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CoronaDrosten: Ende der Pandemie ist in Sicht

von Katrin Tominski

Stand: 14. Januar 2022, 18:56 Uhr

Volle Krankenhäuser, viele Tote, erschöpfte Pflegekräfte und eine riesige Omikronwelle – die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Doch es gibt Hoffnung. Der endemische Zustand sei nah, erklärte der Virologe Christian Drosten auf einer Pressekonferenz am Freitag.

Professor Christian Drosten ist zuversichtlich. Das Ende der Pandemie scheint in Sicht. Bildrechte: imago images/Jens Schicke

Der Virologe Christian Drosten sieht ein baldiges Ende der Pandemie. "Den endemischen Zustand werden wir bis Ende des Jahres erreicht haben, wir sind praktisch da", erklärte er in einer Pressekonferenz am Freitag. Nichtsdestotrotz sei die Lage aber noch komplex, er könne nur Doppelbotschaften senden. Denn auch wenn ein Ende der Pandemie in Sicht ist, sei es bis dorthin noch ein langer Weg.

Können wir das Virus laufen lassen?

"Wir werden nicht auf Dauer die gesamte Bevölkerung nachimpfen können, um damit den Gemeinschaftsschutz zu erhalten", erklärte Drosten. "Irgendwann muss das Virus in der Bevölkerung Infektionen setzen. Das Virus selbst muss die Immunität der Menschen immer wieder updaten." Das sei eine generelle Weisheit, daran könne niemand etwas ändern.

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Impflücken bremsen nahes Ende der Pandemie aus

Die Frage ist laut Drosten jetzt: Können wir das Virus in Deutschland laufen lassen? Südafrika zeige, dass dort der Prozess einer erworbenen Bevölkerungsimmunität schon weiter fortgeschritten sei. "Wir wissen aber nicht, ob wir uns das in Deutschland leisten können, angesichts der Impflücke", sagte Drosten. Über drei Millionen über 60-Jährige seien hier noch immer ohne Impfung und "wahrscheinlich ohne Infektion". Zudem hätten Studien gezeigt, dass für einen vollständigen Omikron-Schutz eine dritte Impfung notwendig sei. Dies mit eingerechnet seien in Deutschland in der gefährdeten Altersgruppe der über 60-Jährigen neun Millionen Menschen ohne Impfschutz.

Was bedeutet endemisch?

Der Punkt , ab dem das Virus zwar weiter zirkuliert und regelmäßig auftritt, doch wir gelernt haben, damit zu leben.

Kaum klinische Studien

Laut Drosten sei die "Impflücke tatsächlich das größte Hindernis", um das Virus in Deutschland laufen zu lassen. Wie sich dies auswirke, könne "kaum jemand voraussagen". Es gebe zwar ein paar klinische Studien, in denen einzelne Aspekte berechnet werden könnten. "Doch hier hört es wirklich auf", sagte Drosten. "Hier kann kein seriöser Modellierer noch irgendetwas voraussagen, hier befinden wir uns im Blindflug."

Das sei, erklärte Drosten, die schwierigste Doppelbotschaft.

Ja, das Virus muss irgendwann laufen. Doch vielleicht darf es das jetzt noch nicht.

Viele Infektionen bei Geimpften

Die zweitschwierigste Doppelbotschaft sei dem Virologen zufolge: "Es gibt relativ viele Infektionen bei Geimpften", erklärte Drosten. Es sei jedoch in keiner Weise "sinnlos", sich impfen zu lassen. Der Virologe verglich das Virus mit einem Auto im Off-Road-Gelände. "Die Immunität in der Bevölkerung ist für ein Virus so etwa wie ein unwegsames Gelände. Stellen Sie sich einen Sandweg vor, über den ein Auto fahren soll", sagte Drosten. "Es wäre falsch zu sagen, dass der Sandweg nicht existiert, also das nicht geimpft wurde." Der Sandweg bremse jedes Auto, die Impfung jede Virusvariante ab.

Bezüglich Omikron erklärte Drosten: "Wenn Sie genau hinschauen, stellen Sie fest, das neue Modell hat keinen größeren Motor, sondern breitere Reifen und kann deswegen besser durch das Gelände fahren. So müsste man sich Omikron vorstellen." Mit den Impfungen würde immer mehr Matsch auf den Sandweg transportiert, bis sich das Auto – auch das mit den breiten Reifen – nur noch ganz langsam bewegen kann. "Dann sind wir im endemischen Zustand", sagte Drosten.

Was muss jetzt passieren?

Im Sommer sei ein offenes gesellschaftliches Leben möglich, erklärte Drosten. Es werde aber trotzdem weiter Omikron geben, das sehe man an Südafrika. "Vielleicht wird uns das auch nicht so stark stören, wenn wir weiter immunisieren", sagte Drosten. Das Entscheidende sei jedoch die Frage, ob vor dem nächsten Winter genug Immunität erreicht sei. Drosten empfahl, ähnlich wie bei der Grippe, spätestens im Herbst eine Booster-Impfung für die älteren und gefährdeten Menschen.

Update-Impfung gegen Omikron

Dem Virologen zufolge muss zudem der aktuelle Impfstoff angepasst werden, da es sich bei Omikron mir großer Wahrscheinlichkeit um einen "anderen Serotyp" handle, also eine Variante mit anderen antigenen Eigenschaften, für die spezielle Antikörper nötig sind.

Große Teile der Bevölkerung werden wahrscheinlich im zweiten Quartal mit einer Update Omikron-Impfung immunisiert werden. Darauf müssen wir uns einstellen, das müssen wir vorbereiten.

Beide Immunitäten, sowohl gegen Omikron als auch und gegen bisherige Virusvarianten seien wichtig und würden sich überlappen. "Fest steht: Auf dem unwegsamen Sand- und Matschweg fährt jedes Virus langsamer als auf der Autobahn", sagte Drosten.

Virologe Stöhr sieht ebenfalls ein Ende der Pandemie

Auch der Virologe Klaus Stöhr erwartet, dass die Pandemie auf ihr Ende zusteuert. "Wenn der Sommer beginnt, wird auch die Pandemie weitestgehend vorbei sein", sagte er dem RBB. Corona-Infektionen lägen dann in einem akzeptablen Spektrum von Krankheiten und seien mit anderen Atemwegserkrankungen wie der Grippe vergleichbar. Diese Entwicklung sei laut Stöhr daran erkennbar, dass sich zwar immer mehr Menschen mit dem Virus infizieren, dies aber bereits entkoppelt von der Krankheitslast sei. Zudem verringere sich die Belastung in den Krankenhäusern schrittweise.

Virologe Klaus Stöhr erwartet, dass die Pandemie auf ihr Ende zusteuert. Bildrechte: imago images/teutopress

Stöhr hält es für wenig sinnvoll, die Kontakte weiterhin engmaschig nachzuverfolgen. "Wenn ein Großteil der Bevölkerung mild und asymptomatisch infiziert ist und Antikörper hat, wird eine sogenannte Kontaktnachverfolgungs-Quarantäne sinnlos", bekräftigte Stöhr. Der beste Weg aus der Pandemie sei eine Impfung und danach eine Infektion. Im "Paket" werde es dann einen langanhaltenden Immunschutz geben.