Ressourcenverschwendung Black Friday: Kaufen für die Tonne

Shopping mit gutem Gewissen – das ist nicht immer einfach. Zahlen von Greenpeace zeigen, wie im Onlinehandel Ressourcen verschwendet werden. Die Umweltschützer sagen: Der "Black Friday" ist ein schwarzer Tag für die Umwelt.

Symbolfoto Online Shopping.
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Am Freitag (23. November) locken zum sogenannten Black Friday wieder Online-Händler mit hohen Rabatten. Der Shopping-Tag ist vor allem bei  jüngeren Menschen beliebt. Knapp die Hälfte der Bevölkerung unter 30 Jahren plant, am 23. November einzukaufen. Die Konsumschlacht geht jedoch auf Kosten der Umwelt: Ein Drittel der verkauften Waren wird wieder an die Händler zurückgeschickt – und wandert dort oft in den Müll.

Shoppen, schauen und zurückschicken

In einer repräsentativen Umfrage hat die Umweltorganisation Greenpeace herausgefunden, dass sechs von zehn Befragten unter 30 Jahren Kleidung und Schuhe mit der festen Absicht bestellen, diese zurückzusenden. Kaum jemand kommt dabei auf die Idee, dass die zurückgeschickten Waren vernichtet werden könnten. Stattdessen gehen die  meisten davon aus, dass die Retouren wieder verkauft, verramscht oder gespendet würden.

Doch das ist für die Händler aufwändig. In einer Studie des Marktforschungsunternehmens EHI Retail Institute gaben die befragten Online-Händler an, 70 Prozent der Retouren wieder in den Verkauf zu geben. Der Rest werde häufig vernichtet. Mehr als die Hälfte der Unternehmen gab an, einen Teil der Retouren direkt zu entsorgen. Knapp ein Drittel bittet die Kundschaft in manchen Fällen sogar, Artikel trotz Retourschein nicht zurückzusenden.

Money, Müll und Moral

Nach Recherchen des ZDF und der Wirtschaftswoche vom Juni 2018 gehen auch bei Amazon an deutschen Standorten rund 30 Prozent der Retouren nicht mehr in den direkten Verkauf. Eine Mitarbeiterin beziffert die allein von ihr vernichteten Warenwerte auf bis zu 23.000 Euro am Tag.

"Das Ganze birgt natürlich auch ein ethisches Problem", gibt Viola Wohlgemuth, Sprecherin von Greenpeace, zur Entsorgung anstandsloser Waren zu bedenken.

In jedem Produkt steckt auch Arbeitskraft, und zwar häufig aus Billiglohnländern, in denen unter katastrophalen, ausbeuterischen Bedingungen produziert wird. Dabei werden Flüsse verschmutzt und Wälder abgeholzt.

Viola Wohlgemuth, Greenpeace

Im vergangenen Jahr wurden allein im deutschen Handel rund 3,4 Milliarden Pakete verschickt. Geht man von einer mittleren Pakethöhe von 20 Zentimetern aus, reichen die übereinander gestapelten Pakete einmal bis zum Mond und fast wieder zurück. Allein die elf Millionen täglich in Deutschland versendeten Lieferungen kämen demnach auf eine Höhe, die mehr als doppelt so hoch wie der Mount Everest ist. Zusätzlich werden die Produkte meist um die halbe Welt geschickt, was zu hohen Emissionen von Kohlendioxid, Stickoxiden und Feinstaub führt – nicht zuletzt auch in deutschen Innenstädten, wo die Lieferwagen die Straßen verstopfen.

"Der Black Friday ist ein schwarzer Tag für die Umwelt", fasst Viola Wohlgemuth zusammen. "Unser Konsum vernichtet immer mehr Ressourcen und heizt die Klimakrise an." Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass jedes einzelne Paket Folgen für die Umwelt hat.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP Morningshow | 22. November 2018 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2018, 14:15 Uhr