Eine schwangere Frau hält sich den Bauch
Bildrechte: colourbox.com

Genschere CRISPR/Cas9 Forscher reparieren Gendefekt an lebendem Embryo

Die Frage, ob Designer-Babys möglich sind, ist jetzt auch praktisch beantwortet. Forscher in den USA haben erstmals bei einem lebenden Embryo einen Gendefekt korrigiert. In Deutschland sind solche Versuche verboten.

Eine schwangere Frau hält sich den Bauch
Bildrechte: colourbox.com

Die Nachricht geisterte seit Tagen durchs Netz: US-Forscher der Uni Portland sollen Genveränderungen an einem menschlichen Embryo vorgenommen haben. Heute nun kam die Bestätigung. Shoukhrat Mitalipov und sein Team von der Oregon Health and Science University in Portland haben bei menschlichen Embryonen einen Gendefekt behoben. Mit Hilfe der Genschere Crispr-Cas9 korrigierten sie eine Mutation, die zu Herzmuskelverdickung (Hypertrophe Kardiomyopathie) führt. Dabei gelang es ihnen nach eigenen Angaben, andere Erbgut-Teile nicht zu schädigen, wie sie im Fachmagazin “Nature“ schrieben. Mit dem Verfahren, so die Forscher, könne man eines Tages tausende Erbkrankheiten verhindern.

So gingen die Forscher vor

Für ihre Versuche injizierten die Forscher Spermien, die die Erbgutmutation besaßen, in gesunde Eizellen. Mit der Genschere CRISPR/Cas gelang es ihnen danach, den Erbgut-Doppelstrang an der mutierten Stelle aufzuschneiden. Insgesamt 58 Embryonen entwickelten sich nach der Befruchtung. Bei 42 von ihnen – das sind knapp drei Viertel – gelang es den Wissenschaftlern, die krankhafte Mutation zu entfernen. Die Versuche blieben auf das Laborstadium beschränkt. Keine der Eizellen wurde in eine Frau eingesetzt.

Wir müssen reden!

Die US-Forscher sind damit die ersten, denen solche Eingriffe an lebenden Embryos gelungen sind. Und das stößt die Debatte ganz neu an. Denn in Deutschland sind solche Versuche zwar verboten aber nicht aus ethischen Gründen, so Jochen Taupitz, der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates gegenüber "3sat/nano“.

Der Gesetzgeber bezieht sich ausschließlich auf das Misserfolgsrisiko. Also darauf, dass man nicht weiß, was man anrichtet bei den zukünftigen Kindern.

Jochen Taupitz, Deutscher Ethikrat

Sollte mit CRISPR/Cas also wirklich eine Heilung von Krankheiten im Embryo möglich sein, dann dürfte auch in Deutschland die Debatte neu beginnen. Dass diese Diskussion dringend nötig ist, hatte Prof. Jörg Hacker, der Präsident der Wissenschaftsakademie Leopoldina, bereits im vergangenen Jahr im Interview mit MDR Wissen gefordert (siehe Video). 

Wissen

Prof. Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle, im MDR-Interview 13 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Genom-Editing mit CRISPR/Cas Neue Gene, neue Medizin

Neue Gene, neue Medizin

Eine neue Medizin - das erhofft sich Prof. Jörg Hacker, der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle, vom sogenannten Genom-Editing.

Di 16.08.2016 17:04Uhr 12:56 min

https://www.mdr.de/wissen/video-40196.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Bei Mitgliedern des Deutschen Ethikrats stieß die Arbeit auf ein geteiltes Echo. Der Vorsitzende Peter Dabrock spricht gegenüber dpa von “unseriösen Heilsversprechungen“. Dagegen sagt Medizinethikerin Claudia Wiesemann von der Universitätsmedizin Göttingen, die Studie zeige, dass die Technik unter Umständen praktikabel sein könne. Ob dies wünschenswert sei, hänge vom Einzelfall ab.

Das Team um Shoukhrat Mitalipov will jetzt die Verfahren zur Genom-Editierung weiter optimieren, “bevor klinische Anwendungen erwogen werden“, schreiben sie in “Nature“. In den aktuellen Versuchen hätten sich die Embryonen bereits normal entwickelt. “Dennoch gibt es eine klare Notwendigkeit sicherzustellen, dass solche Strategien keine anderen schädigenden Wirkungen auf den sich entwickelnden Embryo und sein Genom haben“, schreiben Nerges Winblad und Fredrik Lanner vom Stockholmer Karolinska Institut in einem "Nature"-Kommentar.

Quelle: dpa/gpe

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 02.08.2017 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2017, 19:00 Uhr