Jugendlicher trinkt Energy Drink
Bildrechte: IMAGO

Herzspezialist fordert: Energydrinks für Jugendliche verbieten

Energydrinks sind vor allem bei Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren sehr beliebt. Ein dauerhaft zu hoher Konsum kann allerdings zu Fehlbildungen am Herzen führen, warnen Mediziner. Auch die Verbraucherzentralen fordern ein Verkaufsverbot an Jugendliche.

Jugendlicher trinkt Energy Drink
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Zu viele Energydrinks können das Herz schädigen, besonders bei jungen Menschen: Mediziner und Forscher vermuten seit längerer Zeit, dass hohe Mengen Koffein zu Rhythmusstörungen führen. Nun warnt Martin Hulpke-Wette, Sprecher der Arbeitsgruppe Prävention der Deutschen Gesellschaft für Kinderherzmedizin, im Gespräch mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF) erneut vor den zuckersüßen Wachmachern. Als Arzt sehe er bei jungen Patienten regelmäßig krankhaft veränderte Herzen, sagte der Mediziner im Gespräch mit dem Sender. "In der letzten und vorletzten Woche waren wieder jeweils ein Junge und ein Mädchen im Alter von 14 und 16 bei mir, die eine deutliche Wandverdickung ihres linken Herzens entwickelt haben." Hulpke-Wette glaubt, dass zu viele Energy Drinks zu dieser Veränderung geführt haben.

Problem Herzwandverdickung

Die Erklärung der Experten: Koffein führe im Körper zur Bildung von Stresshormonen, die die linke Herzkammer antreiben. Dort wird aus der Lunge kommendes Blut in den Körper gepumpt. Wird die Herzfunktion durch Koffein dauerhaft verstärkt, könne das den Muskel vergrößern – dann sprechen die Mediziner von einer Herzwandverdickung.

Eine deutliche Wandverdickung des Herzens ist ein hohes Risiko für eine spätere Herzrhythmusstörung und erhebliche Blutdruckprobleme. Außerdem kann es zu einem Herzversagen in dem Sinn kommen, dass das Herz sich nicht mehr vernünftig füllt. Das ist dann ein 40-Jähriger, der die Treppe nicht mehr hoch kommt. Sein Herz kann nicht mehr normal arbeiten, weil die Füllungsphase so stark gestört ist.

Martin Hulpke-Wette, Arbeitsgruppe Prävention der Deutschen Gesellschaft für Kinderherzmedizin

Die Hersteller von Energydrinks weisen den Vorwurf zurück, berufen sich auf Studien, wonach ein moderater Konsum von Koffein (bei Erwachsenen etwa vier bis sechs Tassen Kaffee pro Tag) nicht zu Bluthochdruck oder anderen Risiken für das Herz-Kreislauf-System führe. Allerdings kommen andere Umfragen immer wieder zu dem Ergebnis, dass viele Jugendliche deutlich mehr Koffein zu sich nehmen, als empfohlen.

Drei Dosen sind zu viel

Laut einem aktuellen Bericht der deutschen Verbraucherzentralen trinken fast 70 Prozent aller Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren regelmäßig Energydrinks. Jeder vierte von ihnen überschreite dabei die empfohlene Maximaldosis. Kinder und Jugendliche sollten demnach nicht mehr als 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Die seien jedoch schnell erreicht, rechnet der Bericht der Verbraucherschützer vor.

Ein 13-Jähriger, der etwa 54 Kilo wiegt, kann demnach etwas mehr als 160 Milligramm Koffein zu sich nehmen. Ein handelsüblicher Energydrink in einer 250 Milliliter-Dose enthält etwa 80 Milligramm Koffein. Nach zwei Dosen hat der 15-Jährige sein Limit erreicht, mit weiteren Drinks bringt er seine Gesundheit in Gefahr. Ein zusätzliches Risiko entstehe, wenn Energydrinks mit Alkohol kombiniert werden, so die Verbraucherschützer. Das ist vor allem bei jungen Erwachsenen sehr beliebt.

Die meisten Energydrinks müssen seit Ende 2014 mit dem Warnhinweis "Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen" versehen werden. Der Verbraucherzentrale reicht das allerdings nicht. Der Verband fordert ein Verkaufsverbot der Getränke an Minderjährige. Dieser Forderung schließt sich auch Kinderkardiologe Hulpke-Wette an: "Es geht hier um Menschen, die die Konsequenzen nicht ermessen können, und wo Eltern und Lehrer keine Chance haben, das zu verhindern."

Über dieses Thema berichtete der MDR: im Fernsehen "Brisant" | 17.05.2017 | 17:15 Uhr
im Radio MDR JUMP | 25.06.2017 | 10:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2017, 07:59 Uhr