Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
AntwortenVideosPodcastBildungKontakt
Bildrechte: imago images/MiS

Experten warnenSorgfalt statt Schnellschuss bei Corona-Impfstoff

Stand: 27. Mai 2020, 15:05 Uhr

Vermutlich ist die Forschung nach einem Impfstoff noch nie so aufmerksam verfolgt worden wie im Fall von Covid-19. Die Eile, mit der derzeit geforscht wird, birgt eine Gefahr, warnen Stimmen aus Medizin und Wissenschaft.

Über 120 Projekte laufen nach Angaben der Weltgesundheitsorganistaion gerade weltweit auf der Suche nach Heilmitteln und Impfstoffen gegen das Coronavirus Sars-Cov-2. Noch nie wurde die Forschung dabei so aufmerksam verfolgt wie im Fall der Erkrankung mit Covid-19. Die Eile, mit der derzeit geforscht wird, birgt eine Gefahr, warnen Stimmen aus Medizin und Wissenschaft auf dem medizinischen Fachportal JamaNetwork.

Wharp-Geschwindigkeit ist das falsche Signal

Soll das Vertrauen der Öffentlichkeit erhalten bleiben, dürften etablierte Sicherheitsstandards in der Entwicklung nicht dem Zeitdruck geopfert werden, mahnen die Medizinerin Brit Trogen, der Historiker David Oshinsky und der Bioethiker Arthur Caplan. Ein Seitenhieb auf US-Präsident Trump, der die Impfstoff-Entwicklung unter das Motto "Operation Warp speed" gestellt hat, einen fiktiven Geschwindigkeits-Begriff aus dem Science Fiction Genre.

Die drei schreiben in ihrem Artikel "Adverse Consequences of Rushing a SARS-CoV-2 Vaccine" ("Unerwünschte Folgen bei überstürzter Impfstoff-Entwicklung"): "Jede medizinische Therapie, die ohne umfassende Schutzmaßnahme zugelassen wird, kann auf mehreren Ebenen Schaden anrichten. Beim Covid-19-Impfstoff und dessen Wirksamkeit selbst, bei Geimpften, und schließlich dem Vertrauen der Öffentlichkeit weltweit in die Impfanstrengungen."

Das Autorentrio verweist auf einen Fall in der Geschichte, als 1955 in den USA ein Polioimpfstoff entwickelt, die Rezeptur ohne nennenswerte Kontrollen an fünf Firmen vergeben und der Impfstoff Millionen Schulkindern verabreicht wurde. Bekannt wurde das als der "Cutter Vorfall".

Hier lesen Sie eine wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 2006 über den sogenannten "Cutter Incident"

Einer der Hersteller verbreitete einen Impfstoff, der so stark mit lebenden Polioviren durchsetzt war, dass mehrere zehntausend Kinder Muskelschwächen entwickelten, 164 gelähmt wurden und zehn sogar starben. Als Konsequenz wurde eine breites Spektrum an Impfstoff-Tests entwickelt, um künftig Wirksamkeit und Sicherheit solcher Seren zu gewährleisten. Mit Blick auf diesen Fall aus der Impfgeschichte fordern Brit Trogen, David Oshinsky und Arthur Caplan:

Verzweiflung darf nicht dazu führen, dass wissenschaftliche und ethische Prinzipien ausgesetzt werden. Ärzte sollten keine unzulänglich überprüften Impfstoffe verabreichen; Forscher sie nicht ohne ausreichende Daten unterstützen. Die öffentliche Akzeptanz eines Impfstoffs hängt von überzeugenden Beweisen für seine Sicherheit und Wirksamkeit ab.

lfw