Britische Studie Neun Wege gegen die Demenz

Demenz ist eine tückische Krankheit. Je älter die Menschen werden, desto höher die Chance zu erkranken. Eine neue britische Studie zeigt jetzt neun Wege, wie das Risiko deutlich gesenkt werden kann.

Die Zahl der Demenzerkrankungen wie Alzheimer kann weltweit um ein Drittel gesenkt werden. Das behaupten Wissenschaftler vom University College London in ihrer aktuellen Studie, die jetzt im Magazin “The Lancet“ veröffentlich wurde. Dazu müssten aber konsequent die Risiken minimiert werden. Das Team um die Medizinerin und Psychiaterin Prof. Gill Livingston hat insgesamt neun Risikofaktoren ausgemacht und deshalb entsprechende Handlungsempfehlungen herausgegeben.

  • Schule mindestens bis 15 - und auch danach sollte das Lernen nicht aufhören. Denn, wer sein Gehirn trainiert, der tut damit etwas gegen Demenz. Selbst wenn dadurch die Krankheit nicht aufgehalten werden kann, so können die Auswirkungen begrenzt werden. Das haben auch Forscher am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften mit ihren Untersuchungen gezeigt.
  • Soziale Kontakte pflegen - Isolation ist ein großes Risiko, so die Forscher. Denn auch sie bedeutet meist geringere Gehirnaktivitäten und damit eben ein höheres Risiko für Demenzerkrankungen.
  • Aktiv bleiben - Man muss kein Leistungssportler werden, aber Sport und Bewegung helfen. Das haben auch US-Forscher 2014 in einer Studie nachgewiesen. Drei Mal pro Woche 30 Minuten mäßige bis leichte Bewegung reichen bereits.

  • Depressionen unbedingt behandeln - Depressionen gelten als mögliches Frühsymptom für Alzheimer. Denn sie können beide mit strukturellen Veränderungen im Gehirn in Verbindung stehen. Eine niederländische Studie hatte bereits 2008 einen deutlichen Zusammenhang nachgewiesen, dass Menschen mit Depressionen 2,5 Mal so häufig an Demenz erkranken.
  • Blutdruck senken - “Bluthochdruck, da denken die Menschen natürlich zuerst an ihr Herz und die Durchblutung“, so Gill Livingston im Interview mit der BBC. “Aber das betrifft auch das Gehirn. Und Menschen mit besserer Durchblutung sind weniger anfällig für Demenz.“
  • Übergewicht reduzieren - Mehrere Studien haben in den vergangenen Jahren den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Demenz hergestellt. Auch darauf berufen sich die Forscher des University College. Zwei 2015 und 2017 veröffentlichte Untersuchungen sähen jedoch Zweifel an dieser Aussage. Denn sie behaupten, dass mehr Kilo nicht mehr Demenz-Risiko bedeuten

  • Diabetes 2 vermeiden - Selbst wenn Übergewicht möglicherweise das Demenzrisiko nicht erhöht, so hat es doch jede Menge andere negative Effekte. Einer davon: Diabetes. Und Menschen mit Diabetes Typ 2 haben ein vierfach höheres Risiko einer gefäßbedingten Demenz und ein 1,5 bis 2-Mal so hohes Risiko von Alzheimer, so die Deutsche Diabetesgesellschaft.
  • Nicht rauchen - Entgegen anderer Behauptungen schützt Rauchen mit enorm großer Wahrscheinlichkeit nicht vor Demenz. Zehntausende Menschen wurden z.B. bei Studien in den USA oder den Niederlanden auf den Zusammenhang zwischen Rauchen und Demenz untersucht. Das Demenzrisiko bei Rauchern war dabei bis zu doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern.
  • Hörverlust kompensieren - "Menschen, die ihr Gehör verlieren, leiden doppelt so häufig an Demenz“, erklärte Gill Livingston. “Wir wissen nicht hundertprozentig warum das so ist. Aber Tieruntersuchungen zeigen: Wenn Tiere ihr Gehör verlieren, schrumpft ihr Gehirn. Und wir vermuten, dass das auch bei Menschen passiert.“

Über dieses Thema berichtete der MDR MDR AKTUELL im Radio | 13.03.2017 | ab 05:51 Uhr
LexiTV | 21.09.2016 | 15.00 Uhr