Corona-Forschung aktuell: 17. Dezember Corona: Das Paket der Maßnahmen bremst die Virusausbreitung

Was bringen Veranstaltungsverbote und wären generelle Schließungen von Geschäften verzichtbar im Kampf gegen das Virus? Epidemiologen haben nachgerechnet. Außerdem: Personal verbreitet Corona zwischen Pflegeheimen.

Schild Maskenpflicht am Zugang zur Fußgängerzone in der Innenstadt von Leipzig
In ganz Sachsen ist die Situation so schwerwiegend, dass eine generelle Maskenpflicht gilt. Bildrechte: imago images / foto-leipzig.de

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Corona

Fast 1.000 Menschen in Deutschland sind an nur einem Tag an Covid-19 gestorben und in Zittau muss die Triage angewendet werden. Derweil gibt es aus der Forschung täglich neue Erkenntnisse zu Covid-19, SARS-CoV-2 und den Folgen der Pandemie sowie ihrer Bekämpfungsmaßnahmen. MDR WISSEN verschafft Ihnen hier den Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

USA: Erste wildlebende Nerze mit Corona

Das US-Landwirtschaftsministerium hat zum ersten Mal bei wild lebenden Nerzen Corona festgestellt. Wie die BBC unter Berufung auf das Ministerium berichtet, sei das Virus bei einem Tier gefunden worden, das im Umkreis einer Nerzfarm im US-Bundesstaat Utah lebte. Die Farm war von SARS-CoV-2 befallen. Andere Wildtiere seien nicht befallen gewesen, hieß es in dem Bericht weiter.

Der Fund weckte neue Befürchtungen, dass von Nerzfarmen eine größere Gefahr in der Pandemie ausgeht. Anfang November war das Virus in mehreren Betrieben in Dänemark gefunden worden, wo es von Menschen auf Tiere und zurück übertragen wurde. Dabei war der Krankheitserreger auch mehrfach mutiert.

Geteiltes Personal verbreitet Corona in Pflegeheimen

Forscher haben untersucht, wie sich das Coronavirus trotz Besuchsverboten zwischen verschiedenen Pflegeheimen in den USA verbreiten konnte. Immerhin 40 Prozent der Covid-19-Todesfälle stehen mit solchen Einrichtungen in Verbindung. Laut der in PNAS erschienenen Studie sind dafür Angestellte und Subunternehmer verantwortlich, die in mehr als einer Einrichtung arbeiten.

Die Wissenschaftler werteten über 11 Wochen die Ortsdaten von 50 Millionen Mobiltelefonen aus. So entdeckten sie rund 500.000 Personen, die Pflegeheime auch nach dem seit Anfang März geltenden Besuchsversverbot weiter betraten und verließen. Etwa 5,1 Prozent dieser Personen betrat mehr als eine Einrichtung. Bei der Analyse der Daten konnten die Forscher so ein Netzwerk zwischen den Heimen rekonstruieren. Im Durchschnitt war eine Einrichtung so mit 7,1 weiteren Heimen verbunden.

Die Analyse zeige, dass, wo immer es möglich sei, personelle Verflechtungen zwischen Heimen gelöst werden und Personal nur an eine Einrichtung gebunden werden solle, so die Autoren der Studie. Da das aber nicht immer möglich sei, solle genau erfasst werden, welche Einrichtungen über Personal miteinander verbunden seien und die Teststrategien entsprechend angepasst werden.

Geschäftschließungen und Veranstaltungsverbote: Corona-Maßnahmen als Paket effektiv

Studierende sitzen vor dem Schreibtisch in den eigenen vier Wänden anstatt in der Universität. Sportfans dürfen nicht mehr in die Stadien und Arenen. Und geöffnet sind nur noch systemrelevante Geschäfte. Forschende aus Tschechien, Großbritannien, Australien und den USA haben sich die einzelnen Maßnahmen von 41 Ländern gegen die Verbreitung von Covid-19 genauer angeschaut. Besonderes Augenmerk wurde auf den Zeitraum zwischen 22. Januar und dem 30. Mai gelegt.

Die Autorinnen und Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass alle Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 beitragen. Zwar steige die Effektivität durch die generelle Schließung aller Geschäfte nur unwesentlich. Auch das Verbot von Veranstaltungen mit weniger als 10 Menschen sei geringer wirksam, als das Verbot von Events mit unter 100 beziehungsweise unter 1.000 Teilnehmern. Dennoch addierten sich alle Maßnahmen zusammen auf eine Effektivität von etwa 77 Prozent (die Spanne der Schätzung beträgt 67 bis 85 Prozent Effektivität).

Die Maßnahmen im Vergleich
Maßnahme Effektivität (95 % Prognose-Intervall) Intervall
Veranstaltungen über 1000 23 % 0 bis 40 %
Veranstaltungen über 100 34 % 12 bis 52 %
Veranstaltungen über 10 42 % 17 bis 60 %
Schließung einiger Geschäfte (Restaurant/Diskotheken) 18 % -8 bis 40 %
Schließung nicht-systemrelevanten Geschäfte 27 % -3 bis 49 %
Schließung von Schulen und Universitäten 38 % 16 bis 54 %
Generelle Ausgangssperre 13 % -5 bis 31 %

Schule
Schulen bleiben geschlossen, wie hier im Erzgebirge. Bildrechte: imago images / Bernd März

Eine generelle Ausgangssperre betrachten die Forschenden eher kritisch. Andere Maßnahmen reichen aus, um die Reproduktionszahl unter 1 zu drücken. Da sich die Studie auf die Zeit zwischen Januar und Mai bezieht, können auch Schlüsse für jetzt gezogen werden. Schließlich findet das Leben auch jetzt wieder vornehmlich drinnen statt, also dort, wo es die meisten Ansteckungen gibt.

Allerdings hat die Studie auch einige Schwächen: In Ländern mit eher älterer Bevölkerung haben Schul- und Universitätsschließungen geringere Wirkung als in im Schnitt jüngeren Ländern. Auch haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz nicht einbezogen.

Aktuelle Corona-Forschung

57 Kommentare

MDR-Team vor 19 Wochen

Hallo vhil,
an der Corona-Politik ist einiges kritikwürdig und wird von uns auch nicht "schöngeredet". Auch über Kritik an der Pflegepolitik berichtet der MDR (https://www.mdr.de/nachrichten/politik/gesellschaft/auszahlung-corona-pflege-bonus-mitteldeutschland-100.html). Ein weiteres Problem ist allerdings, dass sich Pflegekräfte bei der Arbeit nicht selten mit Covid-19 infizieren und dann ausfallen (https://www.mdr.de/nachrichten/panorama/ticker-corona-virus-donnerstag-zweiter-april-100.html). LG, das MDR-Wissen-Team

vhil vor 19 Wochen

Ich bin immer wieder überrascht, wie bereitwillig das Versagen der Regierungen schöngeredet wird. Ihrer Argumentation könnte ich unter normalen Umständen folgen, aber wir haben alles Andere als normale Umstände. Ich will mich ja nicht zuweit aus dem Fenster lehnen aber ich kann mir vorstellen, dass man mit Geld und gutem Willen in ein paar Monaten schon genügend Personal für diese zu erwartende Infektion fit machen kann. Dazu muss man nicht das gesamte Repertoire einer Pflegefachkraft beherrschen. Aussergewöhnliche Umstände erfordern aussergewöhnliche Massnahmen. Und man kann viel bewegen... wenn man es wirklich will.
Erinnern Sie sich bitte in zwei Jahren nochmal an die Diskussion und schaun Sie, ob es mehr Fachkräfte in den Kliniken gibt. Ich hab so eine Ahnung, wie es dann aussieht.

MDR-Team vor 19 Wochen

Hallo pepe79,
ein Risikofaktor bedeutet nicht, dass dieses Risiko auch in jedem Fall eintritt. Dennoch muss alles getan werden, um dieses Risiko möglichst zu minimieren. Darum ging es in der Antwort. LG, das MDR-Wissen-Team