Frau mit Migräne
Frauen leiden dreimal häufiger an Migräne als Männer. Bildrechte: imago/Panthermedia

Mögliche Erklärung: Protein CGRP Warum Frauen mehr unter Migräne leiden als Männer

Frauen leiden dreimal so häufig unter Migräne wie Männer. Warum das so ist, konnte bislang niemand erklären. Ein Grund könnte das im Nervensystem produzierte Protein CGRP sein, wie eine neuste US-Studie belegt.

Frau mit Migräne
Frauen leiden dreimal häufiger an Migräne als Männer. Bildrechte: imago/Panthermedia

"Ach Schatz, heute nicht, ich habe Kopfschmerzen." Dass dieser Klischeesatz den Frauen angedichtet wird, kommt nicht von ungefähr. Zumindest bei Migräne steht fest: Frauen leiden dreimal so häufig an dieser Erkrankung, die mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörungen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit einhergeht, wie Männer. Doch warum ist das so?

Schmerzreaktionen nur bei Weibchen

Wissenschaftler der Universität Texas in Dallas haben möglicherweise eine Antwort auf diese Frage gefunden. Wie sie in einer im Journal of Neuroscience veröffentlichten präklinischen Studie nachgewiesen haben, verursachte das in die Hirnhaut eingeführte Protein Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), das schon länger als Ursache für Migränesymptome bekannt ist, zwar bei weiblichen Nagetieren Schmerzreaktionen, nicht aber bei männlichen.

CGRP in Hirnhaut injiziert

CGRP, Calcitonin-Gen verwandtes Peptid
Das Protein Calcitonin Gene-Related Peptide CGRP (gelb) löst einen Vorgang im Gehirn aus, der als ein Faktor für Migräne gilt. Bildrechte: imago/Science Photo Library

CPRG wird im Körper sowohl im zentralen (Gehirn und Rückenmark) als auch im peripheren Nervensystem produziert. Bei ihrem Experiment injizierten die Forscher kleine Dosen des Proteins in die Dura mater, die äußerste Schicht der Hirnhaut von Nagern. Nur weibliche Tiere hatten danach Kopfschmerzsymptome. Eine ähnliche Schmerzreaktion beobachteten die Forscher in den Pfoten weiblicher Tiere, als sie dort CGRP injizierten. "Diese Reaktion zeigt, dass Frauen im gesamten Körper empfindlicher auf CGRP reagieren, nicht nur in der Hirnhaut", schreibt der Autor der Studie Prof. Dr. Greg Dussor von der zur Universität Texas gehörenden Dallas School of Behavioral and Brain Sciences.

Weibliches Phänomen

Dr. Greg Dussor
Dr. Greg Dussor in seinem Labor in der Dallas School of Behavioral and Brain Sciences. Bildrechte: UT Dallas / Ricardo Castrillón

Da männliche Nagetiere durch die Einbringung von CGRP in die Hirnhaut nicht beeinflusst wurden, legt die Studie laut Dussor nahe, dass eine schmerzauslösende Wirkung von CGRP in der Hirnhaut ein weibliches Phänomen ist. Die Gründe für die Häufigkeit von Migräne bei Frauen sind nach Ansicht des Neurowissenschaftlers dennoch vielschichtiger: "Obwohl CGRP eine klare Rolle bei Migräne spielt, bedeutet dies nicht, dass Migräne ausschließlich eine auf CGRP basierende Erkrankung ist." Ungeachtet dessen, so Dussor, sei die Studie jedoch ein erster Beleg dafür, "dass sich CGRP bei Frauen möglicherweise anders verhält" als bei Männern.

Dussors Kollege, Prof. Eugene McDermott, sieht das genauso: "Dies ist die erste Studie, die zeigt, dass CGRP sich je nach Geschlecht unterschiedlich verhalten könnte." Zudem zeige die Studie auch, "dass CGRP in der Hirnhaut eine schmerzbedingte Wirkung haben kann, was in der Literatur zuvor in Frage gestellt wurde."

FDA genehmigt drei Wirkstoffe

Tatsächlich hat die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA erst kürzlich drei therapeutische Wirkstoffe genehmigt, die das Protein CGRP blockieren. Eine weitere Hoffnung für Menschen, die unter Migräne leiden - der häufigsten neurologischen Erkrankung der Welt.s

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 18:00 Uhr