Covid-19 - Impfung bereits im Herbst Coronavirus: Fortschritte bei der Suche nach Impfstoffen und Medikamenten

Forscher stehen auch in Deutschland kurz vor klinischen Impfstoff-Tests, in Leipzig soll ein Corona-Impfstoff mithilfe von Computern entwickelt werden und ein Schweizer Forscher sieht die Impfung schon im Herbst.

Reagenzgläser mit der Beschriftung COVID-19
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Update 28. Mai

Corona-Impfstoff: Auch in Dessau wird geforscht

Weltweit suchen Pharmaunternehmen nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Bei diesem Rennen macht auch eine mittelständische Firma aus Sachsen-Anhalt mit, die IDT Biologika, besser bekannt als Impfstoffwerk Dessau-Tornau. Es ist das einzige Unternehmen in Mitteldeutschland, das einen eigenen Corona-Impfstoff auf den Markt bringen will.

Update 27. Mai

Impstoff-Entwicklung: Sicherheit und Sorgfalt vor Schnellschuss

Vermutlich ist die Forschung nach einem Impfstoff noch nie so aufmerksam verfolgt worden, wie im Fall von Covid-19. Die Eile, mit der derzeit geforscht wird, birgt eine Gefahr, warnen Stimmen aus Medizin und Wissenschaft auf dem medizinischen Fachportal JamaNetwork. Soll das Vertrauen der Öffentlichkeit erhalten bleiben, dürften etablierte Sicherheitsstandards in der Entwicklung nicht dem Zeitdruck geopfert werden, mahnen die Medizinerin Brit Trogen, der Historiker David Oshinsky und der Bioethiker Arthur Caplan.

In ihrer Veröffentlichung erinnern sie an den Fall der Polioimpfung in den USA von 1955, die zu schweren Nebenwirkungen und Todelsfällen bei Kindern geführt hatte. Wharp-Geschwindigkeit, wie sie etwa US-Präsident Donald Trump fordert, sei daher der falsche Weg: "Die öffentliche Akzeptanz eines Impfstoffs hängt von überzeugenden Beweisen für seine Sicherheit und Wirksamkeit ab." Weltweit gibt es der WHO zufolge derzeit (Ende Mai 2020) 124 Impfstoff-Ansätze, die mit acht unterschiedlichen Technologien arbeiten, und alle an verschiedenen Stadien der Entwicklung und Erprobung stehen. Hier ein Blick auf den aktuellen Stand.

Pharmariese Merck mischt in Impfstoff-Forschung mit und schluckt Entwickler

Der Schweizer Pharmariese Merck mischt nun mit beim Kampf gegen Covid-19. Wie das Unternehmen mitteilte, arbeitet es an zwei verschiedenen Impfstoffen sowie einem Medikament, das die Vermehrung des Sars-Cov-2-Virus verhindern soll. Bei den Impfstoffentwicklungen basiert einer auf einem Ebola-Impfstoff des vergangenen Jahres. Merck arbeitet dabei mit der Organisation "International AIDS Vaccine Initiative (IAVI)" zusammen, die ursprünglich die HIV-Impfstoff-Forschung vorantrieb. Dieser Ansatz wird Merck zufolge von den USA mit 38 Millionen Dollar unterstützt.

Der zweite Impfstoff, an dessen Entwicklung Merck nun beteiligt ist, enthält eine geschwächte Version des Masern-Virus. Von dem weiß man, dass es vielen Krankheitserregern als Träger-Gen dienen kann, darunter auch dem Coronavirus. Für diese Forschung hat Merck den österreichischen Impfstoff-Hersteller Themis geschluckt. Themis, das Pasteur-Institut und die Universität Pittsburgh hatten im März von einer gemeinnützigen Organisation, der "Coalition for Epidemic Preparedness Innovations", 4,9 Millionen Dollar für die Entwicklung dieses Impfstoff-Ansatzes erhalten - im Rahmen der von US-Präsident Trump ausgelobten "Operation Warp Speed".

Update 22. Mai

Impfstoffe: Erste Tests an Menschen erfolgreich

Bereits im März haben in China und den USA erste klinische Studien begonnen, für die nun Ergebnisse vorliegen. So forscht die US-Firma Moderna an einem sogenannten mRNA-Impfstoff. Diese auch Boten-RNA genannten DNA-Stückchen funktionieren weder als Antikörper noch wie ein abgeschwächter Virus. Man kann sie sich eher wie eine Bauanleitung vorstellen, die dem Körper sagt, wie eine Coronaviren-Abwehr funktioniert. Bei den 45 Probanden hätten sich dem klinischen Test zufolge bereits nach zwei Wochen Antikörper gebildet. Bei einem Teil waren die Konzentrationen später so hoch, dass sie mit denen von genesenen Covid-19-Patienten mithalten konnten. Die Studie zeigt auch, dass bereits geringe Dosen zu einer Immunisierung führen könnten – wenn auch die weiteren Tests erfolgreich verlaufen.

Ein Team vom Beijing Institue of Biotechnology (Pekinger Institut für Biotechnologie) hat einen klassischen Ansatz gewählt und arbeitet an einem Impfstoff mit abgeschwächten Viren vom Typ Ad5-nCoV. Auch hier wurden Tests im März begonnen. Wie im Fachblatt The Lancet berichtet wird, seien die Ergebnisse nach den ersten 28 Tagen durchweg positiv. An den 108 Probanden sei festgestellt worden, dass die Impfung sicher und gut verträglich ist und dazu führt, dass Antikörper gebildet werden.  

Update 14. Mai

Frankfurter Forscher finden neue Wirkstoffe gegen das Coronavirus

- Wie SARS-CoV-2-Virus in den Zellen unseres Körpers genau funktioniert, war bisher noch unklar. Forscher der Universität Frankfurt/Main konnten dies nun mithilfe von Zellkulturen untersuchen - und kommen damit einem Medikament näher. Dank einer neuen Methode, die die Frankfurter erst Anfang des Jahres entwickelt haben, konnten sie erstmals beobachten, was bei einer Infektion mit den Proteinen in einer Zelle passiert. Sie haben das gewissermaßen live beobachtet in einem Zellkultur-Modell - also in gezüchteten, aber echten menschlichen Zellen.

Update 24. April

Wirkstoff Remdesivir fällt bei Studie durch

- Bei der Suche nach einem Mittel gegen das neue Corona-Virus gibt es offenbar einen Rückschlag. Wie die "Financial Times" berichtet, ist der Wirkstoff Remdesivir bei einer klinischen Studie durchgefallen. Demnach gelang es nicht, den Gesundheitszustand der Covid-19-Patienten zu verbessern. Das Blatt berichtet, bei dem Test in China seien 158 Infizierte mit Remdesivir behandelt worden, während eine kleinere Kontrollgruppe das Mittel nicht erhalten habe. Nach einem Monat seien in beiden Gruppen rund 13 Prozent der Probanden gestorben. Der Hersteller des Wirkstoffs wies die Darstellung zurück. Die Studie sei wegen geringer Beteiligung vorzeitig beendet worden.

Update 20. April

Erster Impfstoff bereits im Herbst?

Martin Bachmann
Virologe Martin Bachmann (vorn) und sein Team. Bildrechte: MDR/ Screenshots SRF/ Sacha Ercolani

Haben wir schon im Herbst einen Impfstoff gegen Covid-199? Schweizer Forscher halten das für möglich. Der Immunologe Martin Bachmann vom Universitätsspital Bern hat nach eigenen Angaben einen geeigneten Impfstoff-Kandidaten gegen Corona entwickelt. Er könnte nach erfolgreichen Prüfungen möglicherweise noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen. Die Aufsichtsbehörde Swissmedic bestätigte Gespräche mit Bachmann und anderen Forschern, die an Wirkstoffen gegen Sars-CoV-2 arbeiten.

"Der Zeitplan ist äußerst optimistisch, aber er ist nicht komplett an den Haaren herbeigezogen", sagte Swissmedic-Sprecher Lukas Jaggi der Deutschen Presse-Agentur. "Angesichts der Dringlichkeit, die die Coronavirus-Pandemie mit sich bringt, sprechen wir beim Zulassungsverfahren von Wochen, nicht von Monaten." Wenn alle Zulassungsvoraussetzungen erfüllt würden, sei eine Entscheidung vor Ende des Jahres möglich. Eine erste kleine Erprobung am Menschen - eine sogenannte Phase-I-Studie - soll Bachmann zufolge im Juli starten. An nur wenigen Teilnehmern wird dabei zunächst die Sicherheit und allgemeine Verträglichkeit getestet.

Wir halten uns an alle Auflagen, wir beschleunigen die Prozesse nur.

Martin Bachmann, Universitätsspital Bern

Erste Klinik-Studie zu Impfstoff in Deutschland

Das Paul-Ehrlich-Institut hat die erste klinische Untersuchung eines Coronavirus-Impfstoffs in Deutschland zugelassen. Das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel teilte mit, BioNTech aus Mainz könne jetzt seinen Wirkstoff an gesunden Freiwilligen testen. Laut Institut ist diese die weltweit vierte genehmigte klinische Studie, die einen möglichen Coronavirus-Impfstoff an Menschen testet.

Update 17. April

Leipziger Humboldt-Professor will Corona-Impfstoff mithilfe von Computern entwickeln

Humboldt-Professor Jens Meiler setzt bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs auf die Hilfe von Computern. Die computergestützte Impfstoffentwicklung ist noch ein relativ junges Feld, erläutert der Biochemiker von der Universität Leipzig. "Meine Forschung setzt an der Struktur von Proteinen an der Virusoberfläche an", erläutert Meiler. "Diese Spikes, mit denen das Coronavirus immer abgebildet ist, das sind Proteine, die das Virus benötigt, um in den menschlichen Körper einzudringen." Das menschliche Immunsystem wiederum könne Hundertausende Antikörper herstellen, die an ihrer Oberfläche alle verschieden aussehen. Meilers Team ist mithilfe der Computer auf der Suche nach den Antikörpern, die am besten an diese Spikes binden können und das Virus so unschädlich machen.

Illustration SARS-CoV-2
An die "Spike-Proteine" sollen die Antikörper binden und das Virus so unschädlich machen. Bildrechte: Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAMS

Dazu untersucht das Team das Blut von geheilten Corona-Patienten und sequenzieren Hunderttausende Antikörper. Die effektivsten Antikörper könnten schon im Sommer oder Herbst als therapeutische Antikörper eingesetzt werden, da sie schneller als ein Impfstoff zur Verfügung stehen werden, erläutert Meiler. Die könnten zmindest bei einer akuten Infektion helfen. "Schon jetzt werden ja Versuche mit dem Blutplasma Genesener durchgeführt. Das ist die gleiche grundsätzliche Idee – neutralisierende Antikörper im Blutplasma der Genesenen neutralisieren das Virus im Patienten", so Meiler.

Der Computer zeige den Forschenden den Wirkmechanismus: Die Forschenden geben die Struktur der Antikörper ein und der Rechner sagt, wie sie an das Corona-Oberflächenprotein binden. Mit diesem Wissen können sie am Computer Impfstoffe designen, sagt Meiler.

Dazu arbeiten wir nur mit einem kleinen Teil des viralen Proteins, dem Teil, an dem der neutralisierende Antikörper bindet, das sogenannte Epitope, um später bei der Impfung das menschliche Immunsystem auf diese Stelle zu fokussieren.

Diesen Protein-Teil modifizieren sie dann so, dass der Körper das Endgebilde für ein richtiges Virus hält und entsprechend Antikörper bildet. Ein Prozess, der vieler Schritte bedarf, so Meiler. "Computergestütztes Wirkstoffdesign löst das Problem nicht allein. Es kann aber viel zur Lösung beitragen." Doch trotz aller weltweiten Anstrengungen könne mit einem Impfstoff nicht vor Frühjahr 2021 gerechnet werden, schätzt der Humboldt-Professor.

Prof. Dr. Jens Meiler Der Bioinformatiker und Chemiker Jens Meiler ist Humboldt-Professor an der Universität Leipzig. Die Forschungsgruppe um Meiler arbeitet noch
hauptsächlich an der Vanderbilt University in Nashville, USA. An der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig befindet sich sein neues Institut für Wirkstoffentwicklung derzeit im Aufbau mit dem Ziel, vor Ort Forschungsgruppen zu etablieren, die ähnliche Fähigkeiten haben.

In Kürze erste klinische Impfstoff-Tests in Deutschland

- Die Chefs der zuständigen Bundesbehörden für Arzneimittel und Impfstoffe sehen rasche Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2. Bei der Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Freitagmorgen sagte Klaus Cichtek, Impfstoffe seien kein Traum. Ein erster klinischer Test in Deutschland werde in Kürze beginnen, so der Chef des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts. Weltweit seien derzeit vier Impfstoffe in der klinischen Testung, insgesamt gebe es 50 bis 60 Impfstoffprojekte. "Wir brauchen mehrere Impfstoffe, denn ein Hersteller allein wird die Nachfrage nicht befriedigen können. Außerdem brauchen wir verschiedene Sorten, weil sie unterschiedliche Eigenschaften haben werden", sagte Cichutek.

Er betonte, ein Impfstoff müsse spezifisch gegen Sars-CoV-2 wirken, das sei ein echter "Gamechanger". Außerdem müsse er verträglich sein. "Wir wollen bestimmte Phasen der klinischen Prüfung komprimieren und gezielt darauf hinführen." Es sei aber nicht die Zulassung, die lange dauert, sondern die Entwicklung der Impfstoffe, die Zeit benötige.

Auch bei Medikamenten gebe es Fortschritte. Karl Broich vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erwartet erste Ergebnisse zum Wirkstoff Remdesivir in den kommenden drei Monaten. Aktuell laufen in Deutschland drei klinische Studien zu dem Medikament, das ursprünglich gegen das HI-Virus entwickelt wurde. Wenn die Daten erfolgreich seien, erfolge eine europaweite Zulassung. Auch Chloroqine befänden sich derzeit in der Prüfung, so Broich.

Update 25. März

Passive Impfung als Behandlungsmöglichkeit

In Wien nimmt man zur Zeit die alte Idee der Immuntherapie zur Hand: Mit Antikörpern von Corona-Patienten, die die Krankheit überstanden haben, soll schweren Fällen geholfen werden können. "Die Antikörper haben bereits bewiesen, dass sie effizient sind. Denn der ursprüngliche Infizierte ist zu einem gesunden Plasmaspender geworden", sagt Thomas Kreil vom Pharmaunternehmen Takeda. In neun bis 18 Monaten könnte das Mittel verfügbar sein, im Rahmen klinischer Studien möglicherweise schon früher.

Update 23. März

Klinische Tests für Medikamente um Impfstoffe

In Europa beginnen klinische Tests zur Behandlung von Covid-19. Die staatliche französische Forschungseinrichtung Inserm teilte mit, bei den Versuchen an rund 3.200 Personen würden vier Mittel eingesetzt, darunter das bei Ebola verwendete Remdesivir. Die mit dem Corona-Virus infizierten Testpatienten kämen unter anderem aus Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Spanien. Der Generaldirektor im französischen Gesundheitsminiserium, Salomon, erklärte, die Medikamente würden unter strikter Aufsicht getestet. Neben Europa testet auch die Weltgesundheitsorganisation Mittel, die gegen die neue Lungenkrankheit helfen könnten.

Erster Impfstoff in Deutschland im Herbst?

Im Rahmen einer Studie könnten Zehntausende Deutsche bereits im Herbst einen Impfstoff erhalten. "Wenn die Daten gut sind und die Behörden ihr Okay geben, können wir noch dieses Jahr eine größere Studie starten", so der amtierende Chef des Tübinger Biotechunternehmens Curevac, Franz Werner Haas, am Wochenende gegenüber der Wirtschaftswoche. "Wann der Impfstoff für die breite Masse verfügbar ist – ob noch dieses Jahr oder erst 2021 – hängt vom Ausgang der klinischen Studie und der Entscheidung der Zulassungsbehörden ab."

Erste Tests möglicher Impfstoffkandidaten haben in der vergangenen Woche in den USA an Freiwilligen begonnen. Dort leitet das Kaiser Permanente Institute in Seattle die Tests mit dem Mittel mRNA-1273 an 45 Patienten. China erlaubte dem Unternehmen CanSinoBIO die klinischen Tests ihres Mittels Ad5-nCoV, die mit 108 Testpersonen am Tongji Hospital in Wuhan durchgeführt werden.

Update 21. März - Möglicher Übergangs-Impfstoff gegen Corona

- Forscher vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin haben am Freitag einen neuen potenziellen Impfstoff vorgestellt. VPM1002 wurde ursprünglich im Kampf gegen Tuberkulose entwickelt. Der Impfstoffkandidat enthält abgeschwächte Tuberkuloseviren. Studien an Mäusen zeigen, dass er aber auch Virusinfektionen wie Covid-19 deutlich abschwächen könnte, weil er das Immunsystem aktiviert. VPM1002 wäre wahrscheinlich kein vollumfänglicher Impfschutz gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2. Er könnte aber als sogenannter Bystander funktionieren, also als unterstützendes Mittel. Die Wissenschaftler glauben, dass VPM1002 besonders gefährdete Gruppen wie alte Menschen oder Mitarbeiter des Gesundheitssystems lange genug schützen könnte, bis ein vollumfänglicher Impfstoff gegen Corona entwickelt und zugelassen ist. VPM1002 wird aktuell in einer Phase-III-Studie in Indien gestestet. Sie soll im Sommer abgeschlossen sein.

Update 19. März - Malaria-Prophylaxe-Mittel gegen Corona-Erkrankungen

Das Tübinger Institut für Tropenmedizin will ab kommender Woche das Malaria-Medikament Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen testen. Auch in China und Italien sind den Tübinger Tropenmedizinern zufolge viele Covid-19 Patienten mit Chloroquin behandelt worden. Es sei aber noch unklar, ob mit Erfolg, sagte Institutsdirektor Peter Kremsner. Auch aus Frankreich sei bekannt geworden waren, dass Chloroquin bei Corona-Erkrankungen helfen könnte, daher werde es nun auch in Deutschland getestet, sagte Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut im Gespräch mit der ARD: "Wir müssen weitere Studien abwarten, die auch in Deutschland durchgeführt werden."

Wie sieht das konkret aus? Sobald der Antrag durch die Tübinger Ethikkomission genehmigt ist, wollen die Mediziner eine moderat an Covid-19 erkrankte Testgruppe mit Chloroquin behandeln, eine Kontrollgruppe erhält Placebos. Gesundheitsminister Spahn zufolge sind beim Hersteller des Medikaments, dem Chemiekonzern Bayer, größere Mengen des Malaria-Prophylaxe-Mittels reserviert worden.

Update 16. März - Deutscher Impfstoffhersteller lehnt US-Angebot ab

Nach Berichten, dass sich die USA die Corona-Impfstoffentwicklung eines Deutschen Herstellers exklusiv sichern wollten, hat jetzt auch der Haupteigner der Firma, der deutsche Milliardär Dietmar Hopp, reagiert. Nach Angaben des Manager Magazins erklärte er: "Wenn es uns hoffentlich bald gelingt, einen wirksamen Impfstoff gegen das Corona-Virus zu entwickeln, soll dieser Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können." Hopp hält über eine Biotech Holding 80 Prozent der Anteile an der Firma CureVac, die im Jahr 2000 an der Univerität Tübingen gegründet wurde.

Update 15. März - Coronavirus geklont

Kanadische Forscher haben nach eigenen Angaben zum ersten Mal das Coronavirus Sars-CoV-2 geklont. Klingt gefährlich, ist aber in Wirklichkeit ein Riesenfortschritt, da mit diesen immer wieder reproduzierbaren Viruskopien Impfstoffe oder Heilmittel getestet werden können. Die Ergebnisse, so die Mitteilung, sollen der gesamten Welt zur Verfügung gestellt werden. "Unter dem Gesichtspunkt des Gesamtbildes ist es entscheidend, ein Virusisolat zu haben, das mit anderen Labors geteilt werden kann, um andere Experimente durchzuführen", sagte Robert Kozak von der University of Toronto. Damit, so Kozak weiter, sei es möglich, "die Entstehung der Krankheit zu untersuchen und antivirale Medikamente zu testen, damit wir uns der Entwicklung von Therapien zuwenden können".

Für die Arbeit hatte sich ein Team von Forschenden aus drei Einrichtungen zusammengetan - dem Sunnybrook Health Science Center, der McMaster University und der University of Toronto. Als Ausgangspunkt nutzten sie die Viren von zwei kanadischen Infizierten.

Zwei Männer und dazwischen eine Frau - kanadische Wissenschaftler haben das Coronavirus geklont
Die kandischen Forscher, die Sars-CoV-2 geklont haben: Dr. Robert Kozak, Dr. Samira Mubareka, Dr. Arinjay Banerjee Bildrechte: Sunnybrook

Update 13. März - Ebola-Medikament wird in Deutschland eingesetzt

Die Düsseldorfer Uni-Klinik (UKD) setzt zurzeit "in ausgewählten Einzelfällen" antivirale Medikamente ein, die für die Behandlung von Coronavirus-Patienten noch nicht zugelassen sind. Dazu gehöre das gegen Ebola entwickelte Medikament Remdesivir, das derzeit nur direkt über den Hersteller nach Einzelfallprüfung zur Verfügung gestellt werde, teilte die Uni-Klinik am Donnerstagabend mit. RKI-Chef Lothar Wieler sagte, er sei optimistisch, dass mit dem Mittel eine Verbesserung erzielt werden könne. Remdesivir sei eines von mehreren Medikamenten, dessen Wirksamkeit demnächst in drei deutschen Kliniken erprobt werde.

Grünes Licht für Test in den USA

Die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat nach Angaben von Gesundheitsminister Alex Azar grünes Licht für erste klinische Tests eines potenziellen Impfstoffs gegen das Corona-Virus gegeben. Das sagte Azar nach einem Besuch des Nationalen Gesundheitsinstituts in Bethesda (Maryland) mit US-Präsident Donald Trump und dem Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten (NIAID), Anthony Fauci.

Fauci betonte, damit ändere sich nichts am bisherigen Zeitplan für einen möglichen Impfstoff. "Der ganze Prozess wird mindestens ein oder eineinhalb Jahre dauern." Der NIAID-Direktor war von vornherein von diesem Zeitrahmen ausgegangen. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen gegen Covid-19.

Donald J. Trump, Anthony Faucil und Alex Azarr treffen auf der Wiese vor dem Weisen Haus zuammen.
US-Präsident Donald Trump (Mi.), NIAID-Direktor Anthony Fauci (li.) und US-Gesundheitsminister Alex Azar (re.). Bildrechte: imago images/MediaPunch

Erste Tests in Deutschland im Laufe des Jahres

Auch in Deutschland arbeiten Forscher an einem wirksamen Corona-Impfstoff, koordiniert vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). "Durch die Forschungen an einem MERS-Impfstoff, ebenfalls ein Coronavirus, haben wir eine gute Grundlage für diese Arbeiten", erklärt Prof. Stephan Becker, Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs "Neu auftretende Infektionskrankheiten".

Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, erwartet erste klinische Tests mit Impfstoffen gegen das neue Corona-Virus im Laufe des Jahres. Allerdings dauere eine Impfstoffentwicklung sehr viel länger als ein Diagnosetest, sodass diese Maßnahme für die aktuelle Ausbruchsphase zu spät komme, wie DZIF-Forscher Becker ausführt.

Hoffnung ruht auf passiver Immunisierung

Zusätzlich suchen die Wissenschaftler weiterhin nach einem wirksamen Medikament gegen die Krankheit. Hier könnte das sogenannte Rekonvaleszentenserum - auch passive Immunisierung genannt - ein Schlüssel sein: Dabei werden Antikörper von Corona-Infizierten gewonnen und im Labor angereichert. Der Vorteil dieser Methode liegt laut einer Studie, die im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, in der hohen Wirksamkeit. Allerdings ist die Produktion teuer und kann normalerweise nur bei Infizierten mit schwerem Krankheitsverlauf genutzt werden.

Weitere Hoffnung ruht auf dem Medikament "Remdesivir" des US-Pharmakonzerns Gilead. Ursprünglich wurde es gegen Ebola entwickelt, hat aber in Tierversuchen auch gegen SARS und Mers-CoV gewirkt. Es nutzt die Wirkweise, die RNA-Viren zur Vervielfältigung ihres Erbgutes benötigen. Ein Covid-19-Patient, der mit Remdesivir behandelt wurde, zeigte bereits einen Rückgang der Symptome, wie eine Studie aus dem "New England Journal of Medicine" nachwies. NIAID-Direktor Anthony Fauci schränkte jedoch ein, dass noch genügend verlässliche Daten fehlten.

cdi/gp

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