Tipps von Psychologen Gefühllos, apathisch – was hilft gegen Corona-Müdigkeit?

Corona, Corona, Corona. Ständig Maske tragen und Abstand halten. Was immer man einschaltet, mit wem man auch spricht, immer ist von Covid-19 die Rede. Leipziger Psychologen stellen eine zunehmende "Corona-Müdigkeit" fest.

Eine Frau mit Mund-Nasenschutz-Maske schaut nachdenklich auf den leuchtenden Weihnachstbaum im Wohnzimmer 3 min
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"Corona-Müdigkeit" - was heißt das überhaupt und viel wichtiger: Was hilft dagegen? Die Nachrichten sind voll von Corona-News und auch die Gespräche mit Familie und auf der Arbeit drehen sich fast immer um die Pandemie. Das weiß auch Arbeitspsychologe Prof. Dr. Hannes Zacher von der Universität Leipzig.

Es strömen sehr viele Informationen ein, aber diese Informationen ändern sich auch nicht so stark, also die Abwechslung fehlt. Und das zehrt an der Energie.

Prof. Dr. Hannes Zacher, Uni Leipzig

Er spricht deshalb von Corona-Müdigkeit, die sich zunehmend einstellt. Gerade alleinstehende und kranke Menschen, aber auch Familien nehme das mit. So beschreibt Zacher: "Wir merken, dass sehr starke Emotionen, also sehr starke Freude, aber auch sehr starker Ärger abgenommen haben, und es stattdessen eine gewisse Apathie oder Gefühllosigkeit gibt."

Stattdessen fühle man sich emotional ausgelaugt, aber auch geistig und physisch schlapp. Normalerweise bräuchten wir Ruhe oder Pausen, schließlich müssen wir unsere Batterien aufladen. Aber Urlaub, Kultur, Sport oder so etwas Aufmunterndes wie Weihnachtsmärkte fallen gerade weg. Und selbst die weihnachtliche Vorfreude ist gerade ziemlich gedämpft.

Wie Menschen über die Zukunft nachdenken, beeinflusst auch ihr Wohlbefinden und wenn so eine gewisse Perspektive fehlt oder die Aussichten nicht so rosig sind, dann drückt das natürlich auch auf die Stimmung.

Prof. Dr. Hannes Zacher

Wir halten also fest: Es ist völlig nachvollziehbar, wenn man sich gerade abgeschlagen fühlt. Das Schöne: Die Psychologie bietet Hilfe. Und zwar in Form der "Selektions-, Optimierungs- und Kompensationsstrategie". Psychologe Zacher erklärt die Strategie im Einzelnen.

Professor Hannes Zacher
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Selektion ist, dass wir uns erstmal überlegen: Was ist uns überhaupt wichtig und welche Ziele können wir abschreiben? Also zum Beispiel Skifahren in Österreich ist nicht mehr das sinnvollste Ziel, stattdessen sollte man diesem Ziel nicht zu lange nachtrauern, sondern sich überlegen, wie kann ich Ziele neu auslegen, neu priorisieren?

Prof. Dr. Hannes Zacher

Die Optimierungsstrategie bedeutet, die Restenergie zusammenkratzen und in die Ziele stecken, die neu priorisiert wurden, wie Zacher erklärt: "Also beispielsweise, dass wir sagen: In diesen Weihnachtsferien möchte ich im engsten Familienkreis etwas Schönes unternehmen."

Ziel: Wohlbefinden wieder steigern

Und am Ende wird kompensiert: Weihnachten im engsten Familienkreis, denn Kompensation heißt Hilfe und Hilfsmittel in Anspruch nehmen, beschreibt Zacher: "Zum Beispiel durch ein Programm, in dem ich mir überlege, welche Filme wir anschauen können, aber wie wir auch ausreichend nach draußen gehen können."

Das steigert tatsächlich das Wohlbefinden, konnten die Leipziger Psychologen in ihrer Forschung zeigen. Und vielleicht steigert es ja auch wieder die Vorfreude auf Weihnachten (oder auf Channuka oder auf Kwanzaa) und das trotz Corona-Müdigkeit.

(kd)

1 Kommentar

kleinerfrontkaempfer vor 46 Wochen

Wenn ein Mensch nichts mehr mit sich anzufangen weiß, nur noch dem Mainstream lauscht, dann ist es nicht weit her. Experten vor und hinten, in jeder Lebenslage. Schlagzeilen, Extrasendungen,....... muß man ja nicht an sich ranlassen. Soviel Eigenständigkeit sollte man Erwachsenen eigentlich zutrauen.

In einem Raum impoft eine Frau einen Mann, beide mit Mund-Nasen-Schutz. Im Hintergrund ein Fenster. Frau zum Arm des Manns gebückt, Perspektive leicht von unten.
Medizinisches Personal zuerst: Das galt auch in dieser Moskauer Klinik, als Anfang Oktober der umstrittene Corona-Impfstoff Sputnik-V geimpft wurde. Bildrechte: imago images / ITAR-TASS