Demenzforschung Bluttest prognostiziert Alzheimer 20 Jahre vor Symptomen

US-Forscher haben einen Bluttest entwickelt, der Alzheimer bereits 20 Jahre vor Ausbruch der Krankheit vorhersagen soll. Kann dieser Test den teuren PET-Scan des Gehirns ersetzen?

Zu jeder Blutspende gehört auch ein Labortest So wird sichergestellt, dass mit einer Spende keine Krankheiten  übertragen werden.
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Menschen mit Alzheimer leiden an akutem Gedächtnisverlust und allgemeiner Verwirrtheit. Diese Krankheit ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. 60 Prozent aller Demenzerkrankungen betreffen Alzheimer, das sind rund eine Million Menschen. Die meisten davon sind über 85 Jahre alt, zwei Drittel Frauen.

Scans und Fruchtwasser-Untersuchungen

Im Körper der Betroffenen entwickelt sich die Krankheit bereits 20 Jahre vor Ausbruch der bekannten Symptome. Ein Anzeichen ist die Bildung von schädlichen Proteinklumpen im Gehirn. Bisher gibt es nur wenige und aufwändige Möglichkeiten der Früherkennung, etwa sogenannte PET-Scans (Positronen-Emissions-Tomographie) oder Nervenwasser-Untersuchungen.

Scan zweier Gehirne. Das linke Hirn ist gesund. Auf dem rechten Hirn ist die Ablagerung von Amyloid-Beta-Protein sichtbar gemacht worden.
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US-Forscher arbeiten an einer Methode, Alzheimer per Bluttest vorherzusagen. Die Wissenschaftler um den Professor der Neurologie Randall J. Bateman an der Washington University School of Medicine in St. Louis untersuchen dafür den Gehalt des Alzheimer-Proteins Amyloid Beta im Blut. Die Ergebnisse kombinieren sie mit weiteren Daten, Alter und einem bekannten genetischen Risikofaktor (APOE4). Damit können die Wissenschaftler die Krankheit nach eigener Aussage mit einer Genauigkeit von 94 Prozent vorhersagen.

Noch befindet sich der Bluttest im Probelauf, bis zum Einsatz werden noch einige Jahre vergehen. Randall Bateman setzt große Hoffnung darauf, weil es schneller, günstiger und  einfacher wäre: "Im Moment screenen wir Menschen für klinische Studien mit Hirnscans, was zeitaufwendig und teuer ist, und die Registrierung der Teilnehmer dauert Jahre."

Früherkennung für neue Behandlungsstrategien

Haben die Symptome wie extreme Vergesslichkeit erst einmal eingesetzt, ist es unwahrscheinlich, dass die Pateinten vollständig geheilt werden können. Früherkennung kann dagegen helfen, neue Behandlungsstrategien zu entwickeln, bevor die Krankheit ausbricht, so Bateman: "Mit diesem Bluttest könnten wir tausende Menschen innerhalb eines Monats untersuchen".

Der PET-Scan des Gehirns kostet nach Angaben der Forscher umgerechnet mehrere Tausend Euro. Die Kosten für den neu entwickelten Bluttest sollen dagegen nur einige Hundert betragen. Die frühzeitige Diagnose von Alzheimer kostengünstiger zu machen, ist aber nicht das alleinige Ziel der Wissenschaftler. Bateman: "Es sind die Millionen an Patienten, die unter dieser Krankheit leiden, während wir keine Behandlung dafür haben. Wenn wir diese Studien schneller durchführen können, wird uns das näher an die Bekämpfung dieser Krankheit bringen."

Die Egebnisse der Studie sind im Fachmagazin Neurology veröffenltich worden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. September 2018 | 17:15 Uhr