Corona-Forschung aktuell: 7. Dezember Uni Halle: 80 Prozent wollen sich impfen lassen

Die Impfbereitschaft gegen Corona hängt davon ab, wie sehr Menschen dem Gesundheitssystem und den Medien vertrauen und wie gut sie sich informiert fühlen. Außerdem: Coronasicher Autofahren heißt, alle Fenster zu öffnen.

Ein Toyota Prius Hybrid des Evo Car Share Service, Vancouver
Toyota Prius im Einsatz bei einer kanadischen Car-Sharing-Firma: Forscher aus den USA haben simuliert, wie bei einer Autofahrt mit zwei Insassen das Corona-Übertragungsrisiko möglichst minimiert werden kann. Bildrechte: imago images / ZUMA Wire

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Corona

In Mitteldeutschland laufen die Vorbereitungen für Impfzentren an. Auch aus der Wissenschaft gibt es aktuell täglich Neuigkeiten zur Covid-19 und Sars-CoV-2. MDR WISSEN verschafft Ihnen hier den Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Corona-Risiko bei Autofahrt reduzieren: Alle Fenster runter und Abstand halten

Wie lässt sich das Corona-Ansteckungsrisiko bei einer längeren Fahrt in einem Auto reduzieren? Forscher aus den USA sind dieser Frage mit einer Computersimulation nachgegangen, die die Luftflüsse in einem Fahrzeug bei offenen und geschlossenen Fenstern nachstellte. Ergebnis: Am sichersten vor einer Ansteckung sind die maximal zwei Insassen des Autos, wenn alle vier Fenster heruntergelassen sind und die beiden Mitfahrenden soweit wie möglich auseinander sitzen. Das bedeutet, der Beifahrer sollte auf der Rückbank der Beifahrerseite Platz nehmen.

Dann entstehen durch den Fahrtwind zwei Luftkreisläufe im Auto, die ziemlich genau durch die Fahrzeugmitte getrennt sind, schreiben Varghese Mathai und seine Kollegen im Fachjournal Science Advances. So gelangten kaum Tröpfchen und damit auch kaum Viren von einem Mitfahrer zum anderen. Randnotiz: Entgegen der Intuition fließe die Luft im Auto bei geöffneten Fenstern von hinten nach vorne.

Da den Forschern klar war, dass es eine Autofahrt im Winter mit vier geöffneten Fenstern ziemlich ungemütlich ist, haben sie auch simuliert, was passiert, wenn die Fenster nach und nach geschlossen werden. Dabei zeigte sich: Sind alle Fenster oben und nur die Klimaanlage des Autos sorgt für frische Luft von außen, ist das Risiko einer Tröpfchenübertragung sehr hoch. Die Berechnungen gelten jedoch nur für ein Fahrzeugmodell, dass in etwa einem Toyota Prius entspricht. Schiebedächer und andere besondere Ausstattungen wurden bei der Simulation nicht berechnet.

Uni Halle: 80 Prozent wollen sich impfen lassen

Eine von Forschern der Martin-Luther-Universität durchgeführte Befragung zeigt eine hohe Bereitschaft, sich gegen Corona impfen zu lassen. Bei der Studie mit rund 2.000 Teilnehmern sagten 80 Prozent der Befragten, sie wollten sich gegen das Virus impfen lassen. Das sei deutlich mehr, als bei der Grippe, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Beitrag in der Fachzeitschrift "Applied Economics Letters". Einer Influenza-impfung stimmten nur 40 bis 68 Prozent zu. Die Forscher sehen einen statistischen Zusammenhang zwischen der Bereitschaft, sich gegen Corona impfen zu lassen und dem Vertrauen in Medien, staatlichen Gesundheitsinformationen und dem Gesundheitssystem in Deutschland. Wer ein hohes Vertrauen in die Institutionen hat, sei auch bereit, sich impfen zu lassen.

Die Befragung wurde bereits im Frühsommer durchgeführt. Je näher die Einführung einer Impfung rückt, desto höher werde aber auch die Unsicherheit. Der häufigste Grund für eine Ablehnung war, dass Befragte nicht genug über den Impfstoff wussten. Die hohe Geschwindigkeit bei der Entwicklung wecke Zweifel an der Qualität und Sicherheit der Impfstoffe, schreiben die Forscher Sven Grüner und Felix Krüger.

Je weiter die Entwicklung eines Impfstoffs voranschreitet, desto realistischer wird die Frage, ob man sich impfen lassen will oder nicht. Damit rücken auch mögliche Unsicherheiten stärker in den Fokus. Das sind legitime Bedenken, die von der Politik ernst genommen werden sollten. Über mögliche Risiken, Nebenwirkungen wie auch neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Impfungen muss transparent informiert werden.

Sven Grüner, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

(ens)

Aktuelle Corona-Forschung

8 Kommentare

Eulenspiegel vor 32 Wochen

Hallo Kritiker
Haben sie sich eigentlich schon ein mal Gedanken gemacht wie es möglich ist das 5 Minuten nach Schließung der Wahllokale die erste Hochrechnung im Fernsehen veröffentliche werden kann. Und dieses Ergebnis in der Regel biss auf wenige, wenn auch u. U. Wichtige Prozentpunkte das Endergebnis entspricht. Da gibt es eine Wissenschaft die nennt sich „ empirische Sozialforschung“. Die hat da einen Mikrozensus entwickelt der jedes Jahr weiterentwickelt wird. Da genügen z.B. bei Bundestagswahlen ein paar ausgezählte Stimmen um das Endergebnis ziemlich genau vorherzusagen. Und das kann man auch jedes mal überprüfen in dem man die erste Hochrechnung mit dem Endergebnis vergleicht.

Eulenspiegel vor 32 Wochen

Hallo wo geht das hin
Sie persönlich haben offensichtlich ein massives Misstrauen gegenüber Medien, staatlichen Gesundheitsinformationen und dem Gesundheitssystem in Deutschland.
Dies ist von mir von mir nicht rational nachvollziehbar aber es ist ihre Einstellung. Ich denke hier Problem ist es zu kapieren einzusehen das die aller meisten Bürger das ganz anders sehen als sie. Sie sind nun mal ein Angehöriger einer kleinen Minderheit.

MDR-Team vor 32 Wochen

@Auf der Sonnenseite des Lebens,
niemand geht Sie verbal an. Der Hinweis von der persönlichen/gefühlten Wahrheit nicht auf die Realität zu schließen ist immer ein wichtiger Baustein für eine konstruktive Diskussion. Nun zu den Fakten: Von 2.000 Befragten haben 80% angegeben, sich impfen zu lassen. Im MDR Meinungsbarometer gaben 39% der 19.900 Befragten an, sich direkt nach Markteinführung impfen zu lassen und 40% nach Langzeitstudien. Im ARD-Deutschlandtrend gaben 71% der 1.004 Befragten an, dass sie sich auf jeden Fall/wahrscheinlich impfen lassen. Nach eigenen Angaben ist lediglich die Befragungen von ARD-DeutschlandTrend repräsentativ.