Studie der University of Chicago Eigene Fehler machen uns nicht klüger, aber die von anderen

Zu viel gegessen, zu lange gearbeitet und zu viel Zeit im Netz verbracht. Eigentlich wissen wir, was uns gut tut und was nicht. Trotzdem ist es sehr schwer, aus den eigenen Fehlern zu lernen. Forscher der University of Chicago haben untersucht, wieso das so ist. Sie fanden heraus: Erfolge machen klüger, Misserfolge nicht.

von Annegret Faber

Fehler sind eine Blamage für uns selbst und eindeutig negativ besetzt. Wer macht schon gerne einen Fehler? Psychologen sehen das allerdings anders. Sie sagen, Fehler seien eine große Chance, um besser zu werden und daraus zu lernen. Warum tun wir es also nicht?  

Das ist schon ein großer Unterschied, ob man Wissen hat oder ob man auch fähig ist, dieses Wissen umzusetzen.

Annegret Wolf, Psychologin, MLU Halle

Würden wir jeden Fehler nur einmal machen, wäre diese Welt vielleicht perfekt. Im Großen wie im Kleinen. Doch warum wiederholen wir immer wieder Dinge, die schlecht für uns sind. Ist das Unfähigkeit oder steckt eine Methodik dahinter? Forscher der University of Chicago haben das in einer Studie erforscht.

Wissenquiz und Bonusfragen

Um das zu untersuchen mussten die Probanden zum Beispiel Wissenstest machen, die direkt ausgewertet wurden. Die Teilnehmer erhielten Feedback auf ihre Antworten. Später wurden die Test mit leicht geänderten Fragenstellungen wiederholt.

In einem anderen Versuch mussten die Teilnehmer Fragen beantworten, wie diese hier: Welche der folgenden Zeichen in einer alten Schrift steht für ein Tier? Auch hier gab es Feedback, ob die Antworten richtig oder falsch waren. In einem späteren Test wurden die Fragen zum Teil umgekehrt gestellt, aber für die richtigen Antworten Geld als Anreiz geboten. Und aus den Ergebnisen der Test konnten die Forscher die Forscher ihre Schlussfolgerungen ziegen.

Fehler lösen negative Emotionen aus

Und die lassen sich so zusammenfassen: Waren die Teilnehmer erfolgreich und machten keine Fehler, waren sie danach noch besser. Machten sie aber Fehler, trat das genaue Gegenteil ein und sie wurden noch schlechter. Scheitern behindert das Lernen, so die Forscher. Denn Fehler lösen negative Emotionen aus, bestätigt Annegret Wolf.

Und das halten wir Menschen nicht so gut aus. Aber wir sind sehr gut darin Strategien zu entwickeln und diese Dissonanz zu reduzieren, um unseren Selbstwert aufrecht zu erhalten. Das kennen wir auch alle. Wir bagatellisieren: Naja, es war ja nur die eine Zigarette, es war ja nur der eine Burger, morgen wird alles wieder gut.

Annegret Wolf

Das wir Fehler herunter spielen habe einen Grund, den die Forscher in der Studie genau beschreiben. Sie zeigen, dass Menschen auf negative Ereignisse viel heftiger reagieren, als auf positive, kognitiv und emotional. Es greift sie an, erschüttert ihr Selbstwertgefühl und zwar so sehr, dass sie den Fehler danach nicht mehr wahr haben wollen. Die Forscher begründen es so:  

Weil die Menschen das Scheitern als Ego-bedrohlich empfinden, werden sie sich von dieser Erfahrung lösen, was bedeutet, dass sie aufhören, dem Fehler Aufmerksamkeit zu schenken und einfach abschalten.

Fehler-Studie Uni Chicago

Und das habe dann direkte Konsequenzen auf das Lernen, da die Leute keine Informationen lernen können, die sie nicht beachten möchten. Denn, so stellen die Psychologen fest, Fehler verleiten uns dazu zu denken, wir schaffen das nicht, die Aufgabe sei viel zu schwer.

Allerdings gibt es eine Ausnahme. Und zwar wenn andere Fehler machen. Das bringt uns weiter, so die Studie und ähnelt der Reaktion auf ein Erfolgserlebnis. Denn dann haben wir den nötigen Abstand, können sehen was falsch lief und sind fähig, daraus Schlüsse zu ziehen. Die Erfinder der Fuckup-Nights haben also alles richtig gemacht.

Links zur Studie

Die Untersuchung der Forscher ist unter dem Titel "Not Learning From Failure—the Greatest Failure of All" in "Psychological Science" erschienen. Die gesamte Studie können Sie hier als pdf nachlesen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 29. November 2019 | 09:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2019, 11:24 Uhr

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