Corona-Studie in Göttingen Doping gegen Covid-19

Erythropoietin ist allgemein besser als Dopingmittel Epo bekannt. Eigentlich ist es ein Medikament, das die Bildung neuer roter Blutkörperchen fördert und so die Sauerstoffversorgung verbessert. Nun gibt es Hinweise, dass es sich auch positiv auf den Verlauf einer Covid-19 Erkrankung auswirken könnte. Forschende des Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin in Göttingen wollen dies nun in einer klinischen Studie untersuchen.

Fläschchen Eprex
EPREX - eines von verschiedenen Medikamenten, die Epo, den Wirkstoff Erythropoietin, enthalten. Bildrechte: imago images / PanoramiC

Epo ist ein sogenannter körpereigener Wachstumsfaktor. Das bedeutet, das Hormon wird vom Körper ausgeschüttet, wenn wir an einem Sauerstoffmangel leiden. Es regt die Produktion roter Blutkörperchen an und verbessert dadurch die Sauerstoffversorgung im Körper. Besonders schwere Krankheitsverläufe von Covid-19 zeichnen sich durch Atemnot und Lungenentzündungen aus. Die Verabreichung von künstlich erzeugtem Epo erscheint auf den ersten Blick also plausibel.

Was wird erwartet?

Einen Beleg dafür sieht die Max-Planck-Gesellschaft in einem Fall Ende März. In einem iranischen Krankhaus soll ein Patient mit schweren Covid-19-Symptomen erfolgreich mit Epo behandelt worden sein. Ob sich die Vermutung bewahrheitet, soll nun in Göttingen am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin herausgefunden werden. Das Forschungsteam um Professorin Hannelore Ehrenreich plant eine randomisierte Studie mit 20 bis 40 Patienten, die Erythropoietin neben der Intensivbehandlung verabreicht bekommen sollen.

Ehrenreich und ihre KollegInnen gehen davon aus, dass Epo gleich drei positive Effekte bei erzielen könnte. Neben der Linderung der Atemnot könnte Epo Gehirn und Nerven schützen. Ein wichtiger Faktor, häufen sich doch die Berichte über neurologische Schäden, wie die Störung von Riech- und Geschmackssinn oder Krampfanfälle, in Folge der Covid-19-Erkrankung. Zusätzlich gehen die Forschenden in ihrem Artikel zur geplanten Studie auch von einer Entzündungshemmung durch Erythropoietin aus. Grund dafür sei die hemmende Wirkung auf Cytokine, das entzündungsfördernd wirkt, sowie die Förderung der Wundheilung.

Obwohl Studien an Tieren und Menschen bereits auf die schützenden Effekte von Epo hinweisen würden, hätten Pharmaunternehmen laut Ehrenreich derzeit kein Interesse an weiterführenden Untersuchungen. Der Grund: Der Patentschutz ist abgelaufen und das Medikament wird bereits vielfach hergestellt.

Entzündungshemmende Medikamente gegen das Virus 

Epo wäre nicht der erste Fall, in dem ein vorhandenes Medikament erfolgreich eingesetzt würde. Bereits Mitte Juni sorgte das Medikament Dexamethason für Hoffnung. Britische Forschende und die Weltgesundheitsorganisation WHO sprechen von einem Durchbruch bei der Behandlung des Virus. In einer ersten Studie von Forschenden der Universitäten Oxford sank die Sterberate bei schwer erkrankten Patienten um ein Drittel.

Auch ein Krebsmedikament geriet unlängst in den Fokus der Wissenschaft. In Marburg setzte Krebsspezialist Dr. Andreas Gebauer Ruxolitinib ein, um einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Frau zu heilen. Beide Medikamente wirken entzündungshemmend. 

lb

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