Mit Schweinezellen gegen Diabetes Dresdner Forscher implantieren künstliche Bauchspeicheldrüse

Forschern am Dresdner Uniklinikum ist ein kleiner Duchbruch in der Diabetesforschung gelungen. Erstmals konnten sie im Tiermodell ein künstliches Organ mit Schweinezellen einsetzen, das selbstständig Insulin produziert. Dieser Bioreaktor könnte die Insulinspritze ersetzen.

Die Forschung der Dresdner Wissenschaftler könnte das Leben vieler Menschen maßgeblich erleichtern. Sie könnte Diabetes-Typ-1-Patienten in Zukunft die Insulinspritze ersparen. Zum ersten Mal weltweit ist es gelungen, im Tiermodell einen Bioreaktor mit Schweinezellen zu implantieren. Bei diesem Bioreaktor handelt es sich um ein künstliches Organ, das die Funktion der Bauchspeicheldrüse ersetzen soll.

Fremdzellen werden nicht angegriffen

Grafik: Wirkungsweise des Bioreaktor
Bildrechte: Universitätsklinikum Dresden Medizinische Klinik III.

Eine Besonderheit des Experiments liegt darin, dass erfolgreich Fremdzellen implantiert wurden, die nicht vom Immunsystem des Körpers angegriffen werden können. Damit wären keine Medikamente mehr nötig, die das Immunsystem unterdrücken. Sobald der Blutzuckerspiegel steigt, produziert die künstliche Bauchspeicheldrüse mithilfe der Schweinezellen Insulin.
Eine Membran schützt die körperfremden Zellen vor einer Immunreaktion des Körpers, lässt aber das produzierte Insulin in den Kreislauf. Den Forschern gelang es außerdem, die Fremdzellen über einen längeren Zeitraum am Leben zu halten. Dafür braucht der Bioreaktor Sauerstoff, der über einen Port zugeführt wird.

Insulinproduzierende Schweinezellen

Im Jahr 2013 gelang es den Wissenschaftler sogar schon einmal, einen Bioreaktor bei einem Menschen zu implantieren. Dieses Gerät war aber mit menschlichen Zellen versehen. Weil menschliche Zellen beziehungsweise Spenderorgane nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, wurden jetzt künstliche Organe mit Schweinezellen getestet.

Vor dem Hintergrund des Mangels an geeigneten Pankreas-Spenderorganen eröffnet diese Strategie nun ganz neue Möglichkeiten für eine breitere und sichere Anwendung verschiedener zellbasierter Therapien.

Prof. Stefan Bornstein, Uniklinik Dresden

Bald bei Menschen anwendbar?

Die Studie ist das Ergebnis einer großangelegten Forschungskooperation. Der Bioreaktor wurde zusammen mit einer Biotechnologie-Firma aus Israel entwickelt. Getestet wurde der Schweinezellen-Reaktor dann im Göttinger Primatenzentrum an einem Rhesusaffen. Unterstützt wurden die Forscher außerdem von Kollegen des King’s College in London. In einem nächsten Schritt muss geprüft werden, ob die Schweinezellen auch bei Menschen implantiert werden dürfen. Der Ansatz wäre naheliegend: Schon lange erhalten Diabetespatienten von Schweinen produziertes Insulin. In Zukunft könnten sie es sogar im eigenen Körper produzieren.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 24.10.2017 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2017, 15:46 Uhr