Corona-Forschung aktuell: 9. Dezember Lockdown-Folgen: Englische Kinder leiden vermehrt an Depressionen

Monate andauernde Schulschließungen haben der psychischen Gesundheit von Kindern in England geschadet, zeigt eine neue Studie. Außerdem: Corona-Visiere schützen zu wenig vor Tröpfchen, wenn jemand niest.

Britische Grundschüler in Schuluniformen stehen mit Abstand in einer Reihe
Britische Grundschüler Anfang Juni, als die Schulen wieder öffneten: Die dreimonatigen Schließungen hätten sich sehr negativ auf die psychische Gesundheit von Kindern in England ausgewirkt, so eine neue Studie. Bildrechte: imago images / Xinhua

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Corona

Sachsen steht erneut vor einem harten Lockdown, den die Wissenschafts-Akademie Leopoldina für das ganze Land fordert. Aus der Forschung gibt es täglich Neuigkeiten zur Covid-19 und Sars-CoV-2. MDR WISSEN verschafft Ihnen hier den Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Visiere schützen nicht vor Niesern mit Corona-Viren

Japanische Physiker haben überprüft, ob Visiere aus Plexiglas ihre Träger ausreichend vor Tröpfchen und damit vor Corona schützen können. Ergebnis: Die Viren können über den oberen und unteren Rand des Schilds vorbei gelangen, wenn eine infektiöse Person in einem Abstand von einem Meter kräftig niest. Ursache dafür ist, dass die beim Niesen ausgestoßene Luft einen sogenannten Vortex-Ring erzeugt. Diese Verwirbelungen der Luftströmung transportieren die Tröpfchen mit hoher Geschwindigkeit zu den Rändern des Schilds. Bei einem Abstand von einem Meter zwischen Niesendem und Visierträger brauchen die Tröpfchen maximal eine Sekunde für den Flug. Atme der Visierträger zufälligerweise gerade zur gleichen Zeit ein, sauge er die Tröpfchen praktisch auf, schreiben die Forscher. In Ihrer Studie kündigen sie an, jetzt an sicheren Visieren zu arbeiten.

Studie zu Corona-Falschinformationen in den USA: Reinlegen lassen sich nur die anderen

Kommunikationswissenschaftler um Yang Cheng von der North Carolina State University haben eine Befragungsstudie mit 1.793 erwachsenen US-Amerikanern durchgeführt. Dabei wollten sie wissen, wie sehr die Teilnehmer von Corona-Falschinformationen betroffen sind. Eines der Kernergebnisse: Ein Großteil der Befragten war absolut überzeugt davon überzeugt, dass nur andere Menschen auf Falschinformationen über die Pandemie hereinfallen. "Das macht es extrem schwierig, Menschen in Medienkompetenz zu schulen, weil sie ja glauben, alle anderen bräuchten diese Schulungen dringender als sie", sagt Professor Cheng.

Ein weiteres Problem seien die starken, meist negativen Emotionen wie Wut und Angst, die die Falschinformationen bei den Befragten auslösten. Denn emotionale Botschaften würden in den sozialen Medien stärker verbreitet als etwa nüchterne, wissenschaftliche Studien. Ein Hoffnungsschimmer: Je stärker jemand glaube, Falschinformationen erkennen zu können, desto größer sei oft auch seine Zustimmung zu Maßnahmen der Regierung gegen Desinformation.

Erster Lockdown verstärkte Depressionen bei englischen Kindern

Der erste landesweite Lockdown in Großbritannien hat bei einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen in England zu einer deutlichen Zunahme von Symptomen einer Depression geführt. Wie Forscher um Duncan Aslte im Fachjournal "Archives of Disease in Childhood" berichten, bestätige die Befragung das, was Kinderärzte auf Basis persönlicher Beobachtungen zuvor bereits vermutet hatten. Glücksfall für die Wissenschaftler: Bereits vor der Pandemie hatten sie eine Studie zum Thema Resilienz in Erziehung und Entwicklung gestartet. Dadurch verfügten sie über Vergleichswerte zwischen Befragungen vor und während des Lockdowns.

Rund 168 Elternpaare, etwa 29 Prozent aller Teilnehmer, füllten die Online-Befragung während der Schulschließungen in Großbritannien aus, die von März bis Juni andauerten und damit extrem lang waren. Als die Forscher diese Daten mit denen der vorangegangen Befragungen verglichen, stellten sie einen Anstieg um etwa 70 Prozent bei Fragen fest, die auf depressive Symptome hindeuteten. So gaben die Eltern an, ihre Kinder seien lethargischer, hätten weniger Freude an Aktivitäten und dafür häufiger Gefühle von Traurigkeit und Leere gehabt. Der statistische Effekt sei moderat bis stark, schreiben die Wissenschaftler.

Sie schränken allerdings ein, dass die Stichprobe relativ klein und lediglich aus einer Region im Osten Englands stammt, daher wahrscheinlich nicht ohne weiteres auf andere Gegenden und Gruppen übertragbar sei. Der statistische Effekt bestand jedoch auch, wenn Faktoren wie sozioökonomischer Status, Alter oder Geschlecht berücksichtigt wurden.

Karen Street, Kinderärztin am Royal College of Pediatrics and Child Health, die nicht an der Studie beteiligt war, kommentierte die Ergebnisse so:

Die Studie bestätigt, was viele Kinderärzte beobachtet haben: Kinder erkranken nur selten an Covid-19, werden aber erheblich von den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beeinträchtigt. Das Royal College of Pediatrics and Child Health begrüßt daher das Bemühen der britischen Regierung, Schulen offenzuhalten. Es wäre auch gut, wenn die außerschulischen Aktivitäten und von Kindern und Jugendlichen so bald wie möglich wieder stattfinden könnten. Wir hoffen zwar, dass für viele Kinder eine Rückkehr zur Normalität auch eine Rückkehr ihres emotionalen Wohlbefinden mit sich bringt, wissen aber auch, dass die sozioökonomischen Auswirkungen der Pandemie für viele Familien noch viele Jahre andauern werden und dass das sekundäre negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Kinder haben wird. Eine schlechte psychische Gesundheit in Kindheit und Jugend bringt aber auch schlechte Ergebnisse im Bildungssystem und langfristige psychische Probleme. Deshalb ist es entscheidend, dass ausreichend in Gesundheit, Bildung und den Freiwilligensektor investiert wird, um die psychische Gesundheit der Kinder zu fördern, wenn wir uns von der Pandemie erholen.

Dr. Karen Street, Royal College of Pediatrics and Child Health

(ens)

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1 Kommentar

Kritische vor 11 Wochen

Da braucht man keine Studie und das betrifft nicht nur die englischen Kinder. Kinder und Jugendliche SIND die Verlierer der Pandemie. Zu beschulende und zu betreuende Objekte, die nur als Wirtschaftsfaktor zählen, wenn Eltern ausfallen. Maximal noch digitale Defizite werden gesehen. Ihre Seele und ihr Wohlbefinden ist nur selten Thema. Danke sagt auch keiner von den Omas und Opas, dass die Kinder auf Monate oder Jahre ihrer Kindheit verzichten, damit die Alten weiter in Gruppen ihr Bier trinken können. Diese gehen dann protestieren, weil sie beim Einkaufen einen MNS aufsetzen sollen. Die Kinder sollen sich doch nicht so haben. Wozu braucht man Schule, Freizeit, Sport und Freunde? Aber bitte auch nicht am Computer versauern, dann kommt wieder eine Studie, dass die Kinder doppelt so lange davor sitzen. Dass sich Kinder wie Kriminelle fühlen, weil sie mit Freunden spielen wollen und täglich Angst haben vor neuen Verboten, macht was mit ihnen.