Gefahr durch Böller Knalltrauma: Dieses Pfeifen im Ohr

Durch die Knallerei zu Silvester werden jedes Jahr zahlreiche Menschen schwer verletzt. Einer der häufigsten Schäden: Ein Knalltrauma der Ohren, das zu bleibenden Schäden führen kann.

Auf diesem Bild erkennt man eine Person, die einen Knallkörper zündet, sowie die Explosion mit den Funken, die die Person erfassen würden.
Bildrechte: imago/Gottfried Czepluch

Es hat ihm dann auch gleich leidgetan, aber er war halt nicht mehr nüchtern und der Wind ging stärker, als er dachte. Silvester in Leipzig: Der Mann wollte den brennenden Böller eigentlich auf die Straße werfen, stattdessen landete er vor meinen Füßen. Ich drehte mich gerade nach links, als der Kracher explodierte. Danach fiepte mein rechtes Ohr.

Als ich an Neujahr aufwache, habe ich ein hohes Summen im Ohr und es fühlt sich an, als ob Watte im Gehörgang steckt. Dank des unachtsamen Zeitgenossen habe ich nun ein Knalltrauma.

Über 120 Dezibel

Zum Jahreswechsel 2017/18 haben sich in Brandenburg zwei Männer versehentlich mit Feuerwerkskörpern umgebracht. Wie jedes Jahr wurden im ganzen Land Schwerverletzte in Krankenhäusern behandelt, die sich mit Pyrotechnik verbrannten oder Gliedmaßen abgesprengt hatten.

Zur häufigsten Verletzung, dem Knalltrauma, gibt es keine deutschlandweiten Zahlen. Es dürften Tausende sein, die in den ersten Januartagen die Praxis eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes aufsuchen mussten. Mehr als 120 Dezibel kann der Knall eines Böllers laut sein. Zum Vergleich: Das Knattern eines Presslufthammers ist etwa 80 Dezibel laut. Bauarbeiter tragen in der Regel einen Gehörschutz, wenn sie damit arbeiten.

Innenohr wird beschädigt

Bei einem Knalltrauma werden die feinen Hörhärchen im Innenohr beschädigt. Sie können umknicken, wodurch die Betroffenen oft einen anhaltenden Pfeifton hören, einen Tinnitus. "Ein Knalltrauma mit einer Hörminderung, einem Tinnitus und gegebenenfalls auch Schwindelgefühlen sollte behandelt werden", sagt Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Uniklinikum Leipzig.

Je eher eine Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten auf Heilung. Als das Klingeln im rechten Ohr am vierten Januar immer noch da ist, suche ich daher den Rat eines Mediziners. Die Ärztin untersucht zunächst die Trommelfelle und (weil beide zum Glück unverletzt geblieben sind) macht sie danach einen Hörtest mit mir.

Behandlung mit Kortison

Mit einer Stimmgabel überprüft sie zunächst, ob mein räumliches Hörvermögen beeinträchtigt ist. Mein rechtes Ohr ist nach wie vor leicht taub, die Stimmgabel über meinem Kopf scheint der Ton eher von links zu kommen. Dann setze ich einen Kopfhörer auf. Töne erklingen, von ganz tief bis ganz hoch. Die höchsten Frequenzen kann ich links problemlos erkennen, rechts dagegen nicht mehr hören.

Bei einem starken Knalltrauma werden Patienten im Krankenhaus stationär mir hohen Kortisondosen behandelt, sagt Dietz. Sie bekommen dazu in der Regel eine Infusion. Dadurch sollen sich die feinen Hörhärchen wieder aufstellen. "Handelt es sich nur um ein Pfeifen mit geringer Hörminderung, klingt es über Tage meist von selbst wieder ab", sagt der Mediziner.

Dauer: Bis zu sechs Wochen

In meinem Fall entscheidet sich die Medizinerin gegen eine Behandlung mit Medikamenten. Mein Hörschaden ist zum Glück vergleichsweise gering und die Arznei aufgrund der möglichen Nebenwirkungen auch nicht frei von Risiken. Bis zu sechs Wochen kann das Knalltrauma andauern.

Bei mir bleibt auch nach dieser Zeit ein kleiner aber andauernder Verlust meines Hörvermögens. Wie ich jetzt weiß, gehört das wohl zum Risiko, wenn man an Silvester auf die Straße geht und sich nicht in der Wohnung versteckt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 27. Dezember 2018 | 05:00 Uhr