Klima-Kompetenz Deutsche wissen nicht genug über Wetterrisiken

Was bedeutet eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 Prozent? Viele Deutsche können laut einer Umfrage diese und ähnliche Fragen nicht richtig beantworten. Das könnte im Zuge des Klimawandels immer mehr zum Problem werden.

Blick über Felder zum Horizont wo es stark regnet
Bildrechte: imago images/Bernd März

Bodenfrost, Hitze oder UV-Strahlung - Begriffe, die einfach klingen, bereiten vielen Deutschen Schwierigkeiten bei der alltäglichen Nutzung des Wetterberichts. Das hat eine Studie des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) herausgefunden, die in der Fachzeitschrift "Weather, Climate and Society" veröffentlicht wurde.

Die Bildungsforscher befragten dazu zusammen mit Kollegen des Hans-Ertel-Zentrums für Wetterforschung insgesamt 1.004 Deutsche im Alter zwischen 14 und 93 Jahren zu Wetterthemen wie Hitze, UV-Strahlung, Stürme, Gewitter, Starkregen und Bodenfrost und deren Auswirkungen. Außerdem ging es in der Umfrage um den bisherigen Klimawandel in Deutschland.

Bodenfrost auch bei Plusgraden in der Luft möglich

Dabei offenbarten sich einige Bildungslücken. So glaubten zum Beispiel fast die Hälfte der Befragten, dass Bodenfrost und damit Straßenglätte erst bei einer Lufttemperatur von null Grad Celsius oder darunter möglich ist. Tatsächlich kann die aber durchaus höher sein, da sie normalerweise zwei Meter über dem Boden gemessen wird. Diese Fehleinschätzung kann im Straßenverkehr gefährlich werden.

Auch bei der UV-Strahlung gab es Probleme. In der Umfrage verbanden zwei Drittel die Stärke der Strahlung mit der Temperatur, wobei diese in der Mittagszeit am höchsten ist, wenn nicht unbedingt die größte Wärme herrschen muss. Ebenso konnte eine Mehrheit der Befragten die Entfernung eines Gewitters anhand des zeitlichen Abstands zwischen Blitz und Donner nicht richtig berechnen.

Wetterbericht
Der Wetterbericht bereitet vielen Deutschen sowohl in der gedruckten als auch in TV-Form Probleme. Bildrechte: imago/blickwinkel

Wetterdienste müssen besser formulieren

Eine Frage, bei der wohl auch ein Großteil der Nicht-Befragten passen müsste, lautete: Was bedeutet eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 Prozent für Berlin?
a) An 30 Prozent aller Tage regnet es mit dieser Vorhersage in Berlin.
b) In 30 Prozent des Stadtgebiets regnet es.
c) Während 30 Prozent des Tages wird es regnen.

Richtig ist a). Aber hätten Sie das gewusst? Die Bildungsforscher nehmen daher die Wetterdienste in die Pflicht, ihre Vorhersagen verständlicher zu formulieren - gerade bei extremen Wetterereignissen, die in Zukunft wohl öfter vorkommen werden.

Die Kommunikation solcher Vorhersagen muss sorgfältig gestaltet und getestet werden, um unerwünschte Effekte wie Überreaktionen oder Verharmlosung der Risiken zu vermeiden.

Stefan Herzog, Co-Autor der Studie

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin besteht bereits seit 1963. Bildrechte: imago/Schöning

"Kompetenzoffensive" für Wetterbericht gefordert

Zumindest beim Thema "Klimawandel" wussten die Befragten besser Bescheid. 70 Prozent konnten die Frage, ob die Durchschnittstemperatur seit 1880 gestiegen ist, richtig beantworten (ist sie) - allerdings glaubten auch 80 Prozent, dass dies genauso für die Sturmintensität zutrifft, was für Deutschland nicht belegt werden kann.

"Hier wird die Wahrnehmung des Klimawandels vermutlich durch kürzliche Extremereignisse und die Medienberichterstattung beeinflusst", sagt die Erstautorin der Studie Nadine Fleischhut. Ihr Kollege Ralph Hertwig, Direktor des MPIB, fordert daher eine "Kompetenzoffensive" für den täglichen Wetterbericht - damit "wir alle jeden Tag einen Tick smarter im Umgang mit Wetter, Klima und Unsicherheit werden".

cdi

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