Axolotl
Bildrechte: IMP - Research Institute of Molecular Pathology

Axolotl-Genom entschlüsselt Können wir bald Gliedmaßen nachwachsen lassen?

Der Schwanzlurch Axolotl kann etwas, das unter die Kategorie Menschheitsträume fällt: Gliedmaßen nachwachsen lassen. Forschern aus Deutschland und Österreich ist es nun gelungen seine Erbinformationen offen zu legen. Ist das der Schlüssel um auch dem Menschen solche Eigenschaften zu geben?

Axolotl
Bildrechte: IMP - Research Institute of Molecular Pathology

Warum und wie kann das Axolotl Körperteile nachwachsen lassen? Ob Bein, Rückenmark oder Netzhautgewebe - der Ambystoma mexicanum hat erstaunliche Fähigkeiten, von denen der Mensch bisher nur träumt. Wissenschaftlern des Forschungsinstituts für molekulare Pathologie in Wien (IMP) haben gemeinsam mit Kollegen vom Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden die komplette Erbinformation des mexikanischen Schwanzlurchs entschlüsselt.

Sergej Nowoshilow, Co-Autor der Studie und Postdoktorand am IMP, wertet die Genomentschlüsselung als echten Meilenstein in der Axolotl-Forschung: "Wir haben jetzt die genetische Karte in der Hand, mit der wir untersuchen können, wie komplizierte Strukturen - zum Beispiel Beine - nachwachsen können". Diese "genetische Karte", von der Nowoshilow spricht, ist für Forscher weltweit eine wichtige Grundlage für die Erforschung von Gewebe-Regeneration.

Die speziellen Axolotl-Gene

Sergej Nowoshilow
Bildrechte: IMP

Die Forscher stießen dabei auf mehrere Gene, die nur beim Axolotl und anderen Amphibienarten vorkommen und in regenerierendem Gewebe aktiv sind. Doch mit diesem Wissen ist noch nicht einmal die Hälfte des Weges geschafft, sagt Nowoshilow. Denn es ist nicht das Gen allein, das den Unterschied ausmacht.

Es handelt sich eher um ein komplexes Zusammenspiel von Schaltzentralen im Organismus, die der Axolotl beherrscht, nicht aber der Mensch. Die Voraussetzungen um Organe, Gliedmaßen nachwachsen zu lassen, das Bindegewebe eines erblindeten Menschen, das Rückenmark eines Querschnittgelähmten, hätten wir vielleicht, aber wir kennen den Schalter nicht, der umgelegt werden muss. Doch Nowoshilow ist optimistisch und wagt eine Prognose, wann wir in der Lage sein werden, Gliedmaßen nachwachsen zu lassen:

Ich kann mir gut vorstellen dass es in 20, 30 Jahren so weit sein wird, weil wir ja massive Fortschritte sehen.

Sergej Nowoshilow

Das Millionen-Puzzle: Weltrekord

Gene Myers, Direktor und Forschungsgruppenleiter am Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden spricht vom größten Genom, das jemals entschlüsselt wurde. Es sei zehn mal größer als das Genom des Menschen und somit sei  die Entschlüsselung dieses Genoms auch eine Art Weltrekord. Zur Entschlüsselung wurde eine speziell entwickeltes Software-System benutzt, das das extrem lange Axolotl-Genom auch über längere Sequenzstücke analysieren kann. Insgesamt wurden dabei 72 Millionen solcher Genomstücke sequenziert. Längere Genomsequenzen sind wichtig, da sich nur so wiederholende Teile eindeutig zuordnen lassen und die Forscher erst dann das gesamte Genom puzzleartig aus Millionen Teilen zusammensetzen können.

Axolotl
Bildrechte: IMP - Research Institute of Molecular Pathology

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 26. Januar 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2018, 19:00 Uhr