Covid-19 Corona: Höchste Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen

Die Theorie, dass sich derzeit vor allem junge Menschen mit dem Coronavirus infizieren, weil sie im Vergleich mit den alten viel seltener geimpft sind, verfestigt sich in den Infektionszahlen.

Ein Blick auf die letzten gemeldeten Wochendaten macht deutlich: Derzeit zirkuliert das Coronavirus mit Abstand am häufigsten in jüngeren Altersgruppen. Bei den Fünf- bis Neunjährigen bis hin zu den 20- bis 24-Jährigen lag die letzte 7-Tage-Inzidenz (im Wochenschnitt) bei mindestens 146.

"Spitzenreiter" sind die Gruppen zwischen zehn und 19 Jahren mit einer Inzidenz von 182 bzw. 172. Im Gegensatz dazu lag die Inzidenz in allen Altersgruppen über 60 Jahren bei 27 und weniger.

Die Gründe für diese Ungleichverteilung können vielfältig sein. Junge Menschen treffen sich wahrscheinlich öfter, zumal in mehreren Bundesländern die Schule wieder begonnen hat. Junge Menschen nehmen vielleicht auch (Achtung, Mutmaßung!) die Abstands-, Hygiene- und Maskenregeln nicht so ernst wie ältere. Vor allem aber, und das lässt sich mit Zahlen belegen, sind junge Menschen viel seltener geimpft als ältere.

Kinder unter zwölf Jahren werden nicht geimpft. Aber auch bei den etwas älteren Kindern und Jugendlichen ist die Impfquote äußerst gering. Nur reichlich 22 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen sind vollständig geimpft, immerhin ein Drittel hat die erste Dosis erhalten.

Bei den Erwachsenen unter 60 Jahren ist die Quote deutlich höher, fast zwei Drittel sind dort vollständig geimpft. Bei den noch Älteren (60 Jahre und älter) liegt diese Quote sogar bei knapp 83 Prozent. Wenn man so will, ist die Altersverteilung bei den Impfungen also ziemlich genau entgegengesetzt zu der bei den Inzidenzen.

Kann man daraus ableiten, dass sich nur noch Ungeimpfte infizieren? Nicht zu hundert Prozent. Aber größtenteils schon. In Schleswig-Holstein wurde das kürzlich landesweit verifiziert. Und da war die Inzidenz bei den Ungeimpften fast zwölfmal so hoch wie bei den Geimpften (104,2 vs. 8,8).

Zweite, dritte, vierte Welle

Mit der zweiten Welle im vergangenen Herbst und Winter lässt sich die aktuelle Situation nicht vergleichen. Die allerersten Impfungen gab es damals erst auf dem Höhepunkt der Welle. Ergebnis war, dass die Inzidenz bei den ältesten Menschen mit Abstand am höchsten war. (Diagramm-Lesehilfe: Je dunkler die Kurve, desto älter die Menschen.)

In der dritten Welle (Frühjahr 2021) änderte sich das Bild. Die meisten älteren Menschen waren inzwischen geimpft. Die höchsten Inzidenzen herrschten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Und in eine ähnliche Richtung, vielleicht sogar noch stärker, scheint die aktuelle Situation zu gehen. Kinder stehen nun mit an der "Spitze" der Inzidenz-Zahlen, und die Kurven der jungen und alten Altersgruppen scheinen schneller auseinanderzugehen. Dieses folgende Diagramm wird wöchentlich donnerstags oder freitags aktualisiert, man wird also beobachten können, ob sich der angedeutete Trend in der anstehenden vierten Welle fortsetzt.

Auswirkungen auch bei schweren Verläufen?

Seit Juli müssen alle Krankenhäuser (nicht nur die Intensivstationen) melden, wie viele Covid-19-Patienten sie aufnehmen. Daraus entsteht eine neue Kennzahl, die neben der Infektionsinzidenz Entscheidungsgrundlage für die Politik sein soll. Die Zahl gibt (analog zum Infektionsgeschehen) an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner mit Covid-19 ins Krankenhaus kamen. Etwas verwirrend dabei ist, dass auch diese Zahl eine 7-Tage-Inzidenz ist. Es gibt jetzt also zwei wichtige 7-Tage-Inzidenzen. Die neue nennen wir Krankenhaus-Inzidenz.

Im Diagramm wird deutlich, dass es bei älteren Menschen weiterhin mehr Covid-19-Krankenhausaufnahmen gibt. Ob die Unterschiede zwischen den Altersgruppen früher größer waren, lässt sich vermuten, mangels exakter früherer Daten aber nicht belegen. Auch dieses Diagramm wird in Zukunft wöchentlich aktualisiert.

Patienten sind jetzt deutlich jünger

Eines machen die aktuellen Daten sehr deutlich: Im Durchschnitt sind die Patienten (auch Intensivpatienten) von jetzt massiv jünger als in der Zeit, bevor es Impfungen gab. Verglichen mit dem Höhepunkt der zweiten Welle, ist das Durchschnittsalter bei Krankenhausaufnahmen um 23 Jahre gesunken (damals 71, jetzt 48). Intensivpatienten sind im Schnitt 18 Jahre jünger (damals 72, jetzt 56).
Einzig bei den an (oder mit) Covid-19 Verstorbenen lässt sich diese Tendenz derzeit nicht erkennen. Das Durchschnittsalter bleibt da bei etwa 80 Jahren.

Dieses Diagramm wird ebenfalls wöchentlich aktualisiert.

(rr)