Studie der Johns Hopkins University School of Medicine Führen E-Zigaretten zu Erektionsstörungen?

Endlich ohne viele Schadstoffe rauchen und das Gesundheitsrisiko minimieren – das ist der Antrieb vieler E-Zigarettenraucher. Doch das Konzept muss nicht dringend aufgehen. Wie eine Studie der Johns Hopkins University School of Medicine in den USA jetzt herausfand, erhöhen elektronische Nikotinabgabesysteme (ENDS) die Wahrscheinlichkeit von Erektionsstörungen um mehr als das Doppelte.

E-Zigarette
Doch nicht so unproblematisch: Nikotinbasierte E-Zigaretten können ähnlich wie normale Zigaretten zu Erektionsstörungen führen. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

In der ersten bevölkerungsbasierten Studie verwendeten die Forscher der Johns Hopkins University School of Medicine sowie der NYU Grossman School of Medicine in New York Daten einer landesweit repräsentativen Studie mit 45.971 US-Erwachsenen im Alter ab 18 Jahren. Das Ergebnis: Männer zwischen 20 und 65 Jahren, die keine Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, aber täglich E-Zigaretten mit Nikotinliquids rauchten, waren 2,4-mal so häufig von Erektionsstörungen betroffen, wie Männer, die nie ENDS verwendet haben.

"In Anbetracht der Tatsache, dass viele Menschen E-Zigaretten als eine Form der Schadensbegrenzung beim Rauchen oder zur Unterstützung bei der Raucherentwöhnung verwenden, brauchen wir umfangreiche Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Vaping-Produkten und erektiler Dysfunktion (ED)", erklärte Omar El Shahawy, Assistenzprofessor für Bevölkerungsgesundheit an der NYU Grossman School und Hauptautor der Studie. Die Analysen berücksichtigten sowohl ehemalige Raucher als auch Probanden, die noch nie geraucht haben.

Es ist also möglich, dass tägliches E-Zigarettenrauchen – unabhängig davon, ob jemand vorher Raucher war oder nicht – mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für erektile Dysfunktion verbunden ist.

Dr. Omar El Shahawy Assistenzprofessor für Bevölkerungsgesundheit an der NYU Grossman School

Die Studie ist online im American Journal of Preventive Medicine veröffentlicht worden. Die Forschungsdaten stammen aus der Population Assessment of Tobacco and Health (PATH)-Studie, in der verschiedene Verhaltensweisen beim Tabakkonsum und gesundheitliche Folgen untersucht werden.

grafische Darstellung des männlichen Genitalbereichs von der Seite
Laut einer Studie haben tägliche E-Zigarettenraucher 2,4-mal so viele Erektionsstörungen wie Nichtraucher. Bildrechte: Colourbox.de

Rauchen schon lange mit Erektionsstörungen verbunden

Rauchen wird seit langem mit Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Bislang ist jedoch kaum untersucht worden, ob ein ähnlicher Zusammenhang bei Männern besteht, die elektronische Nikotinabgabesysteme (ENDS), gemeinhin als E-Zigaretten bezeichnet, verwenden.

Über 13.000 Männer befragt

Für die Studie beantworteten über 13.700 Männer ab einem Alter von 20 Jahren Fragen zu Erektionsstörungen. Die Befragten wurden als Nie-, ehemalige und aktuelle (gelegentliche oder tägliche) Konsumenten klassifiziert. Fast die Hälfte der Teilnehmer waren ehemalige Zigarettenraucher, 21 Prozent waren aktuelle Zigarettenraucher, und 14 Prozent konsumierten andere Tabakprodukte.

Stichprobe mit Probanden ohne Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen

Die Forschenden untersuchten zudem eine Stichprobe von 11.200 erwachsenen Männern im Alter von 20 bis 65 Jahren ohne vorherige Diagnose einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Im Vergleich zu denjenigen, die nie ENDS konsumierten, gaben die täglichen Nutzer mit mehr als doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit an, an einer ED zu leiden.

Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen nikotinbasierten E-Zigaretten und Erektionsstörungen bei den Befragten im Alter von 20 bis 65 Jahren mit normalem Body-Mass-Index und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dr. Omar El Shahawy

Ein Zusammenhang sei besonders bei relativ gesunden Probanden evident.

Einschränkung: Daten basieren auf Selbsteinschätzung

Den Forschenden zufolge unterlegt die Studie jedoch einer möglichen Einschränkung: Die Daten der Befragten basieren auf Selbsteinschätzungen. Dies könne zu einer Fehlklassifizierung und einem "Desirability Bias" führen, bei dem die Befragten auf Grundlage dessen antworten, von dem sie glauben, dass es von anderen als positiv wahrgenommen wird. Zudem habe es keine Daten darüber gegeben, ob die Befragten Medikamente einnahmen, die mit Erektionsstörungen in Verbindung gebracht werden wie zum Beispiel Antidepressiva oder Betablocker.

(kt)