Welt-Pankreaskrebs-Tag Warum ist Bauchspeicheldrüsenkrebs unheilbar?

Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs gleicht einem Todesurteil: Weniger als fünf Prozent aller Erkrankten leben dann noch länger als fünf Jahre. Auf dieses Schicksal will der Welt-Pankreaskrebstag heute aufmerksam machen. Denn es gibt ein Problem: Anders als bei den anderen Krebsarten ist hier einfach keine Heilung in Sicht – trotz intensiver Forschung.

Grafik: Innereien eines Menschen
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Der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist auf dem Weg zum Nummer-1-Killer unter den Krebsarten, denn das Pankreaskarzinom ist tückisch. Im Frühstadium zeigen sich so gut wie keine typischen Krebs-Symptome wie Gewichtsverlust oder Gelbsucht, sagt Professor Joachim Mössner, Direktor der Klinik für Gastroenterologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs kommen wir mit der Diagnose häufig zu spät. Der Tumor metastasiert früh, setzt also Tochtergeschwülste ab und die therapeutischen Möglichkeiten sind beschränkt. Ungefähr nur zehn bis zwanzig Prozent der Patienten können bei Diagnosestellung noch operiert werden.

Professor Joachim Mössner

Selbst von denen überleben weniger als fünf Prozent die nächsten fünf Jahre. Für eine kleine Gruppe von Menschen gibt es dennoch Hoffnung auf Früherkennung:

Es gibt eine Patientengruppe, wo wir eine bestimmte Hoffnung haben. Das sind Patienten, die seit langer Zeit übergewichtig sind und dann plötzlich eine Blutzuckerkrankheit entwickeln, also einen sogenannten Typ2-Diabetes. Da muss man dran denken, dass dieser Typ2-Diabetes Folge eines bereits existierenden kleinen Karzinoms sein kann.

Professor Joachim Mössner

Die üblichen Behandlungsmethoden bei Krebs funktionieren beim Pankriaskarzinom kaum: Eine Chemotherapie etwa verlängert das Leben nur um Monate. Doch Experten können trotz intensiver Forschung bisher nur vermuten, warum nichts hilft. Mössner zufolge gibt es zwar viele Konzepte, um die Tumorentstehung besser zu verstehen, aber einen Durchbruch, was die Therapie angeht, gibt es nicht.

Auch Martin Sprick vom Deutschen Krebsforschungszentrum will diese Tumore besser verstehen. Dazu versucht er dort derzeit so genannte Subtypen des Bauchspeicheldrüsenkrebses zu identifizieren, denn Krebs ist nicht gleich Krebs.

Ein wichtiger Forschungsaspekt ist, zu erkennen, wie sich verschiedene Patienten voneinander unterscheiden. Das heißt, ob man in Patienten sogenannte targeted oder zielgerichtete Therapieansätze anwenden kann wie wir sie zum Beispiel von Brustkrebs kennen, wo wir Patientinnen in verschiedene Subtypen einteilen und entsprechend zielgerichtet behandeln.

Martin Sprick, DKFZ Heidelberg

Das ist eine umfangreiche Aufgabe, denn die Zellen mutieren nur bei sehr wenigen Patienten gleich. Deshalb wollen die Forscher nicht die erkrankten Zellen zerstören, sondern ganz verhindern, dass gesunde Zellen überhaupt zu Krebszellen mutieren, erklärt der Spezialist. Doch es gibt womöglich noch einen Grund, warum die übliche Krebsbehandlung beim Pankreaskarzinom kaum Wirkung zeigt, wie Martin Sprick erklärt:

Derzeit wird auch diskutiert, ob (…) die Umgebung der Tumorzellen, also das normale Gewebe, welches die Tumorzellen umgibt, auch beim Bauchspeicheldrüsenkrebs einen entscheidenden Beitrag zur Therapieresistenz leistet. Dass eben zum Beispiel Therapeutika gar nicht erst in die Tumorzellen kommen, wo sie wirken können.

Martin Sprick

Außerdem sei der Pankreaskrebs nur schlecht mit Blutgefäßen verbunden, so dass die Wirkstoffe gar nicht richtig zum Tumor gelangen könnten. Das macht es umso schwerer: Forscher müssen bei der Suche nach einer wirksamen Behandlung also nicht nur nach dem "was", sondern auch noch nach dem "wie" fragen.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Radio: MDR | 16.11.2017 | 06:20 Uhr