhnlichen Bewegungen, schickt die Sonde per Funk ein Signal an den Zentralserver. Geplant ist ein flächendeckendes Netz von Sensoren in allen Risikobereichen der Sächsischen Schweiz, auch im tschechischen Teil des Elbsandsteingebirges. Freiberger und Prager Forscher arbeiten gemeinsam an dem Projekt. Geht so ein Frühwarnsignal in der Zentrale ein, wird eine Vorortbesichtigung gemacht, ob sich am Felsen etwas verändert hat.

Diese Risiko-Karten sollen auch den Ämtern zur Verfügung stehen. Jeder Sensor im Gebirge ist dann als farbiger Punkt verzeichnet. Grün bedeutet, "keine auffällige Bewegung im Fels". Orange oder gar Rot weisen auf ein bestehendes Risiko hin.

Doch die Sensoren sind nur ein Teil der wissenschaftlichen Arbeit. Und beim zweiten Teil kommen Sie ins Spiel, als Hobby-Forscher, Citizen Scientists. Und das geht ganz einfach. Denn in der APP "Georisks", die die Freiberger Geowissenschaftler entwickelt haben, können solche Felsstürze auch gemeldet werden. Die App enthält eine Karte mit dem aktuellen Standort und die Aufforderung, ein Foto vom abgestürzten Gestein zu machen und Angaben über die Größe und Ausmaße des abgestürzten Gesteins. Geologe Dr. Jörn Wichert von der TU Bergakademie Freiberg hofft, so künftig mehr Informationen über Felsstürze in der Fläche zu erhalten. Die App - ein grenzüberschreitende Projekt, das durch die EU und den Europäischen Fond für regionale Entwicklung finanziert wird - gibt es ab Dezember 2019.

Bergsteiger an Felsen in der Sächsischen Schweiz bei Sonnenaufgang.
Abseilen an der Brosinnadel Bildrechte: MDR/Holger Lieberenz

Dieses Thema im Programm: 3sat/nano | 18. November 2019 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 16:45 Uhr

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